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25 Jahre OAZ: Als die Sowjet-Soldaten aus Oschatz abzogen

Serie 25 Jahre OAZ: Als die Sowjet-Soldaten aus Oschatz abzogen

Über vier Jahrzehnte gehörten die Sowjet-Soldaten zu Oschatz. Am 24. Februar 1993 ging diese Ära mit dem Abzug der letzten Soldaten aus der Kaserne an der Dresdener Straße zu Ende. Die Sowjets hatten die Kasernengebäude herunter gewirtschaftet und mit Minen und Sprengstoff ein hochexplosives Erbe hinterlassen.

Auf dem Kasernengelände an der Dresdener Straße hinterließen die Sowjets Autowracks.

Quelle: Foto: Günther Hunger

Oschatz. Die letzten GUS-Soldaten verließen am 24. Februar 1993 ihre Unterkünfte auf dem ehemaligen Militärgelände der GUS-Streitkräfte in der Dresdener Straße. Das Areal, auf dem vorher 600 Soldaten stationiert waren, ist an diesem Tag an das Bundesvermögensamt übergeben worden.

Nur selten hatten die Oschatzer Gelegenheit, in den Jahren der Stationierung mit den russischen Soldaten in Kontakt zu kommen. An eine Begebenheit kann sich der ehemalige Superintendent für den Kirchenbezirk Oschatz Dr. Martin Kupke noch genau erinnern. Dass die einfachen Soldaten in den Kasernen ganz erbärmlich lebten, war schließlich kein Geheimnis. So wurde Anfang der 90er Jahre die Idee geboren, eine Weihnachtspäckchenaktion zu starten. Das stieß bei den Oschatzern auf große Resonanz. Im Rathaus wurden die Päckchen zunächst gesammelt und dann mit Lkw in die Kaserne Dresdener Straße gebracht. „Der damalige Landrat und ich wurden in die Kaserne eingeladen und die Soldaten hatten sich dort kompanieweise aufgestellt. Der Posaunenchor spielte und jeder Soldat konnte sich auf den extra aufgestellten Tischen ein Päckchen nehmen.“ Von der Aktion ist Kupke, der dort damals die Ansprache vor der Truppe hielt, noch heute beeindruckt. „Die armen Kerle standen ganz verschüchtert da und wie ich anschließend gehört habe, durften sie ihre Päckchen auch nicht allein auspacken, sondern Offiziere kontrollierten, ob zum Beispiel auch kein Schnaps enthalten ist.“ Für den Landrat und Kupke gab es anschließend noch einen feierlichen Empfang. „Da wurde eine Riesentorte aufgefahren und eine Jugendband spielte“, so der 79-Jährige.

Die Weihnachtspäckchenaktion zum Jahreswechsel 1990/91 war eine Gemeinschaftsaktion der Oschatzer Bevölkerung, des Landratsamtes sowie Kirchen, Parteien und Vereinen, weiß Jutta Pfennig vom Landratsamt Nordsachsen. Sie war damals Mitinitiator. „Über 700 Pakete wurden angenommen“, erinnert sich die Behördenmitarbeiterin.

Am 24. Februar 1993 schlossen sich dann für immer die Tore der Kaserne und rückte das 50 Mann starke Aufräumkommando ab. Das Innere der verlassenen Gebäude bot einen trostlosen Anblick. Der Wind pfiff durch die zerborstenen Fensterscheiben. Stühle und Matratzen sowie jede Menge anderer Unrat türmten sich auf einem Container.

Bei einem Rundgang verschafften sich Mitarbeiter des Bundesvermögensamtes, der Stadtverwaltung, des Landratsamtes und des mit der Bewachung beauftragten Sicherheitsdienstes einen Überblick über das 40 Hektar große Anwesen. „Der Zustand dieses Objektes ist ähnlich wie der bereits übergebener“, resümierte Martin Gerlach, Sachgebietsleiter der Westgruppe der Truppen im Bundesvermögensamt Leipzig. Die Häuser waren abgewohnt, Dächer und Fassaden kaputt. Wasser suchte sich streckenweise seinen eigenen Weg, Kabelbündel ragten wirr aus den Wänden heraus. Aus diesem Grund wurde bereits einen Tag vorher die Strom-, Gas- und Wasserversorgung abgeschalten. Als Außergewöhnlich schätzte der Sachgebietsleiter den riesigen Schrottplatz auf dem Gelände ein, der unsortiert abgelagert worden ist. Lkw-Karossen, Trabis und Wartburgs türmten sich neben Bettgestellen und Behältnissen mit unbekanntem Inhalt auf. Das Bundesvermögensamt ordnete die Einzäunung des Geländes an, da sich laut Hinweisen immer wieder fremde Personen dort zu schaffen machten. Die Oschatzer Polizei kämmte deshalb mit Hunden das gesamte Gelände durch, konnte aber niemanden finden.

Wie sich später herausstellte, hatten die sowjetischen Truppen ein hochexplosives Erbe hinterlassen. Die Bilanz der Kampfmittelbeseitiger aus Dresden im Jahr 1995: Insgesamt 38 Minen, zehn Raketen, vier Kartuschen und über fünf Kilogramm Sprengstoff wurden aufgespürt und abtransportiert. Die Minen, Raketen und Granaten wurden in einer Kampfmittelzerlegeeinrichtung in Riesa unschädlich gemacht.

Dass mit den bröckelnden Kasernen endlich etwas passieren musste, darüber waren sich die Oschatzer Stadträte schon lange einig. Ab Februar 1998 bewilligte der Stadtrat einer Lengenfelder Firma den Auftrag, die Abrissbirne zu schwingen. Der 800 000-Mark-Auftrag lag um 1,2 Millionen Mark unter dem höchsten Gebot der 43 Bewerber. 18 Gebäude, Technikhallen und Unterkünfte mit insgesamt 850000 Kubikmetern wurden plattgemacht. 2,6 Millionen Mark kamen dabei aus Fördermitteln zum Einsatz, wobei die Stadt keine müde Mark an Eigenmitteln einsetzen musste. Die damals erhoffte Investorenansiedlung erfüllte sich nicht. Lediglich ein neues Finanzamt konnte schließlich im April nach anderthalbjähriger Bauzeit seiner Bestimmung übergeben werden. In das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Kaserne investierte der Freistaat acht Millionen Mark. 129 Mitarbeiter zogen ein und waren für die Steuerangelegenheiten des gesamten ehemaligen Landkreises Torgau-Oschatz zuständig.

Von Heinz Großnick

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