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Mitteldeutschland Mehr Beißattacken von Hunden in Sachsen
Region Mitteldeutschland Mehr Beißattacken von Hunden in Sachsen
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14:37 14.02.2019
Ein Hund fletscht die Zähne. Die Ursache für Beißattacken liegt zumeist nicht beim Tier. Oft werden Hunde zur Gefahr, weil sie falsch gehalten werden, sagt Jana Hoger von der Tierschutzorganisation Peta. Quelle: dpa
Leipzig

„Der will doch nur spielen“ – diesen Satz hören Mann oder Frau oft als letztes, bevor Bello zuschnappt. In Sachsen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr eine gestiegene Anzahl von Beißattacken, die höchste Zahl seit Erfassung 2005. Laut Angaben des Innenministeriums in Dresden wurden 301 Menschen verletzt, weil Hunde sie gebissen haben. Ein Jahr zuvor waren es noch 221 derartige Attacken.

Die Zahl der verletzten Kinder ging von 31 auf 26 zurück. Bei der Polizei gemeldet wurden ferner 179 (im Jahr davor: 171) Fälle, bei denen Hunde andere Artgenossen gebissen und verletzt haben. In 29 Fällen wurden Hunde oder Nutztiere von anderen Hunden tot gebissen.

Hohe Dunkelziffer?

Vermutlich ist die Dunkelziffer höher, heißt es aus dem Ministerium, da die meisten Beißvorfälle innerhalb des Verwandten- und Bekanntenkreises erfolgen und nicht immer angezeigt werden. Generell würde die Zahl der Attacken starken Schwankungen unterliegen.

Ein Grund für den aktuellen Anstieg könnte die erhöhte Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung sein. Denkbar auch, dass es in Sachsen mehr gehaltene Hunde gibt. Genaue Aussagen darüber könne das Ministerium aber nicht machen, so ein Sprecher. „Der Freistaat führt kein zentrales Hunderegister. Eine Registrierungspflicht für Hundehalter existiert nicht.“ Und die Gemeinden seien nicht verpflichtet, Hundesteuern zu erheben.

Allerdings gibt es eine Statistik für als gefährlich eingestufte Hunde. Diese Hunde bissen im vergangenen Jahr laut Ministerium in acht Fällen Menschen (im Jahr davor: drei Attacken). Kreuzungen zwischen vermutlich gefährdeten Hunden mit anderen Hunden fügten Menschen in sieben (2017: acht) Fällen Verletzungen zu.

Jeder tausendste Hund biss zu

Zur Einordnung ist in Blick nach Sachsen-Anhalt nützlich: Dort sind 117.231 Hunde registriert – 8000 mehr als vor einem Jahr. Es gab im Vorjahr 117 Beißattacken nach 93 noch ein Jahr zuvor. Das bedeutet, dass im Schnitt jeder 1000. Hund zugebissen hat.

Jede Beißattacke sei eine zu viel, heißt es bei der Tierschutzorganisation Peta. Zuletzt habe sich Ende Januar in Plauen ein schlimmer Vorfall ereignet, teilt Fachreferentin Jana Hoger mit. Entgegen den städtischen Auflagen führte ein alkoholisierter 39-Jähriger seinen als gefährlich eingestuften Schäferhund ohne Beißkorb aus.

Der Hund biss erst einen 67-jährigen Fußgänger ins Gesäß, wenig später sprang er einen Radfahrer an und biss ihn in den Oberschenkel. Beide Männer mussten ambulant behandelt werden. Der Mann sei bereits 2017 und 2018 mit seinem Hund auffällig geworden.

Peta fordert Hundeführerschein

Angesichts dieses Vorfalls erneuert Peta ihre Forderung nach Einführung eines Hundeführerscheins. „Meist liegt die wahre Ursache für Beißattacken nicht beim Tier, sondern auf der anderen Seite der Leine“, sagt Peta-Sprecherin Hoger. „Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden.“

Der Hundeführerschein oder auch Sachkundenachweis sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Ein solcher Nachweis könne sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und dessen Signale richtig deuten.

Niedersachsen hat 2013 als erstes Bundesland einen Sachkundenachweis für Halter beschlossen, die sich erstmals einen Hund zulegen wollen. Nachweislich wurde eine spürbare Reduzierung von Zwischenfällen erreicht, heißt es bei Peta. Gefolgt seien dem Beispiel bisher München, Berlin und Mannheim.

Sachkundenachweis nur bei gefährlichen Tieren

In Sachsen hingegen muss ein Sachkundenachweis nach aktueller Gesetzeslage nur vorliegen, wenn der Hund als gefährlich eingestuft wird. Das erfolgt anhand einer Landesrasseliste und betrifft sogenannte Kampfhunde, beispielsweise American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull Terrier und deren Kreuzungen.

Eine Erweiterung auf alle Halter von Hunden sei derzeit nicht vorgesehen, heißt es aus dem Innenministerium. Denn im Ergebnis würden alle Hundebesitzer unter einen generellen „abstrakten Gefahrenverdacht“ gestellt werden.

Impulskäufe vermeiden

Das sieht man bei Peta anders. Der theoretische Kurs für Halter und das gemeinsame Praxisseminar mit dem Hund zum Erlangen des Sachkundenachweises hätten viele Vorteile. Nach dem Training klappe die Kommunikation zwischen Mensch und Tier besser, meint Referentin Hoger. Manch einer erkenne dann auch, dass Tiere sehr viel Zuneigung und Zeit verlangen.

Nützlicher Nebeneffekt: Das hält den einen oder anderen von einem Impulskauf ab, sagt die Tierkennerin. Immerhin würden Jahr für Jahr rund 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen landen, darunter viele, „die unüberlegt angeschafft wurden.“

Von Andreas Dunte

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