Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz 25 Jahre OAZ: Als die Sowjet-Soldaten aus Oschatz abzogen
Region Oschatz 25 Jahre OAZ: Als die Sowjet-Soldaten aus Oschatz abzogen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:24 30.05.2016
Sowjets an der Aegidienkirche. Quelle: Foto: Günther Hunger
Anzeige
Oschatz

Die letzten GUS-Soldaten verließen am 24. Februar 1993 ihre Unterkünfte auf dem ehemaligen Militärgelände der GUS-Streitkräfte in der Dresdener Straße. Das Areal, auf dem vorher 600 Soldaten stationiert waren, ist an diesem Tag an das Bundesvermögensamt übergeben worden.

Nur selten hatten die Oschatzer Gelegenheit, in den Jahren der Stationierung mit den russischen Soldaten in Kontakt zu kommen. An eine Begebenheit kann sich der ehemalige Superintendent für den Kirchenbezirk Oschatz Dr. Martin Kupke noch genau erinnern. Dass die einfachen Soldaten in den Kasernen ganz erbärmlich lebten, war schließlich kein Geheimnis. So wurde Anfang der 90er Jahre die Idee geboren, eine Weihnachtspäckchenaktion zu starten. Das stieß bei den Oschatzern auf große Resonanz. Im Rathaus wurden die Päckchen zunächst gesammelt und dann mit Lkw in die Kaserne Dresdener Straße gebracht. „Der damalige Landrat und ich wurden in die Kaserne eingeladen und die Soldaten hatten sich dort kompanieweise aufgestellt. Der Posaunenchor spielte und jeder Soldat konnte sich auf den extra aufgestellten Tischen ein Päckchen nehmen.“ Von der Aktion ist Kupke, der dort damals die Ansprache vor der Truppe hielt, noch heute beeindruckt. „Die armen Kerle standen ganz verschüchtert da und wie ich anschließend gehört habe, durften sie ihre Päckchen auch nicht allein auspacken, sondern Offiziere kontrollierten, ob zum Beispiel auch kein Schnaps enthalten ist.“ Für den Landrat und Kupke gab es anschließend noch einen feierlichen Empfang. „Da wurde eine Riesentorte aufgefahren und eine Jugendband spielte“, so der 79-Jährige.

Die Weihnachtspäckchenaktion zum Jahreswechsel 1990/91 war eine Gemeinschaftsaktion der Oschatzer Bevölkerung, des Landratsamtes sowie Kirchen, Parteien und Vereinen, weiß Jutta Pfennig vom Landratsamt Nordsachsen. Sie war damals Mitinitiator. „Über 700 Pakete wurden angenommen“, erinnert sich die Behördenmitarbeiterin.

Am 24. Februar 1993 schlossen sich dann für immer die Tore der Kaserne und rückte das 50 Mann starke Aufräumkommando ab. Das Innere der verlassenen Gebäude bot einen trostlosen Anblick. Der Wind pfiff durch die zerborstenen Fensterscheiben. Stühle und Matratzen sowie jede Menge anderer Unrat türmten sich auf einem Container.

Bei einem Rundgang verschafften sich Mitarbeiter des Bundesvermögensamtes, der Stadtverwaltung, des Landratsamtes und des mit der Bewachung beauftragten Sicherheitsdienstes einen Überblick über das 40 Hektar große Anwesen. „Der Zustand dieses Objektes ist ähnlich wie der bereits übergebener“, resümierte Martin Gerlach, Sachgebietsleiter der Westgruppe der Truppen im Bundesvermögensamt Leipzig. Die Häuser waren abgewohnt, Dächer und Fassaden kaputt. Wasser suchte sich streckenweise seinen eigenen Weg, Kabelbündel ragten wirr aus den Wänden heraus. Aus diesem Grund wurde bereits einen Tag vorher die Strom-, Gas- und Wasserversorgung abgeschalten. Als Außergewöhnlich schätzte der Sachgebietsleiter den riesigen Schrottplatz auf dem Gelände ein, der unsortiert abgelagert worden ist. Lkw-Karossen, Trabis und Wartburgs türmten sich neben Bettgestellen und Behältnissen mit unbekanntem Inhalt auf. Das Bundesvermögensamt ordnete die Einzäunung des Geländes an, da sich laut Hinweisen immer wieder fremde Personen dort zu schaffen machten. Die Oschatzer Polizei kämmte deshalb mit Hunden das gesamte Gelände durch, konnte aber niemanden finden.

Wie sich später herausstellte, hatten die sowjetischen Truppen ein hochexplosives Erbe hinterlassen. Die Bilanz der Kampfmittelbeseitiger aus Dresden im Jahr 1995: Insgesamt 38 Minen, zehn Raketen, vier Kartuschen und über fünf Kilogramm Sprengstoff wurden aufgespürt und abtransportiert. Die Minen, Raketen und Granaten wurden in einer Kampfmittelzerlegeeinrichtung in Riesa unschädlich gemacht.

Dass mit den bröckelnden Kasernen endlich etwas passieren musste, darüber waren sich die Oschatzer Stadträte schon lange einig. Ab Februar 1998 bewilligte der Stadtrat einer Lengenfelder Firma den Auftrag, die Abrissbirne zu schwingen. Der 800 000-Mark-Auftrag lag um 1,2 Millionen Mark unter dem höchsten Gebot der 43 Bewerber. 18 Gebäude, Technikhallen und Unterkünfte mit insgesamt 850000 Kubikmetern wurden plattgemacht. 2,6 Millionen Mark kamen dabei aus Fördermitteln zum Einsatz, wobei die Stadt keine müde Mark an Eigenmitteln einsetzen musste. Die damals erhoffte Investorenansiedlung erfüllte sich nicht. Lediglich ein neues Finanzamt konnte schließlich im April nach anderthalbjähriger Bauzeit seiner Bestimmung übergeben werden. In das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Kaserne investierte der Freistaat acht Millionen Mark. 129 Mitarbeiter zogen ein und waren für die Steuerangelegenheiten des gesamten ehemaligen Landkreises Torgau-Oschatz zuständig.

Von Heinz Großnick

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Freiwillige Feuerwehr Ochsensaal besteht seit mittlerweile 90 Jahren. Obwohl die Gruppe mit ihren 13 aktiven Mitgliedern zu den kleineren Wehren gehört, ist ihre Hilfe wichtig. Das sieht man auch in Dahlen so: Die Stadt unterstützte die Sanierung des Gerätehauses.

30.05.2016

In dieser Woche wurde das Ende der Mahliser Ritterfestspiele angekündigt. An Aufgaben für Teilnehmer der Tafelrunde an der Döllnitz mangelt es jedoch auch in den nächsten Jahren nicht. Tapfere Ritter werden mehr gebraucht denn je – als Seniorenbegleiter im Straßenverkehr, Lehrer oder Rinderfänger in Lampertswalde.

29.05.2016

Der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar hat zu seiner jährlichen Radtour durch das Stadtgebiet eingeladen. Höhepunkt waren die Besichtigung des Trinkwasserbehälters in Striesa. Außerdem gab es Information zum Städtebau, zur Aufnahme von Asylbewerbern und zur kleinen Gartenschau.

29.05.2016
Anzeige