Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Wolfsschäden: Verbände in Sachsen warnen vor Ende der Weidetierhaltung
Region Mitteldeutschland Wolfsschäden: Verbände in Sachsen warnen vor Ende der Weidetierhaltung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:02 25.02.2018
Er sorgt immer wieder für Ärger: Der Wolf, der vor allem in Sachsen und Brandenburg wieder heimisch geworden ist. Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Zuletzt traf es im größeren Maßstab das Damwild-Gehege Großdobritz bei Meißen: Hier wurden vor wenigen Tagen zwölf Kälber gerissen, die meisten durch Kehlbiss, ein blutiges Gemetzel. Das Gehege war ordnungsgemäß mit Zäunen gesichert – doch davon lassen sich Wölfe schon lange nicht mehr aufhalten. Und so gilt auch hier ein Angriff der stets hungrigen Raubtiere als sehr wahrscheinlich. Fünf Wolfsfamilien sind im Landkreis Meißen bekannt.

Bautzener Erklärung: Wolfsmanagement gescheitert

Übergriffe wie in Großdobritz befeuern die Debatte um die weitere Ausbreitung der Wölfe. Die sächsischen Jäger hatten bereits Ende November 2017 den Landtag zum Handeln aufgefordert. Eine Initiative wolfsgeschädigter Bürger hatte mit dem Verein Sicherheit und Artenschutz zudem eine Bautzener Erklärung verabschiedet. Tenor: Das bisherige Wolfsmanagement ist auf ganzer Linie gescheitert, eine angemessene Bejagung wie in anderen skandinavischen Ländern sei überfällig.

Schäden enorm angestiegen

Jetzt haben acht sächsische Nutztierverbände nachgelegt und in einem offen Brief einen Forderungskatalog an die Bundesregierung vorgelegt. Unter der Überschrift „Wolf oder Weide“ wird darauf hingewiesen, dass besonders Sachsen mit der höchsten Populationsdichte des Wolfes zu kämpfen habe. Mit drastischen Folgen: Je mehr Wölfe, umso mehr Schäden seien zu beklagen. Nach Angaben des „Kontaktbüros Wölfe in Sachsen“ ist die Anzahl geschädigter Nutztiere allein in Sachsen von 2014 bis 2016 von 90 auf 240 enorm angestiegen.

Die Sorge der Verbände: Sollte der hohe Wolfsschutz unverändert so bleiben, ist eine Weidetierhaltung in Deutschland in der bisherigen Form nicht mehr zu leisten. „Der Schutz der Weidetierhaltung muss Kernanliegen des Naturschutzes werden und darf nicht dem Wolfsschutz untergeordnet werden. Die Weidetierhaltung darf gerade im Sinne des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Erhalts von Grünland und von Biotopen sowie des Küsten- und Deichschutzes nicht dem Wolf geopfert werden“, so der Wortlaut im Schreiben.

Langer Forderungskatalog der Nutztierverbände

Die Verbände legen in dem Schreiben einen umfassenden Forderungskatalog vor. Er reicht von einer größeren Transparenz über alle Daten zum Wolfsvorkommen bis zur bundesweiten Aufnahme der Wölfe in die Jagdgesetze der Länder. Wichtig ist den Verbänden auch die klare Regelung im Schadensfall: So soll es künftig eine komplette Kostenübernahme von Präventionsmaßnahmen bis zum vollen Schadenersatz geben, der zu 100 Prozent aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren sei. Bei verhaltensauffälligen Problemwölfen sollte die Entnahme sofort möglich sein, ebenso müssten Hybriden konsequent zum Abschuss freigegeben werden. Die Kreuzung aus Hund und Wolf ist kaum noch kontaktscheu zum Menschen.

Die Nutztierverbände hoffen nun, dass der Umgang mit dem Wolf künftig der Realität angepasst wird. Nur wenn ihre Forderungen umgesetzte würden, sei es möglich, ein „Wolf oder Weide“ zu einem „Wolf und Weide“ zu wandeln, heißt es abschließend.

Von Olaf Majer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Steigende Löhne und mehr vollwertige Arbeitsplätze: Der 2015 eingeführte Mindestlohn hat sich aus Sicht von Gewerkschaften, Arbeitsagentur und Wirtschaftsministerium bewährt. Das ergab eine aktuelle Umfrage.

24.02.2018

Bevor der Koalitionsvertrag auf dem Bundesparteitag der CDU am Montag in Berlin beschlossen werden soll, grummelt es vernehmlich in sächsischen Union. Beim Mitgliederforum müssen Kretschmer und de Maizière Kritik einstecken.

24.02.2018

Der amtierende Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer haben an der CDU-Basis in Sachsen für die Annahme des Koalitionsvertrages geworben.

24.02.2018
Anzeige