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Neues Gutachten: Muss WBG-Boss Schlögel doch vor Gericht?

Neues Gutachten: Muss WBG-Boss Schlögel doch vor Gericht?

Wird dem mutmaßlichen Hauptverantwortlichen des Millionenskandals um die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG (WBG) doch noch der Prozess gemacht? Nach LVZ-Informationen hat das Landgericht ein weiteres ärztliches Gutachten in Auftrag gegeben, das die Verhandlungsfähigkeit des schillernden WBG-Mehrheitsaktionärs Jürgen Schlögel (50) prüfen soll.

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Jürgen Schlögel

Quelle: Kempner

Leipzig. Ein erstes neurologisches Gutachten vom November 2013 hatte dem Angeklagten, der durch Anlagebetrug 99 Millionen Euro kassiert haben soll und mit seinem exzessiven Lebensstil wie kein anderer für die Abzocke zehntausender WBG-Gläubiger steht, einen Auftritt vor Gericht erspart. Darin befand ein renommierter Experte, dass Schlögel - seit vielen Jahren alkoholkrank - nicht in der Lage sei, einer Verhandlung zu folgen. "Es bestehen erhebliche Zweifel an seiner Verhandlungsfähigkeit", teilte der Vorsitzende Richter Karsten Nickel damals mit und setzte das Verfahren aus. Für eine Einstellung, wie von Schlögels Verteidigung beantragt, fehlten der Wirtschaftsstrafkammer die Voraussetzungen.

Nun sei eine erneute Begutachtung des Beschuldigten veranlasst worden, teilte Gerichtssprecher Hans Jagenlauf auf LVZ-Anfrage mit. Diesmal führte aber kein Mediziner nach Schlögels Wahl die Untersuchung durch, sondern ein Amtsarzt. Von dessen Befund hängt nun maßgeblich ab, ob der WBG-Drahtzieher doch noch vor Gericht muss.

Ursprünglich hatten die Ermittler bei der juristischen Aufarbeitung eines der größten Finanzskandale der Nachkriegszeit 13 Bosse und Berater der Pleitefirma im Visier. In drei Fällen erhob die Staatsanwaltschaft gar nicht erst Anklage. Von den verbliebenen zehn Beschuldigten verstarb einer, die Verfahren gegen zwei Wirtschaftsprüfer, einen Vermögensberater und einen Rechtsanwalt wurden noch vor Prozessbeginn gegen Geldauflagen zwischen 10 000 und 100 000 Euro eingestellt.

Bis auf Schlögel saßen alle anderen ab November 2013 vor Gericht - wegen Untreue durch Unterlassen beziehungsweise Verletzung der Berichtspflicht. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte die WBG 25 Inhaberschuldverschreibungen mit einem Gesamtvolumen von 565 Millionen Euro aufgelegt, eingezahlt wurden 382 Millionen. Als im Oktober 2005 die 17. Schuldverschreibung fällig war, seien Rückzahlungen und andere Verbindlichkeiten nicht mehr bestritten worden - die Firma war pleite. Dennoch sollen weitere Millionen an Schlögel geflossen sein, der mit seiner Nürnberger Firma J. S. Immobilienbeteiligungen zu 74 Prozent an der WBG beteiligt war und diese über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag kontrollierte.

Vor Gericht wurden weitere Verfahren gegen Ex-Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer und Vermögensberater eingestellt - auch in diesen Fällen gegen Zahlung von Geldauflagen, ein Beschuldigter musste gemeinnützige Arbeit leisten. Übrig blieb Ex-Vorstand Pierre Klusmeyer (57), der im März wegen Betrugs und Untreue zu einer Bewährungsstrafe und wegen vorsätzlicher Pflichtverletzung bei Zahlungsunfähigkeit zu 4950 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. "Ich entschuldige mich bei den Anlegern, dass ich es unterlassen habe, mich Herrn Schlögel zu widersetzen", sagte er.

Bereits 2007 saßen beide Herren auf der Anklagebank - damals galt Schlögel noch als verhandlungsfähig. Der Prozess wegen besonders schweren Betrugs in 4858 Fällen mit einem Schaden von mehr als 26,6 Millionen Euro sowie Insolvenzverschleppung platzte jedoch.

Ob Schlögels Gesundheitszustand eine Neuauflage zulässt, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden. Frühere Weggefährten stellten sich übrigens trotz schwerer Erkrankung ihrer Verantwortung: Ex-WBG-Aufsichtsrat Franz Joachim von M. (70) musste beim bislang letzten Prozess sogar an ein Sauerstoffgerät angeschlossen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.09.2014

Frank Döring

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