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Wolfsjagden vorerst abgeblasen – aber Fallenstellen bald legal

EU-Kommission für Ausnahmeregelungen Wolfsjagden vorerst abgeblasen – aber Fallenstellen bald legal

Mit dem Jagdgewehr darf dem Wolf vorerst nicht nachgestellt werden – aber mit Fallen. „Weiche“ Fangeisen sollen Tierschützern Rückschlüsse auf Wolfsjagden ermöglichen. Sachsens Jäger lehnen das aus vielen Gründen ab.

Der Wolf ist streng geschützt und darf hierzulande bislang nicht bejagt werden.

Quelle: Archiv

Brüssel/Dresden/Erfurt. Wölfe sollen bald in die Falle tappen – ganz legal und möglichst weich. Die Europäische Union (EU) hat grünes Licht für den Einsatz bisher verbotener Tellereisen signalisiert. Eine Bejagung sogenannter Problemwölfe oder ganzer Rudel ist dagegen nicht in Sicht. Ein entsprechender Antrag auf Abschussgenehmigung wurde vom Sächsischen Umweltministerium abgelehnt.

Bei einem Besuch bei der für Umwelt zuständigen Brüsseler Generaldirektion sei Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) zugesichert worden, dass die Kommission einem Antrag auf Zulassung sogenannter „Soft Catch Traps“ im Rahmen des Wolf-Monitorings zustimmen werde, teilte sein Ministerium gestern mit. Bei den Fallen handelt es sich um modifizierte Tellereisen, deren Bügel gepolstert sind, um das Tier nur festzuklammern und nicht zu verletzen. Weil sie aber als normale Tellereisen eingestuft werden, sind die Fallen seit 1995 aus Tierschutzgründen verboten.

„Wölfe sind streng geschützt und dürfen nicht bejagt werden. Dennoch kann es erforderlich sein, einzelne Tiere einzufangen, zum Beispiel, um sie mit einem Peilsender zu versehen und so ihren Aktionsradius beobachten zu können“, erklärte Schmidt. Die „Soft Catch Traps“ seien dafür am besten geeignet. Mit ihrer Zulassung würden jahrelange Bemühungen und Hoffnungen der Wissenschaftler und Experten des Wolfsmanagements in ganz Europa erfüllt.

Im Kontaktbüro Wölfe in Sachsen wurde die Aussicht auf die Brüsseler Ausnahmegenehmigung begrüßt. „Es wäre sehr gut, wenn die zum tierschonenden Fang geeigneten Soft-Catch-Traps genutzt werden dürfen“, sagte Forstwirtin Jana Endel in Rietschen. „Der Fang von Wölfen ist beispielsweise zum Zwecke der Besenderung im Rahmen des Monitorings oder als Managementmaßnahme erforderlich.“ Dabei werden einzelne Tiere mit GPS-Halsbändern ausgestattet. Die Tierschützer im Auftrag des Freistaats erhoffen sich dadurch Erkenntnisse über die Wanderungen und den Raumbedarf der Rudel. Auch Schadenfälle nach Attacken auf Nutztiere konnten so schneller aufgeklärt werden.

Sachsens Jäger waren 2013 gegen die unzulässigen Fallen zu Felde gezogen und hatten Strafantrag gegen die Lausitzer Naturschützer gestellt. Tiere, die in den heimtückischen Eisen hängen bleiben, könnten schwer verletzt werden, Wolfsfang verstoße gegen geltendes Jagd-, Naturschutz-und Tierschutzrecht, argumentierte der Landesjagdverband.„Im Falle einer Ausnahmegenehmigung ist der Fang in einer tierschutzgerecht gestalteten Kastenfalle in Kombination mit einem elektronischen Fangmeldesystem die bessere Wahl“, erklärte Vizepräsident Norman Härtner und wies zugleich auch auf die Verletzungsgefahr für Menschen bei Soft-Catch Fallen hin: Gliedmaßen-Quetschungen sind vor allem bei Kindern bedenklich!“. Durch Funkstörung des Fangmeldesystems gebe es auch ein Restrisiko, mehrere Stunden in der Falle zu stecken. „Selbst für Erwachsene ist es nur schwer möglich, sich aus diesen Fallen zu befreien“, so der Waidmann. „Daher lehnt die sächsiche Jägerschaft eine derartige Verfahrensweise ab!“

Die Soft-Catch-Falle funktioniert nach dem Prinzip des Tellereisens, bei dem nach Auslösung zwei Metallbügel zusammenschlagen, wobei es häufig zu schweren Verletzungen (Knochenbrüchen), in jedem Fall aber zu großen Schmerzen kommt. Durch die Schaumstoffpolsterung an den Bügeln soll das vermieden werden. Im Zusammenhang mit einem Fallensender werde zudem sichergestellt, dass das gefangene Tier innerhalb kürzester Zeit aufgesucht und narkotisiert werden kann.

Um an die Tiere heranzukommen, gebe es „kaum andere Möglichkeiten als softe Fangeisen“, sagt Ministeriumssprecher Frank Meyer. Schüsse mit dem Betäubungsgewehr könnten die Tiere schlimmer verletzen. Auch die Lappenjagd oder Betäubungsversuche aus der Luft seien in dichten Wäldern uneffektiv so Meyer. Das Risiko für Menschen, beim Waldspaziergang oder der Pilzsuche durch solche Tellereisen verletzt zu werden, schätzte das Ministerium auf Nachfrage als „vernachlässigbar“ ein.

Umweltminister Schmidt hatte sich bei seinem Besuch in Brüssel auch für eine einheitliche Regelung zum Abschuss sogenannter Problemwölfe eingesetzt. Die Europäische Kommission habe Verständnis für Umgang mit solchen Wölfen gezeigt und angekündigt, ihre Leitlinien zum Artenschutz zu überarbeiten. Dem Bemühen des Landkreises Bautzen um eine Abschussgenehmigung für das Rosenthaler Wolfsrudel hat Schmidt vorerst eine Absage erteilt, wie die Sächsische Zeitung meldet. Ministeriumssprecher Frank Meyer zufolge soll das Landratsamt nun zunächst die Bewertung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf einholen. Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) hatte sich im September für die Abschuss-Genehmigung stark gemacht, nachdem Wölfe aus dem Rosenthaler Rudel erneut Schafe in Schönau gerissen hatten. Einen ersten Vorstoß hatte Harig bereits im Frühjahr gemacht – nachdem ein Wolf in Großdöbschütz in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung aufgetaucht war. Aufgrund der strengen Artenschutzvorgaben war das Ansinnen gescheitert. Bislang gab es sachsenweit nur einmal grünes Licht für einen Abschuss. Problemwolf „Pumpack“ sollte zur Gefahrenabwehr erlegt werden. Zum Abschuss kam es nicht. Pumpack hatte sich seitdem nicht mehr blicken lassen.

Von Winfried Mahr

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