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20 Paare sagen für 24 Stunden „Ja“ auf dem Collmer Heiratsmarkt

Kurzzeit-Ehen 20 Paare sagen für 24 Stunden „Ja“ auf dem Collmer Heiratsmarkt

Über 950 Eheschließungen – und keine Scheidung. Das ist die stolze Bilanz des Ein-Tages-Standesbeamten Günter Schmidt vom Heiratsmarkt in Collm. Am Himmelfahrtstag konnten sich Paare für 24 Stunden trauen lassen. Dabei feiert der Heiratsmarkt in diesem Jahr selbst schon Silberhochzeit. Katja Hannß und Martin Scholz waren die Ersten.

Die Leipzigerin Doris Lange und Kurt Starke aus Mainz sind zum 13. Mal für einen Tag lang ein „amtliches“ Paar. Die Lebenspartner sind regelmäßig in der Collm-Region unterwegs und mögen vor allem auch die Dahlener Heide. In diesem Jahr haben sie sich bereits zum 13. Mal vor Günter Schmidt dort das Ja-Wort für 24 Stunden gegeben.
 

Quelle: Bärbel Schumann

Collm.  Günter Schmidt hat seit 1990 bisher 959 Paare getraut. 20 kamen jetzt neu hinzu, von denen der Collmer als ehrenamtlicher Standesbeamter des Collmer Heiratsmarktes in diesem Jahr das Ja-Wort hörte. zu Himmelfahrt feierte die Wiederbelebung diese Tradition nach der Wende das Silberhochzeits-Jubiläum. Eine Ranke aus Grün und mit silberfarbenen Blüten schmückte deshalb den Eingang der mobilen Standesamtsbehausung.

„Wir waren 1990 ein paar Leute, die sich trafen und aus Blödsinn darüber nachsinnten, dass der alte Brauch des Collmer Heiratsmarktes wiederbelebt werden müsste. Damals gab es noch keinen Heimatverein im Ort. Ich habe einfach die Initiative ergriffen“, erinnert sich Günter Schmidt . Damals erhielt er Unterstützung von der Gemeinde Collm. Heute zur Gemeinde Wermsdorf gehörend, ist der Collmer Heiratsmarkt zu einer Sache der später gegründeten Interessengemeinschaft Himmelfahrt und des Heimatvereins Bergtreue Collm nach dessen Gründung geworden.

„Meine Oma hat mir erzählt, dass es früher am Fuße des Albertturmes eine Gaststätte gab, die gern zu Himmelfahrt von den Bauern aus den umliegenden Dörfern angesteuert wurde. In der Kutsche saßen manchmal auch die heiratsfähigen Töchter und Söhne“, erzählt eine ältere Frau auf einer der aufgestellten Bänke sitzend. „Immer waren sie aber nicht dabei, sondern die Eltern verhandelten am Stammtisch, wer zu wem passte und die Folgeschritte wurden besprochen.“ Auch in der zweiten Collmer Gastwirtschaft sei dies üblich gewesen. Als auf dem Berg aber der Funkturm errichtet und zu DDR-Zeiten der Himmelfahrtsfeiertag abgeschafft wurde, sei die Sache mit dem Heiratsmarkt eingeschlafen, berichtet die Frau. „Aber nur gut, dass unser Günter Schmidt den Heiratsmarkt wieder in Gang bekommen hat. Nicht nur für Collm ist das eine feine Sache“, bemerkt eine 72-Jährige.

Dann hört sie auf zu reden, schenkt ihre Aufmerksamkeit dem ersten Hochzeitspaar des Tages, Katja Hannß und Martin Scholz. Minuten später sind sie sozusagen unter der Haube. Aber nur für 24 Stunden. „Freunde und Bekannte haben uns heute dazu überredet, uns hier trauen zu lassen. Da ich heute nicht arbeiten musste, passte es“, erzählt die Mitarbeiterin der Wermsdorfer Tourismusinformation. Ihr Freund, ein Wermsdorfer, bemerkt, dass diese Trauung quasi die Probe zum Ja-Sagen war. Beide beabsichtigen den Bund fürs Leben einzugehen.

Unter den 20 getrauten Paaren waren auch die Leipzigerin Doris Lange und ihr Lebenspartner Kurt starke aus Mainz zu finden. Zum 13. Mal gaben sie sich für 24 Stunden in Collm das Ja-Wort. Sie einst Sekretärin, er Banker, lernten sich auf „Malle“ kennen und lieben. „Eines Tages hörten wir im Radio, dass man sich in Collm bei Oschatz für 24 Stunden verheiraten kann. Wir machten uns auf den Weg, denn das wollten wir unbedingt ausprobieren“, erzählt Doris Lange. Inzwischen – den gestrigen Tag eingerechnet – sind beide in der Summe 13 Tage lang verheiratet. Herzlich fiel deshalb das Wiedersehen mit dem Standesbeamten und seinem Wiegemeister Andre Möbius aus. Möbius begann noch als Schüler sich in diesem Amt einzubringen. „Wir wollten von Jahr zu Jahr das Fest interessanter machen und führten das Wiegen ein. Fünf Cent pro Kilo muss jeder der Eheleute entrichten. Damit werden nicht nur unsere Unkosten gedeckt“, berichtet Günter Schmidt. Für diesen Preis gibt es zur Trauzeremonie den passenden Kopfschmuck aus Schleier mit Blumen und Zylinder sowie ein Glas Sekt, eine Urkunde und Trauringe. Die sind aus goldgelbfarbenem Plastik ummantelten Draht und werden sonst zur Beringung von Federvieh verwendet.

Aber das stört bei dieser besonderen Trauung nicht. Sind die Unkosten gedeckt, wird der Reinerlös zu Gunsten der Erhaltung des Albert-Turmes gespendet. Gut 1500 Besucher zählten die Organisatoren in diesem Jahr. Alle sind glücklich, dass die Neuerungen zum Jubiläum so gut ankamen: Die Mahliser Theatertruppe steuerte ein authentisches Heiratsmarktszenario bei. Gast Roland Berg aus Radeberg meinte dabei sogar, dass das Erlebte echt sei. Moderator Stefan Bräuer sorgte für passende Hochzeitsmusik und Worte bei den Trauungen. Die eine wirklich echte Rarität vorweisen können: Keine einzige der 979 Collmer Eheschließungen wurde je geschieden.

Von Bärbel Schumann

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