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37 junge Flüchtlinge in Dahlener Jugendherberge

Einwanderung 37 junge Flüchtlinge in Dahlener Jugendherberge

An der Tischtennisplatte vor der Dahlener Jugendherberge ist viel los. Die Jugendlichen, die sich hier sportlich betätigen, sind keine ganz gewöhnlichen Gäste. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien und Iran – sind sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer.

Jugendliche aus Afghanistan, Syrien und Iran vertreiben sich die Zeit mit Tischtennis und Fußball.

Quelle: Dirk Hunger

Dahlen. Auf den ersten Blick ist klar, dass hier kein Trainingslager eines Tischtennisvereines stattfindet. Anscheinend sind die jugendlichen Flüchtlinge auch besonders unempfindlich gegen Kälte, oder nur jugendlich leichtsinnig? Im Haus und an der Tischtennisplatte sind die meisten Jungs ohne Socken in Badeschlappen unterwegs.

„Derzeit leben 37 junge Flüchtlinge in der Jugendherberge Dahlen“, sagt Silvia Gohlke, geschäftsführende Vorsitzende des Vereins Jung, Engagiert, Sozial (Jes) , der für die Betreuung zuständig ist. Das sei nicht mehr der selbe Personenkreis wie Anfang des Jahres, als der Verein seine Arbeit in Dahlen aufnahm. Zwölf Jugendliche würden inzwischen im Heim, das die Anerkannte Schulgesellschaft (ASG) auf der Bahnhofstraße in Dahlen betreibt, leben.

„Insgesamt sind 14 Mitarbeiter des Vereines in drei Schichten rund um die Uhr für die Betreuung der Jugendlichen zuständig“, erläutert Silvia Gohlke. Dabei handele es sich um Fachkräfte und Quereinsteiger mit Vorkenntnissen, zum Beispiel aus der ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein. Dazu komme noch ein Mitarbeiter des Wachschutzes.

Klare Strukturen erhalte der Tag durch die Mahlzeiten und den Unterricht. „Die Jugendlichen sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält täglich zwei Mal eineinhalb Stunden Deutschunterricht. Der Wille, Deutsch zu lernen, ist bei den Jugendlichen enorm“, schätzt Silvia Gohlke ein. Dabei und bei der Kommunikation zwischen Betreuern und Jugendlichen spielt John Lativ eine zentrale Rolle. Der Dolmetscher spricht vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Urdu und Punjabi.

„Bei trockenem Wetter animieren wir die Jugendlichen, sich draußen auszupowern“, erläutert die Jes-Vorsitzende. Fußball und Tischtennis am Haus seien möglich und vor allem das Spiel mit dem runden Leder erfreue sich großer Beliebtheit. Da gäbe es wohl den einen oder anderen Traum von einer Profi-Karriere. Für andere sportliche Aktivitäten, die sich die Jugendlichen durchaus wünschen würden, fehlen in der Herberge die Voraussetzungen. „Nach Kickboxen und Krafttraining wurden wir schon gefragt“, erläutert Silvia Gohlke.

Ihr fehlt hier noch eine weitere Beschäftigung, um den Tag besser zu strukturieren und die Jugendlichern nützlich zu beschäftigen: „Im Gegensatz zu unserer Gruppe in Wermsdorf können wir hier das Essen nicht selbst zubereiten.“ Das war allerdings absehbar. Wie Herbergsleiterin Silvia Scholz erläutert, hat in so einem Beherbergungsbetrieb nur Fachpersonal Zutritt zur Küche. Wenn Gäste dort mitarbeiten würden, bekäme sie sofort Probleme – egal, ob deutsche Schüler oder syrische Flüchtlinge. Und als „ganz normale Gäste“ hatte Sozialdezernent Günter Sirrenberg diese zeitlich befristete Unterbringung junger Ausländer schließlich bezeichnet. Vermisst würde von den Jugendlichen auch eine leistungsfähige Internetverbindung. „Unsere WiFi-Station funktioniert hier nicht. So können die Jungs keinen Kontakt zur Familie in der Heimat oder in Deutschland lebenden Angehörigen halten“, erläutert die Jes-Vorsitzende.

Abgesehen von Sport und Mahlzeiten unterscheidet sich das Aufenthaltsprogramm der aktuellen Gäste des Hauses erheblich von dem, das Schulklassen und andere Jugendgruppen buchen. „Wir nehmen die Jugendlichen hier in Obhut. Es gibt da noch viel zu klären, bevor für sie eine normale Heimbetreuung in Frage kommt“, erläutert Silvia Gohlke. Voraussetzung für eine Heimunterbringung und eine Schulanmeldung sei, dass ein Vormund bestellt werde. Das ist ein Verfahren, das bei Gericht laufe. Außerdem müsse die Herkunft, Identität und familiären Hintergrund der Jugendlichen festgestellt und die in der Erstaufnahmeeinrichtung gemachten Aussagen geprüft werden. Dazu kämen Termine beim Gesundheitsamt oder Ärzten. Da weder Ämter noch Gericht in Dahlen ansässig sind, sei das alles sehr zeitaufwendig.

In Dahlen seien die Jugendlichen dennoch gelegentlich zu sehen. „Sie müssen sich selber um Bekleidung und Hygieneartikel kümmern“, sagt Silvia Gohlke. Die Betreuer würden sie dabei meist begleiten und darauf achten, dass nicht alle im Pulk in die Märkte stürmen und dort Verunsicherung auslösen. „Die Zusammenarbeit mit den Ärzten und der Apotheke im Ort klappt. Die sind sehr nett zu uns“, betont die Jes-Vorsitzende. Dankbar sei man auch für die vielen Spenden aus dem Ort und der Umgebung.

Wie es mit der Arbeit des Jes und mit den in der Herberge untergebrachten Jugendlichen weitergeht, wenn der Vertrag Ende des Monats ausläuft, weiß Silvia Gohlke nicht. „Es war klar, dass das hier ein Zuhause auf Zeit ist. Aber die Ungewissheit macht es auch den Jugendlichen schwer.“

Von Axel Kaminski

Dahlen 51.3622295 12.9958666
Dahlen
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