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Oschatz 115. Bildfeier: Malkwitzer Chronist Günter Grosch soll einen Nachfolger einarbeiten
Region Oschatz 115. Bildfeier: Malkwitzer Chronist Günter Grosch soll einen Nachfolger einarbeiten
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17:57 24.02.2019
Die 115. Bildfeier von Malkwitz: Günter Grosch (untere Reihe rechts) hat es zum 50 Mal geschafft, die Malkwitzer Tradition weiterleben zu lassen. Quelle: Fotos: Manuel Niemann
Malkwitz

Sonnabend, Punkt 14.30 Uhr: Alle männlichen Malkwitzer, die das 16. Lebensjahr erreicht haben, noch im Ort wohnen oder extra für den Termin angereist sind, nehmen Aufstellung. Mit dem Foto, das nur alle fünf Jahre vor dem Gasthaus „Zur Krone“ aufgenommen wird, beginnt die alljährliche Bildfeier.

Ortschronist und Organisator denkt ans Aufhören

Ein wenig Wehmut schwingt mit bei der 115. Ausgabe dieses sehr speziellem Treffens. Das liegt nicht nur daran, das der langjährige Organisator und Ortschronist Günter Grosch bereits zuvor angekündigt hat, aufhören zu wollen. Nach 50 Jahren die er beide Ämter führte, möchte er Jüngere heranlassen, allein ein Nachfolger fehlt dem 76-jährigen dafür immer noch.

„Die Gaststätte ist nun nicht mehr da, es fehlt der Zusammenhalt, es kommt zur Grüppchenbildung“, befürchtet er. So ganz stimmt das noch nicht, denn immerhin 75 Malkwitzer Männer haben es zur Bildfeier geschafft. Frauen sind bei der – so will es die Tradition des ersten Fotos von 1904 – nicht erwünscht.

Brauch existiert seit 115 Jahren

Am 22. Februar vor 115 Jahren kehrte zufällig ein Wanderfotograf im Gasthof „Zur Krone“ ein. In der feierte gerade eine Herrenrunde mit dem Wirt und Schmiedemeister Herrmann Aßmus Geburtstag. Der Fotograf drückte auf den Auslöser, der Startschuss für die Feier.

Das Gasthaus ist nach einer Insolvenz verwaist und kann nur noch als Kulisse dienen. Weshalb gegen 16 Uhr in den Kulturraum des Agrarguts um die Ecke gewechselt wird, wo sich traditionell über das vergangene Jahr ausgetauscht und das neue geplant wird.

Die Männer gedenken der Verstorbenen des letzten Jahres und die alten Fotos vergangener Bildfeiern kreisen über die Tische: „War das der nicht der Schuster?“ „Da ist mein Vater!“ „Der hat uns immer die Sensen gedengelt.“ Im Kulturraum herrscht eine angenehme Entschleunigung, die Männer sind wie der Zeit enthoben: Erinnerungen werden wieder geweckt, Gesichter erkannt und kleine Seitenhiebe gegen das benachbarte Calbitz verteilt.

Marodes Gasthaus soll abgerissen werden

Auf den Bildern ist immer wieder das Gasthaus „Zur Krone“ zu sehen, das einst auch eine Schmiede und den Konsum beheimatete. „Erbaut ist es Siebzehnhundertnocheinwas. Es muss damit eines der ältesten Häuser im Dorf sein“, erklärt Ortschronist Grosch.

Doch die Tage des Gasthauses sind gezählt. Grosch schafft es, mehr als anschaulich zu verdeutlichen, wie es um das Gebäude steht: Pfannen stehen noch da, als sei der Betrieb erst gestern eingestellt worden, der Kamin sei weg, Wände brechen ein, das Dach sei undicht. Ein letztes Mal könne dort nie mehr gefeiert werden.

Stattdessen wird der Gasthof wohl abgerissen, wann genau ist offen: auf dem Grund lastet eine Schuld, mehrere Gläubiger sind noch in der Hoffnung, davon zu zehren. „Wir stehen mit dem Insolvenzverwalter in Verhandlungen, dass wir es kaufen würden – gesetzt der Grund ist lastenfrei“, berichtet Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller (CDU), der etwas später zu dem Treffen dazu stößt.

Einwohnerstatistik weist einen Hauch nach oben

„Der Storch ist da!“, verkündet er außerdem. Das passt: Für die Störche soll im Herbst der Horst erneuert werden einigen sich die Männer. Sonst stimmt Grosch die Zukunft wenig positiv: Er plädiert dafür, in diesem Jahr nicht bei „Unser Dorf hat Zukunft“ teilzunehmen: „Die Straßen sind abends fast leer im Dorf“, sagt er, „das Badewannenrennen ist weg und es wird nicht besser mit der Gemeinsamkeit im Dorf.“

Doch ganz so düster sind die Aussichten für Malkwitz dann auch nicht: Lebten 1946 noch 425 Menschen hier und 1990 noch 295 seien es jetzt gerade 212. „Wir sind zwei mehr als beim Tiefpunkt!“, wertet Grosch die Statistik aus – ebenfalls Bildfeiertradition.

Und so wie vielleicht der Gasthof im nächsten Jahr dank Insolvenzverfahren vielleicht noch steht, wird Grosch wohl auch noch einmal 2020 die Zahlen und Fakten des Malkwitzer Jahres liefern: „Erst wenn du einen Nachfolger findest, kannst du aus der Reihe brechen“, verpflichtete ihn Jürgen Leuschner, der Vorsitzende des Heimatvereins, quasi neu – indem er ihm für die vergangenen 50 Jahre dankte.

Von Manuel Niemann

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