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Geisterbahnhof am Flughafen Leipzig: Zu wenig Fracht fürs Millionenprojekt

Geisterbahnhof am Flughafen Leipzig: Zu wenig Fracht fürs Millionenprojekt

Neues Logistikdrehkreuz für internationale Unternehmen, Jahr für Jahr Rekorde beim Frachtumschlag auf dem Flughafen Leipzig-Halle – damit macht die Stadt positive Schlagzeilen.

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Frachtumschlagbahnhof am Flughafen Leipzig-Halle. Für einen regelmäßigen Betrieb am 32-Mio.-Euro-Projekt gibt es offenbar zu wenig Fracht und Interessenten.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Doch die weiße Weste hat einen Fleck: Seit fünf Jahren ist der 32 Millionen Euro teure Luftfrachtumschlagbahnhof ein Geisterbahnhof. Zu wenig Güter, und DHL bemängelt die Anbindung nach Frankfurt. DHL und der Flughafen sind trotzdem optimistisch.

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Leipzig. Neues Logistikdrehkreuz für internationale Unternehmen, Jahr für Jahr Rekorde beim Frachtumschlag auf dem Flughafen Leipzig-Halle – damit macht die Stadt positive Schlagzeilen. Doch die weiße Weste hat einen Fleck: Seit fünf Jahren ist der 32 Millionen Euro teure Luftfrachtumschlagbahnhof ein Geisterbahnhof. Zu wenig Güter, und DHL bemängelt die Anbindung nach Frankfurt. DHL und der Flughafen sind trotzdem optimistisch.

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Die Gleisruhe wurde jetzt empfindlich gestört durch eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Kallenbach. Dabei kam ans Licht: Außer dem Löwenanteil  aus dem europäischen Strukturfonds EFRE verbaute das Land Sachsen dort 7,25 Millionen Euro. „Ein unverantwortlicher Umgang mit Steuermitteln“, schimpft Kallenbach.

Der Freistaat hätte das Geld ausgereicht mit dem Ziel, "zukünftig Straßen- und Lufttransporte durch umweltfreundlichere Bahntransporte zu ersetzen", so Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP). Eine dauerhafte Zugverbindung ab Frachtumschlagbahnhof sei unter aktuellen Bedingungen aber nicht wirtschaftlich, so Morlok in seiner Antwort an Kallenbach. Von DHL fuhr seit der Fertigstellung des Bahnhofs im Jahr 2008 ein Probezug zwischen Leipzig/Halle und Frankfurt am Main. Derzeit werde der Bahnhof regelmäßig für den Empfang von Flugbenzin genutzt, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit. Die DB Netz AG ist Besitzer und Betreiber der Anlage.

DB Netz AG: Anlage ist voll funktionsfähig

Der Bahnhof besteht aus zwei Ladegleisen, auf denen Züge mit bis zu 620 Metern Länge mit Fracht bestückt werden können. Dazu gibt es zwei Wartegleise und zwei Puffergleise. Die Anlage sei voll funktionsfähig und betriebsbereit, so die Bahn. Doch die große Fracht-Verlagerung vom Lkw auf die Schiene blieb aus.

„Für eine Expressverbindung nach Frankfurt braucht man ein funktionierendes Schienennetz,“ so DHL-Sprecher Markus Wohsmann gegenüber LVZ-Online. Die Deutsche Bahn könne auf der Verbindung die Schnelligkeit nicht garantieren, deshalb bringe DHL seine Fracht auf die Straße. Dazu kommt: Das Expressgutaufkommen von DHL reiche nicht aus, um ganze Züge auszulasten. Als Partner für den Bahnhofsbetrieb bräuchte man weitere Wirtschaftsunternehmen aus der Region. Wenn Benzin- und Dieselpreise aber wie bisher stiegen, „spielt der Cargo-Bahnhof in den nächsten 20 Jahren eine wachsende Rolle.“

Die Deutsche Bahn weist auf Anfrage von LVZ-Online darauf hin, dass sie jederzeit bereit sei, bei entsprechender Nachfrage Güterzüge von und zum Luftfrachtumschlagbahnhof Leipzig zu fahren, sobald entsprechende Frachtmengen vorhanden seien. DHL und Lufthansa Cargo hätten „ursprünglich den Weitertransport großer Teile ihres Luftfrachtaufkommens per Zug zwischen Leipzig und Frankfurt und anderen Standorten geplant“. Wegen des 2008/2009 einsetzenden Rückgangs des Frachtaufkommens habe man keinen Regelbetrieb aufnehmen können. Seitdem das Aufkommen wieder steige, suche man mit Partnern wie DHL und dem Flughafen nach Möglichkeiten, den Bahnhof wiederzubeleben.

Markus Kopp, Vorstand der Mitteldeutschen Flughafen AG, sagte Anfang 2013 im Interview mit der Leipziger Volkszeitung, dass der Logistikstandort Leipzig entgegen dem europäischen Trend wachse. Beim Frachtaufkommen werde das achte Rekordjahresergebnis in Folge erwartet. So hat DHL im vergangenen Jahr rund 864.000 Tonnen Fracht umgeschlagen.

Flughafen plant Vermarktung

„Das in den Bahnhof investierte Geld ist nicht vertan“, ist Robert Hesse, Sprecher der Mitteldeutschen Airport Holding, sicher. Auch in Frankreich seien vor fünf Jahren solche Projekte angeleiert worden, die jetzt erst Wirkung zeigten. In Leipzig habe es Zwischennutzungen für den Bahnhof gegeben, „dort sind zum Beispiel Autos verladen worden“, berichtet Hesse. Die Anstrengungen zur Vermarktung des Umschlagbahnhofs liefen. Nächster Angelpunkt: Der Branchentreff Transport und Logistik München im Juni. Die Stadt Leipzig unterstütze entsprechende Aktionen, sieht den Bahnhof als strategische Investition, teilte das Amt für Wirtschaftsförderung mit. Mit der Verlagerung der Fracht auf die Schiene könnten außerdem die Belastungen für die Anwohner des Flughafens verringert werden.

Grünen-Politikerin Gisela Kallenbach will jetzt nicht locker lassen. Sie möchte von der Staatsregierung wissen, „aufgrund welcher Prognose die Finanzierung für das 32-Millionen-Euro-Projekt bewilligt worden ist.“ Kallenbach hält den Bahnhof für einen Fall für den Landesrechnungshof.

Evelyn ter Vehn

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