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Oschatz 2012: Salbitzer sind die zweitschärfsten Senser der Welt
Region Oschatz 2012: Salbitzer sind die zweitschärfsten Senser der Welt
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15:16 07.07.2016
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Salbitz

Vor 25 Jahren hatten die Leser die erste OAZ in den Händen. Begleitend will die OAZ mit einer Erinnerungs-Serie auf Höhen und Tiefen der vergangenen 25 Jahre zurückblicken. Heute: Die Weltmeisterschaft im Mähen mit der Sense im Mai 2012 in Salbitz. Geboren wurde die Idee, selbst ein grünes Großereignis auszurichten, nach der Weltmeisterschaft, die 2009 in Elzach (Schwarzwald) stattfand. Dort hatten die Mäher der„Salbitzer Kümmerlinge“ in der Mannschaftswertung vordere Plätze errungen. „Was die können, das können wir auch“, war der Tenor. Und das zeigten die Salbitzer am Wochenende nach Himmelfahrt im Mai 2012: Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen sensten rund 250 Wettkämpfer. Überwältigt waren die Kümmerlinge von den Massen, die sich das Spektakel anschauten: 10 000 Menschen kamen. Versuchsfeldführungen, ein Oldtimertreffen und Wettbewerbe im Dengeln (Schärfen des Sensenblattes) und Holzhacken rundeten die Veranstaltung ab.

WM-Gras ist Salbitzer Spezialmischung

Die Mahd-Flächen für den Wettstreit entlang der Bundesstraße 169 stellte der Raitzener Landwirt Hartwig Kübler, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Naundorf, zur Verfügung. „Durch einen Flächentausch hatten wir rund fünf Hektar sicher. Für ideale und faire Wettkampfbedingungen musste dort Gras neu ausgesät und der Boden so vorbereitet werden, dass alle die gleichen Bedingungen haben“, erklärt Kübler. Beraten bei der Grasauswahl hatte Heiko Sickert, Mitarbeiter der Zweigstelle der Deutschen Saatgutveredlung in Leutewitz bei Riesa. Seine „Salbitzer Spezialmischung“ bestand aus fünf Gras-Komponenten mit besonders guten Schnitteigenschaften. Dicht, bildet eine starke Grasnarbe aus und ist äußerst kälteresistent“ – im Nachhinein hat sich das ausgezahlt, denn alle Wettkämpfer lobten die Qualität. Die Kümmerlinge hatten sich prominente Unterstützung geholt. Sachsens damaliger Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU), übernahm nicht nur die Schirmherrschaft für die Veranstaltung. Er sicherte den Sensern auch finanzielle Unterstützung für die Umsetzung zu. Der Fonds zur Förderung besonderer Initiativen wurde damals angezapft. Die Kooperation mit benachbarten Vereinen, Bürgern der Gemeinde und die Unterbringung der WM-Senser in privaten Unterkünften und Hotels in Döbeln, Riesa und Oschatz waren beispielhaft.

Gemeinde zieht an einem Strang

Pensionen und Hotels im Umland profitierten davon, alle 18 Vereine der Gemeinde Naundorf waren in den Ablauf der WM involviert. Und für die meisten lohnte sich das auch finanziell. Federführend war und ist bei allen Veranstaltungen rund um die Grasmahd von Hand der Salbitzer Dorfverein mit seinem Vorsitzenden Jürgen Dräger. Zahlreiche offene Meisterschaften, die die Salbitzer jährlich im Ort Ausrichten, zeugen davon, welch gutes Gespann hier zusammenwirkt. Noch Monate später sei das „Wir-Gefühl“, das von der WM ausging, spürbar gewesen, so Dräger. Eine ganze Gemeinde mit ihren 14 Ortsteilen rückte zusammen.Den Status als WM-Ausrichter haben sich die Kümmerlinge Stück für Stück erarbeitet. Seit ihrer Teilnahme bei einer Sachsenmeisterschaft im Jahr 2002 haben sie sich kontinuierlich gesteigert. Hinzu kommt, dass auch eine Frauenmannschaft erstmals teilnahm, die heute, vier Jahre später, erfolgreicher ist denn je. Die Salbitzer Sensen Ladies Katrin Müller, Katrin Buggisch, Marion Tänzer und Diana Hirsch verteidigten unlängst ihren in Salbitz errungenen Vize-Weltmeistertitel.

Sensen der Basken von Zoll beschlagnahmt

Bei den bisherigen Weltmeisterschaften auf deutschem Boden traten überwiegend Mannschaften aus Südeuropa, Frankreich, der Schweiz und den Beneluxstaaten angetreten. Ein Wettstreit in Sachsen hatte auch Polen, Tschechen und andere osteuropäische Sensenmänner- und -frauen anlockt. Die Nachwuchshoffnung auf heimischen Rasen heißt Jonas Müller. Der Manschatzer senst sich seit dem ersten Einsatz bei der WM in Salbitz von einen Podestplatz auf den anderen. Auch seinen Eltern Katrin und Heiko brennen für das Sensenmähen. Für Schlagzeilen sorgte ein Detail am Rande der WM. Die Wettkämpfer aus dem Baskenland kamen ohne ihre Ausrüstung in Salbitz an. Der Zoll hatte am Flughafen ihre Sensen beschlagnahmt. „Die hielten das für Waffen und die Erklärung der Basken, es seien Sportgeräte für einen Wettkampf für einen Scherz“, erzählt Hartmut Sander. Erst nachdem der Salbitzer selbst mit zurückfuhr und vor Ort die Version der Basken bestätigte, bekamen die ihre Sensen zurück. Über den Wettbewerb berichtete nicht nur die OAZ, sonder auch Medien in den USA und Japan. Auch eine eigene Internetseite wurde erstellt. Sie existiert noch und erinnert an einen Marketing-Coup, der zudem finanzielle Sicherheit bot: Sponsoren hatten die Gelegenheit, Wettkampfparzellen in verschiedenen Größen zu „mieten“ – floss der entsprechende Obolus, garantierte dass die Nennung des Sponsors auf einer eigens eingerichteten Tafel am Wettkampfgelände.

Weitere Teile der Serie 25 Jahre OAZ:

„Als der Wilde Robert zur Schule fuhr“ (1995)

„Erster Spatenstich für neue Turnhalle in Wermsdorf“ (2011)

„Volle Kanne: Oschatz 2009 auf dem Weg zum Weltrekord“ (2009)

„Wurde das Bernsteinzimmer in Wermsdorf versteckt?“ ( 2007)

„1993: Sowjet-Soldaten ziehen ab und hinterlassen explosives Erbe“ (1993)

„1999: Caroline wird erste Miss Oschatz“ (1999)

„2007: Wermsdorfer Hubertuskapelle erstrahlt in schönster Rokoko-Pracht“ (2007

Oschgar lädt 2006 zur Landesgartenschau nach Oschatz ein (2006)

„1991: Die LVZ mausert sich zur Heimatzeitung OAZ“ (1991

2005: Aegidien-Kirche ist gerettet

2009: Rettung für den Liebschützberg – Abbaufirma beißt auf Granit

Von Christian Kunze

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