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Oschatz Aegidienbrot und Sornz’scher Rinde: Da beißt der Sachse herzhaft rein!
Region Oschatz Aegidienbrot und Sornz’scher Rinde: Da beißt der Sachse herzhaft rein!
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14:55 03.12.2018
Franka Weber mit der Sornz’scher Rinde von Bäcker Wentzlaff. Quelle: Foto: Katharina Stork
Oschatz

Seit 20 Jahren schon gibt es in der Bäckerei Taube knusprigen Lokalbezug zum Mitnehmen: Das Aegidienbrot erblickte 1998 das Licht der Welt, federführend dabei war der verstorbene Bruder von Inhaber Nils Taube, Jens Taube, das Rezept stammt noch vom Uropa. Anlässlich der Sanierung der Kirche St. Aegidien und des Besuches des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) wurde das Brot erfunden. Und seitdem reißt die Nachfrage am lokalen Brot gar nicht mehr ab. Dunkel ist es, mit Natursauerteig und mit einer gröberen Ausmahlung, die sich an den Mehlarten der 1930ern anlehnt. „Je dunkler und weniger fein das Mehl gemahlen ist, desto gesünder ist es auch. Deswegen setzen wir darauf“, sagt Nils Taube. „Und die Kunden schätzen sehr, was wir schaffen.“ Längst ist das Aegidienbrot fester Bestandteil des Sortiments und von regionalen Frühstückstischen nicht wegzudenken.

Sornzig diente als Inspiration

Auch Peter Wentzlaff kann mit identitätsstiftendem Gebäck aufwarten: Der Name „Sornz’scher Rinde“ entstand in einer Brainstorming-Runde verschiedener Mitarbeiter. Dahinter versteckt sich ein reines Brot, eher neutral im Geschmack, damit jeder mögliche Belag gut dazu passt. „Es fällt vor allem durch seine Fluffigkeit auf“, sagt Peter Wentzlaff. Die Getreide für seine Backwaren bezieht der Bäcker von Getreidebauern aus der Region rund um Sornzig und diese Regionalität und Heimatverwurzelung wollte er im Produktnamen kenntlich machen. „Auf die Kennzeichnung ’Bio’ vertrauen die Kunden nicht mehr, die wollen wissen, wo die Zutaten wirklich herkommen“, sagt Wentzlaff.

Und das Brot läuft wirklich gut, genau wie der Stollen, der derzeit hergestellt wird. „So wie wir den frischen Stollen in die Regale legen, so schnell geht er auch wieder raus an die Kunden. Wir kommen fast nicht hinterher.“ So zufrieden Wentzlaff mit der Nachfrage auch ist, umso mehr wünscht er sich, dass sich mehr junge Leute für einen Ausbildungsberuf im Handwerk entscheiden.

Die Zukunft liegt im Handwerk

Dass in Zukunft die handwerklichen Berufe eine wieder größere Rolle spielen werden, davon ist Manuela Lohse überzeugt. Sie ist Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen. „Roboter oder Programme übernehmen immer mehr akademische Berufe, daher sollte eine Rückbesinnung auf die handwerklichen Berufe erfolgen. Und wer pfiffig ist, neue Marketingstrategien hat, der kann auch im lokalen Bäckerhandwerk gutes Geld verdienen“, sagt sie.

1000 Bäckerbetriebe gibt es derzeit in Sachsen, 625 davon sind im Landesinnungsverband. 1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, gab es noch 9000 in ganz Sachsen. In jeder Straße habe es einen Bäckerladen gegeben, um die Grundversorgung der Menschen zu gewährleisten. Der starke Rückgang in den hundert Jahren liegt vor allem an der „Brot- und Brötchenindustrialisierung“, die mit der Erfindung industrieller Backmaschinen einherging und die von Discountern genutzt werden. „Das sind jedoch normale, gesellschaftliche Prozesse“, sagt Lohse.

Ein „Bäckersterben“ sei in den letzten Jahren auf keinen Fall zu verzeichnen. Womit die kleinen Betriebe jedoch zu kämpfen hätten, seien einerseits die starke Bürokratisierung, die sich bei neuen Auflagen bemerkbar macht, und fehlende Fachkräfte, die vor allem den kleinen Betrieben große Probleme bereiten. In der „Sornz’scher Rinde“ oder im Aegidienbrot schmeckt man das am Frühstückstisch aber nicht heraus.

Von Katharina Stork

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