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Ämter der Region Oschatz für Ältere oft schwer erreichbar

Barrierefreiheit Ämter der Region Oschatz für Ältere oft schwer erreichbar

Ältere und gehbehinderte Menschen haben es häufig schwer, wenn sie in ihren Kommunen Ämter besuchen wollen. Vor allem in historischen Verwaltungsgebäuden können Treppen zum Hindernis werden. Dahlen und Wermsdorf wollen mit Fahrstühlen Abhilfe schaffen.

Im Wermsdorfer Jagdschloss soll ein Aufzug den Zugang erleichtern.

Quelle: Dirk Hunger

Dahlen/Wermsdorf/Oschatz. Asta Zschinzsch aus Dahlen ist mit ihren 86 Jahren durchaus noch unternehmungslustig und wollte sich einen neuen Reisepass ausstellen lassen. „Meine Mutter ist wirklich noch fit und an vielem interessiert, allerdings ist sie mittlerweile nicht mehr gut zu Fuß und braucht einen Rollator“, beschreibt Tochter Monika Haschke. Und mit diesem Handicap scheiterte die Dahlenerin bereits bei der Beantragung des Passes: Die Stufen am Dahlener Rathaus stellten für die alte Dame ein zu großes Hindernis dar. Die „sehr netten Mitarbeiter“ der Behörde hätten sie daraufhin nach Oschatz verwiesen. Denn das Bürgerbüro im Rathaus der Großen Kreisstadt ist vom Kirchplatz aus ebenerdig zu erreichen.

Ältere Menschen sind betroffen

„Das Problem wird vermutlich zunehmend ältere Menschen betreffen“, schätzt Monika Haschke und fragt sich, wie diese dann ihre Wege ins Meldeamt meistern sollen. Der Dahlener Bürgermeister Matthias Löwe hofft auf eine Förderung aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Stadtteilzentren“. Damit möchte die Stadtverwaltung im leer stehenden Nachbargebäude Markt 3 einen Fahrstuhl einbauen, von dem man einen Zugang zu den Fluren des historischen Rathauses schaffen könnte. „Dazu sind noch eine Reihe von Fragen zur Statik und zum Brandschutz zu klären“, betont der Bürgermeister. Eine provisorische Lösung gibt es aus seiner Sicht nicht. „Auf unserem Grundstück steht nicht ausreichend Platz zur Verfügung, um eine Rampe in das ziemlich hoch gelegene Parterre zu errichten“, stellt Matthias Löwe klar. Zumindest, wenn die Rampe tatsächlich eine Hilfe sein soll.

Kein mobiler Arbeitsplatz für Fingerabdruck

Das Problem, an dem Asta Zschinzsch und die Stadt Dahlen scheiterte, war der für den Reisepass unabdingbare Fingerabdruck. „Dafür habe ich leider keinen mobilen Arbeitsplatz“, erläutert Silvana Töpfer, die in der Heidestadt für das Meldewesen zuständig ist. „Wenn jemand einen Personalausweis benötigt und nicht gut zu Fuß ist, tritt das Problem nicht auf“, erläutert sie. Dann bereite man im Amt die Formulare vor und komme raus, damit der Antragsteller seine Unterschrift leisten könne. Der Fall, einen Reisepass durch eine andere Kommune ausstellen zu lassen, war auch für Silvana Töpfer neu. „Ich muss dazu der anderen Kommune eine Ermächtigung erteilen und die Daten übermitteln, da Oschatz keinen Zugang auf unser Melderegister hat“, erklärt sie. Funktioniert habe das Ganze reibungslos.

Die Herausforderung ist kein spezielles Dahlener Problem. Gerade weil viele öffentliche Ämter und Verwaltungen ihren Sitz in historischen Gebäuden haben, kann der Zugang für Menschen mit Gehbehinderung oder Ältere zum Hindernislauf werden. Auch die Wermsdorfer Gemeindeverwaltung ist nicht so einfach zu erreichen: Hier hat das Einwohnermeldeamt im ersten Stock des Alten Jagdschlosses seinen Sitz. Zu erreichen ist das Büro über eine Wendeltreppe. „Das ist zwar schön historisch, aber gerade für ältere Bürger nicht leicht“, räumt Bürgermeister Matthias Müller ein.

In Wermsdorf werden Anträge im Erdgeschoss bearbeitet

Wer den Aufstieg nicht schafft, könne im Büro im Erdgeschoss Platz nehmen, die Meldeamtsmitarbeiterin bearbeite die Anträge dann dort. Bei Bedarf gingen die Mitarbeiter der Verwaltung sogar nach Wermsdorf ins Pflegeheim, sollte einer der Bewohner einen neuen Personalausweis brauchen. „Ideal ist das nicht, weil es manchen Betroffenen ja schon unangenehm ist, danach zu fragen. Deshalb wollen wir im Alten Jagdschloss einen Fahrstuhl einbauen, der die Bürger leicht ins Obergeschoss bringt. Dann kann jeder ohne Hürden seine Wege erledigen“, kündigt Müller an. Einen entsprechenden Fördermittelbescheid habe man bereits erhalten, so dass die Maßnahme über die „Investitionen Teilhabe“ bezuschusst werden kann.

Grundsätzlich ist es für Einwohner anderer Kommunen der Region möglich, Passangelegenheiten im Bürgerbüro des Oschatzer Rathauses zu erledigen, bestätigt Stadtsprecherin Anja Seidel. „Die Räume sind barrierefrei zugänglich“, versichert sie. Einziger Wermutstropfen dabei sind die Bearbeitungskosten. Die Gebühr für den Reisepass verdoppelt sich in diesem Fall, das heißt, der einfachste Reispass kostet dann 120 Euro, und beim Personalausweis beträgt die Zusatzgebühr nach Angaben von Anja Seidel 13 Euro.

Von Jana Brechlin und Axel Kaminski

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