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Mitteldeutschland Zwickau will rechtsextremen Wallfahrtsort verhindern: Abriss des NSU-Verstecks geplant
Region Mitteldeutschland Zwickau will rechtsextremen Wallfahrtsort verhindern: Abriss des NSU-Verstecks geplant
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14:51 08.02.2012
Ein Polizist steht am 23.11.2011 vor dem Haus der Terrorzelle in Zwickau. Quelle: dpa
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Zwickau

Die Stadt will mit dem vollständigen Abriss des Hauses einen Wallfahrtsort für Rechtsextreme verhindern.

Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hatten in der Frühlingsstraße 26 im Stadtteil Weißenborn vermutlich drei Jahre lang gemeinsam in einer Wohnung gelebt, von 2008 bis zum Auffliegen der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) vor einem Vierteljahr.

Nachdem sich die beiden Männer nach einem Banküberfall in Thüringen umgebracht hatten, soll Zschäpe versucht haben, mit einer Explosion Beweise zu vernichten. Der Brand war von der Feuerwehr gelöscht worden, Ermittler fanden in der Ruine schließlich viele Beweismittel. Auf das Konto des NSU sollen seit dem Abtauchen des Trios 1998 zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 14 Banküberfälle gehen.

Weil der letzte Privateigentümer des Hauses nur den oberen, durch die Explosion zerstörten Teil der Doppelhaushälfte abtragen lassen und das intakt gebliebene Erdgeschoss wieder aufstocken wollte, erwarb noch Ende 2011 eine städtische Wohnungsgesellschaft das Grundstück. Nach dem Abriss soll die bisher hinter dem Haus liegende Park-Anlage ausgebaut werden, so dass es anstelle des Doppelhauses eine größere Grünfläche geben wird.

Der Finanzausschuss der Stadt hatte die Mitfinanzierung des Abrisses am Dienstag gebilligt. Sachsens Innenministerium hatte eine Förderung bereits zugesagt. Die Höhe werde aber derzeit noch überprüft, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch auf dpa-Anfrage. Zwickau rechnet derweil fest mit einer 90-Prozent-Förderung des etwa 65 000 Euro teuren Abrisses, womit der Eigenanteil der Stadt laut Merz lediglich 6500 Euro betragen würde.

Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), die den Ruf ihrer Stadt durch die Affäre um den NSU sowieso schon beschädigt sah, drängte von Beginn an auf einen vollständigen Abriss des Hauses, um einen Wallfahrtsort für Rechtsextreme zu verhindern. „Ich sehe ansonsten die Gefahr, dass die Rechtsextremisten daraus eine Kultstätte machen werden - nach dem Schema: „Hier haben unsere Märtyrer gewohnt“. Und das will ich nicht“, sagte sie bereits Ende November.

dpa

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