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Bei IMO Leipzig zeichnet sich Rettung aus der Insolvenz ab

Sechs Interessenten für Traditionsbetrieb Bei IMO Leipzig zeichnet sich Rettung aus der Insolvenz ab

IMO Leipzig soll unter einem neuen Eigner wieder durchstarten. „Es gibt ein halbes Dutzende Interessenten“, erklärte Insolvenzverwalter Nikolaus Schmidt am Mittwoch der LVZ. Bis Ende des Jahres will er den Verkauf des traditionsreichen Stahlbaumontagebetrieb abschließen – und alle 228 Arbeitsplätze erhalten.

An der Riesaer Straße im Osten Leipzigs weist ein Schriftzug quer über die vielbefahrene Straße auf die Zentrale von IMO Leipzig hin.

Quelle: Frank Johannsen

Leipzig. Vier Wochen nach der Insolvenz geben sich bei IMO Leipzig die möglichen Investoren die Klinke in die Hand. „Es gibt ein halbes Dutzend Interessenten“, sagte Insolvenzverwalter Nikolaus Schmidt aus Halle der Leipziger Volkszeitung. „Seit zwei, drei Wochen laufen die Gespräche. Es gab erste Treffen und erste Besichtigungen vor Ort.“ Bis Jahresende will er einen Investor finden. Der soll den traditionsreichen Stahlbaumontagebetrieb fortführen – und möglichst alle 228 Arbeitsplätze erhalten. „Das ist das Ziel. Und ich bin optimistisch, dass das auch gelingen wird.“

Der Betrieb von Leipzigs Ex-IHK-Chef Wolfgang Topf hatte Ende Juli Insolvenz angemeldet. Grund waren nicht zuletzt die Sanktionen gegen Russland, die das Geschäft dort quasi zum Erliegen brachten. Zugleich fiel wegen der Energiewende der Kraftwerksbau weg. Beides zusammen ließ den Traditionsbetrieb dann ausbluten. „Am Ende war die Liquidität fast vollständig aufgebraucht“, so Schmidt. Bei den Gläubigern steht das Unternehmen nun mit mehreren Millionen Euro in der Kreide.

Unternehmen arbeitet wieder kostendeckend

Inzwischen habe sich die Lage deutlich gebessert. „Durch Neustrukturierung der vorhandenen Aufträge ist es uns gelungen, dass wir im laufenden Betrieb jetzt kostendeckend arbeiten“, sagte Schmidt. Wobei auch das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur helfe. Denn das ersetzt für drei Monate die Lohnkosten, noch bis Ende September muss IMO seine Mitarbeiter also nicht selbst bezahlen.

Danach muss das Unternehmen die Löhne dann wieder selbst erwirtschaften. Schmidt zeigte sich zuversichtlich, dass das gelingen wird. „Im Moment sieht es so aus, dass wir sogar etwas Überschuss erwirtschaften.“ Das dürfte reichen, um auch nach Auslaufen des Insolvenzgeldes weiterzumachen.

„Das gibt uns deutlich mehr Spielraum“, sagte Schmidt. Die Suche nach einem Investor müsse daher nicht übers Knie gebrochen werden. Ewig Zeit lassen will sich der Verwalter aber auch nicht. „Bis Jahresende sollte das vollzogen sein.“

14 Projekte von Kasachstan bis Island

Alle 14 laufenden Projekte von Kasachstan bis Island werden weiter abgearbeitet, betonte Schmidt. Und er habe sogar vier neue Aufträge an Land gezogen. „Dass wir trotz Insolvenz alle Projekte weiter abarbeiten, ist die beste Werbung. Das spricht sich herum. Und dann kommen auch neue Aufträge.“

Unter den Alt-Projekten sind auch zwei internationale Aushängeschilder: Der Bau einer Raffinerie in Kasachstan, der seit gut einem Jahr läuft und 2018 abgeschlossen werden soll, und ein Auftrag aus Island. In der Hafenstadt Húsavík ganz im Norden der Insel baut IMO für den Duisburger Konzern Petro Carbo Chem (PCC) an einer neuen Siliziumschmelze mit. Als Subunternehmer von Züblin errichtet IMO die Stahlbaukonstruktionen für Ofenhaus, Gieß- und Lagerhalle. 20 Kollegen aus Leipzig sind derzeit vor Ort, um die per Schiff angelieferten Teile zu montieren. Seit einem Jahr wird auf der Baustelle am Polarkreis gearbeitet, im September soll das Projekt abgeschlossen werden.

Standorte sollen erhalten bleiben

Namen der Interessenten für IMO wollte Schmidt nicht nennen. „Es handelt sich aber um große Player aus der Branche.“ Zugleich wies er Befürchtungen zurück, es gehe womöglich nur darum, einen Konkurrenten auszuschalten. „Es geht denen nicht um Marktbereinigung“, sagte Schmidt. Der Betrieb in Leipzig soll erhalten bleiben, so sein erklärtes Ziel.

Auch die beiden Niederlassungen in Sankt Petersburg und in Kasachstan stellt Schmidt – trotz Russland-Schwäche – nicht zur Disposition. „Ich sehe derzeit keine Notwendigkeit, dort etwas zu ändern.“ Die Dependance in Sankt Petersburg sei ohnehin nur ein kleines Verkaufsbüro. Und die Filiale in Kasach­stan mit ihren 30 Mitarbeitern sei mit dem Raffinerie-Auftrag voll ausgelastet.

Nicht mehr an Bord sein dürfte beim Neustart von IMO aber der bisherige Inhaber Wolfgang Topf (68), der von 2000 bis 2016 auch an der Spitze der Leipziger Industrie- und Handelskammer (IHK) gestanden hatte. Er hatte den einstigen VEB Industriemontagen 1992 von der Treuhand übernommen. IMO ist auf die Montage großer Stahlbauten spezialisiert, hat zu DDR-Zeiten auch den Berliner Fernsehturm gebaut. Gegründet wurde der Betrieb 1890 als Karl-Schiege-Eisenbau im heutigen Leipziger Stadtteil Paunsdorf.

Von Frank Johannsen

Leipzig Riesaer Str. 72-74 51.34496 12.45746
Leipzig Riesaer Str. 72-74
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