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3000 Musikfans und eine schlaflose Nacht bei „Nachtdigital“ in Olganitz

Party im Bungalowdorf 3000 Musikfans und eine schlaflose Nacht bei „Nachtdigital“ in Olganitz

Einmal im Jahr wummern in einer Nacht die Bässe durch die Dahlener Heide, dann ist „Nachtdigital“ angesagt. Rund 3000 Musikfans aus vielen Ländern Europas kommen dann nach Olganitz. Wer ein Einrittskarte bekommt, hat Glück. Schon lange vor Festivalbeginn sind die Tickets ausverkauft.

Lichtshows und Musik – Nachtdigital war der Anziehungspunkt für 3000 Muiskfans.

Quelle: Dirk Hunger

Olganitz. Es ist ein bisschen wie nach dem Einkauf auf dem Supermarktparkplatz. Wo steht das Auto gleich? Endlich entdecke ich das Regener Kennzeichen. Daneben hatte ich doch mein Auto abgestellt, auf dem Feld vor dem Bungalowdorf, in dem am Wochenende 3000 Leute die „Nachtdigital“ feiern.

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3000 Musikfans tanzen im Olganitzer Bungalowdorf

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Und da ist auch der Kleinbus, in dem ich gleich nach meiner Ankunft Tobias aus Leipzig mit meiner Fragerei nicht aus der Ruhe bringen konnte. Während der 34-Jährige die Schnüre seines Lenkdrachens entfitzte, erzählte der „Neuling“, dass es ihm recht gut hier gefallen habe. Er sei das erste Mal nach Olganitz gekommen. Er hatte sich gar nicht im Vorverkauf um Karten bemüht. Zu dritt hätten sich die Kumpels am Montag für das Festival entschieden und am Mittwoch in einer Internettauschbörse Glück gehabt. „Man kann hier so viel Musik hören, wie der Körper verträgt“, sagt Tobias und denkt, dass er 2017 versuchen werde, wieder hier zu sein.

Viele Festivalbesucher waren zum ersten Mal da

Mindestens drei Anläufe, um Karten zu bekommen, haben Gregor und Maxi aus Köln unternommen, bevor es nun zum ersten Mal geklappt hat. Sie sind mit dem Auto angereist und fühlen sich am Sonntag, kurz vor dem Mittag, fit genug, um wieder die Heimfahrt anzutreten. Nicht am Stück – es soll noch einen Zwischenstopp in der alten Heimat Halle geben. „Hier sind nur nette Leute, keine Idioten“, betont der 34-Jährige. „So oft gehen wir nicht mehr auf Festivals. Etwas mit dieser Richtung muss man schon kennen oder gezielt suchen, wenn man sich dafür interessiert“, meint Maxi. Nach Olganitz zu kommen, habe sich auf jeden Fall gelohnt. Es seien viele ihnen unbekannte DJs aufgetreten, aber da wäre für jeden Geschmack etwas dabei gewesen.

Wenn die Teilnehmerzahl auf 3000 begrenzt ist und es allen immer gut gefällt, dann müsste man rein statistisch schnell jemanden treffen und befragen können, der vergleichen kann, schon öfter da war. Doch meine Serie hält. Auch Lena aus Berlin, die es sich im Strandkorb gemütlich gemacht hat, ist zum ersten Mal bei „Nachtdigital“. Etwas mehr als sieben Stunden habe sie insgesamt geschlafen. „Am besten hat mir der Auftritt von Robag Wruhme am Sonnabendabend gefallen“, sagt sie. Warum? Weil sie den „total harten Techno“ nicht mag. „Ich brauche da auch eine Melodie, deshalb finden ich den gut“, erklärt sie. Und „Nachtdigital“ findet sie gut, weil es so klein ist.

Dann doch endlich: Leute mit Erfahrung. Ulrike aus Hamburg, die mit Jasmin und Tommy aus Leipzig schwatzt, ist zum siebten Mal in Olganitz und hat beim Festival etwas länger geschlafen. Sie lege sich lieber so gegen 1 oder 2 hin und stehe 5 oder 6 Uhr wieder auf und tanze im Sonnenschein. Irgendwas verpasse man eben immer, aber der Rest sei auch gut. Schließlich gäbe es rund um die Uhr Musik. Jasmin, zum achten Mal, bei „Nachtdigital“ betont, dass das Festival nie langweilig werde. „Die Veranstalter lassen sich immer etwas Neues einfallen – musikalisch und mit der Deko“, sagt die 33-Jährige. Man kenne vorher längst nicht alle Acts, die im Programm stehen, werde aber nie enttäuscht. Das bestätigt Ulrike. Man könne den Organisatoren vertrauen, wenn man die Tickets bestellt, obwohl die Künstler zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht festständen. Für Tommy war auf jeden Fall Bryan Kasenic der Favorit des Wochenendes.

Auch die Taxifahrer der Region profitieren von der Musikveranstaltung

Tatsächlich zieht es auch unter 30-Jährige zum Festival nach Olganitz. Vielleicht haben sie nur sonntags, so kurz nach 10 Uhr, noch nicht wieder ausgeschlafen. Hannah und Annika, die aus Rotterdam stammen und in Leipzig wohnen, haben diese Hürde aber schon genommen. Von Freunden aus Leipzig hätten sie den Tipp mit „Nachtdigital“ bekommen. „Ein guter Tipp, die ganze Atmosphäre hier ist schön“, urteilt die 23 Jahre junge Hannah, bevor sie ihren zuckenden Füßen zur Hauptbühne am See folgt.

Ein wenig vom Beat der Boxen im Bungalowdorf dringt auch bis zum Ortsrand von Olganitz, wo zum Sonntagmittag fünf Taxis warten. „Das sind angenehme Fahrgäste. Mit denen gibt es keine Probleme“, ist man sich in der Runde einig. Die meisten Fuhren gingen zu den Bahnhöfen in Dahlen und Oschatz, von wo aus man am Freitag schon einige Besucher her gefahren habe: Holländer und Schweizer, Engländer und einen Mexikaner, sogar zwei junge Frauen aus China.

Mit dem Programmheft in der Hand oder der Kartenfunktion am Smartphone seien mögliche Sprachbarrieren schnell überwunden. „Nachtdigital“ sei jedenfalls eine Zeit, in der ein Taxifahrer keinen Urlaub machen sollte. Schon fast außer Reichweite der Bässe höre ich dann noch ein schönes Statement aus einer anderen Ecke des deutschsprachigen Raumes: „A so scheenes Festival hoam mer in Österreich net.“

Von Axel Kaminski

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Olganitz
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