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Wölfe in Sachsen: Umweltminister Kupfer will Schäfern mit Freiwilligen und Zäunen helfen

Wölfe in Sachsen: Umweltminister Kupfer will Schäfern mit Freiwilligen und Zäunen helfen

Der Wolf kontra Schafherden: Mit einem ganzen Maßnahme-Paket hilft der Freistaat den Betroffenen, die immer wieder vom Raubtier heimgesucht werden. So unterstützt man Schäfer beim Ankauf von Zäunen oder Herdenschutzhunden.

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Liegt das Wohl der Lämmer am Herzen: Umweltminister Frank Kuper (Mitte) mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Jens Michel (rechts) und dem Schäfer Manfred Horn aus Berthelsdorf.

Quelle: Christiane Keilholz

Berthelsdorf. Der Erfolg hält sich in Grenzen, Schäfer beklagen immer wieder Verluste von Lämmern. In Berthelsdorf (Sächsische Schweiz) ging Umweltminister Frank Kupfer (CDU) am Freitag in die Offensive: Teilnehmer des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) werden als Helfer ins Wolfsgebiet geschickt.

Großer Bahnhof in Schäfer Manfred Horns Scheune. Weil es in Strömen regnet, muss die kleine inoffizielle Wolfs-Konferenz zwischen Futtersäcken und Rasenmäher stattfinden. Im Winter hatte der 47-Jährige Alarm geschlagen. Seit Monaten lebt nachweislich eine Wolfsfamilie in direkter Nachbarschaft zu seinen 200 Mutterschafen. Im vergangenen Frühjahr wurden ihm fünf Schafe gerissen. Horn ist sauer. Im MDR lud er Minister Kupfer ein, um mal mit ihm zusammen Schutzzäune aufzubauen. Nun ist der Minister da. In Hut, Gummistiefeln und Regenmantel. Mitgebracht hat er die Wolfsexperten aus seinem Hause sowie die Spitze des Schaf- und Ziegenzuchtverbands. Gemeinsam wollen sie Elektrozäune setzen. Der Saft ist abgedreht, aber das Thema Wolf hat genug Spannung. "Ich kann die Schäfer verstehen", sagt Kupfer. "Wir müssen zusehen, dass wir mit dem Wolf klarkommen." In der Gegend um Neustadt glauben indes die Wenigsten, dass das klappt.

Dem Landtag in Dresden liegt eine Massenpetition "gegen die uneingeschränkte Ausbreitung des Wolfes" vor, für die Schäfer Horn und dessen Mitstreiter mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt haben. Sie stören sich am sächsischen Wolfsmanagement und fordern Abschussquoten für das streng geschützte Raubtier. Sogar einige CDU-Parlamentarier haben sich dieser Forderung angeschlossen. Wie der Landtagsabgeordnete Jens Michel aus Lohmen. Er ist überzeugt, "dass sich in den nächsten drei Jahren etwas tut". Die Sächsische Schweiz sei schließlich dicht besiedelt, der Status quo in Sachen Wolf könne so nicht bleiben. Laut Status quo fällt der Wolf ins Jagdrecht, darf aber nicht geschossen werden. Fast die Hälfte des Territoriums im Freistaat Sachsen ist Wolfsgebiet. Das heißt, dass dort jederzeit Wölfe auftauchen können und Tierhalter deshalb ihre Nutztiere in geeigneter Weise schützen müssen.

Der zuständige Minister muss behutsam vermitteln. "Wir stehen zu den Schäfern", sagt er, lächelt, schnappt sich die Drahtrolle und stapft über die nasse Wiese. Kupfer verweist auf die erfolgreichen Schutzmaßnahmen, die sein Ministerium den Tierhaltern zu 60 Prozent bezahlt. Über 4000 Euro im Jahr fließen als Schadensausgleich für gerissene Nutztiere. Hinzu kommen seit 2005 etwa 22 500 Euro jährlich für Präventionsmaßnahmen - also Schutzzäune, Netze oder Herdenschutzhunde. Denn der Minister weiß, "dass man sich in der Schäferei keine goldene Nase verdient".

Schäfer Horn bleibt skeptisch: "Der Herdenschutz funktioniert nur theoretisch." Und der Zusatzaufwand sei unterm Strich zu hoch für einen kleinen Familienbetrieb wie seinen.

Bedenken wie diese bringen Detlef Rohrmann, den Chef des sächsischen Schafzuchtverbands, in die Zwickmühle. Der Schäfermeister aus Pirna hat selbst noch keinen Wolf gesehen - aber die Wolfsangst brennt überall im Verband. Oft werde intern behauptet, der Verband unterstütze den Wolf. "Das tun wir nicht. Wir unterstützen nur die Realität." Es sei ohnehin schwer, Nachwuchs für den Beruf zu finden. Immerhin tue sich in der Forschung langsam was. Die Hersteller von Zäunen und Netzen entwickeln neue wolfssichere Produkte. "Einige davon testen wir gerade in der Praxis." Da sei Sachsen zurzeit bundesweit vorn.

Aufstellen könnten diese neuen Zäune demnächst junge Leute im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Minister Kupfer sieht darin "eine gute Möglichkeit, um Arbeitsspitzen abzufangen, die durch die Anwesenheit von Wölfen" entstehen können. Das bringe positive Effekte für beide Seiten - und soll junge Leute für den Job am Schaf interessieren. Dazu gehört eben auch, Zäune zu setzen, wenn es wie aus Eimern gießt.

Die Wolfsfamilie im Hohwald kriegt von dem ganzen Ärger nichts mit. Sie dürfte wieder Nachwuchs haben, meint Wolfsmanager André Klingenberger. Die Kleinen hocken aber noch brav in der Höhle. "Hin und wieder rennt ein Wolf in die Fotofalle", sagt Klingenberger. Das Hohwald-Rudel ist eins von derzeit acht bekannten Rudeln in Sachsen. "Aber momentan ist es ruhig."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2013

Christine Keilholz

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