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Zu nah am Werksgebäude: Vier neue Windräder bei BMW in Leipzig dürfte es gar nicht geben

Zu nah am Werksgebäude: Vier neue Windräder bei BMW in Leipzig dürfte es gar nicht geben

Ein Fünftel seines Eigenbedarfs deckt Autohersteller BMW im Werk Leipzig demnächst mit selbsterzeugtem Windstrom. Dafür wurden vier große Rotortürme in Betrieb genommen.

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Windräder auf dem BMW-Werksgelände in Leipzig. Der Windstrom fließt direkt in die Produktion der Elektroautos.

Quelle: Andreas Doering

Bundesweit ist diese Selbstversorgung ein Novum, weil das Baurecht sie eigentlich verhindert.

Wenn ein steter Wind weht, hört man sie nicht. Und man sieht sie auch nur mit etwas Abstand. Sonst muss man den Kopf gehörig in den Nacken legen, um die fast 190 Meter hohen Windräder in ihrer Gänze wahrzunehmen. Aus den hohen Schichten über dem Leipziger BMW-Werk pflücken Sie den Wind, wandeln ihn in Strom. Pro Jahr macht das 26 Gigawattstunden Strom. "Der deckt ein Fünftel unseres Eigenbedarfs. Das ist etwas mehr als ab Herbst für die Produktion unserer Elektroautos benötigt wird", sagte Werkleiter Manfred Erlacher.

Um Autos in Leipzig CO2-frei herzustellen, prüften sie alle Optionen und landeten irgendwann bei der Idee, den Wind zu nutzen. Das rechnete sich. Das Werk agiert nicht selbst als Kraftwerksbetreiber. "Jeder macht, was er kann. Wir bauen Autos. WPD baut und betreibt Windkraftwerke", so Erlacher. Das Bremer Unternehmen WPD ist Marktführer der Branche, betreibt die vier Leipziger Windriesen und speist den Strom in die Werksverteilung ein. WPD-Gründer und Inhaber Klaus Meier ist extra für die Inbetriebnahme seiner Türme angereist. "Das ist ein wichtiges Projekt mit einer großen Ausstrahlung", freut sich Meier.

International sei man mit dem Bau von Windkraftanlagen nahe großer Stromverbraucher in Industriegebieten viel offensiver. Von dort gebe es auch viele Anfragen. In Deutschland erzeugen Unternehmen kaum selbst Energie. Dabei lägen, so Meier, die Vorteile auf der Hand: Es würden kaum Anwohner beeinträchtigt. Stromerzeugung neben dem Verbraucher spare den Netzausbau. Der Landschaftsverbrauch sei in Industriegebieten ohnehin hoch. Bei BMW fiele das dumpfe Zischen der Rotoren kaum ins Gewicht, weil die Eigengeräusche des Werkes lauter seien.

BMW-Werkleiter Erlacher lobt vor vielen Zuschauern des gestrigen Mitarbeiterfestes die Zusammenarbeit mit den Behörden. Statt in sechs oder sieben sei der Bau bereits in 3,5 Jahren realisierbar gewesen. Viele Gutachten zerstreuten anfängliche Bedenken. Auch Radar und Einflugschneise des nahen Flughafens Leipzig/Halle würden durch die Rotoren an den 140 Meter hohen Türmen nicht gestört. "Es war ein verkürzter Marathon", erinnert sich Erlacher lachend.

Trotzdem dürfte es die vier Windstromer laut Baurecht gar nicht geben. Letzte Woche verabschiedete die Staatsregierung einen Erlass, wonach solche Rotortürme mindestens 1000 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein müssen. Zudem schließt die Baunutzungsverordnung Windräder in Gewerbegebieten aus, wogegen Photovoltaik und Biogasanlagen erlaubt sind.

"Für die Genehmigungen der Anlagen bei BMW sind die bauplanungsrechtlichen Vorschriften zumindest sehr entgegenkommend interpretiert worden", sagt der Leipziger Energierechtsexperte Martin Maslaton. Der Landesvorsitzende des Bundesverbands Windenergie lobt aber: "Die Selbsterzeugung von Strom durch Großverbraucher wie BMW ist das sinnvollste, was man machen kann."

Davon überzeugte sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), der sonst keine Gelegenheit auslässt anzumerken, dass ihm der Ausbau der Windenergienutzung zu schnell geht. "Diese Windkraftanlagen bei BMW rechnen sich ohne staatliche Förderung", lobte er. Bezugnehmend auf das Baurecht sagte er, dass natürlich auch in Industriegebieten kleinere Anlagen möglich seien. Es müsse aber immer dem Einfluss auf die Nachbarn Rechnung getragen werden. Und die 1000 Meter Mindestabstand von Windrädern zur Wohnbebauung seien "kein Gesetz und nicht zwingend", relativierte Morlok seinen eigenen Erlass.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.07.2013

Andreas Friedrich

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