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Agrarbetriebe suchen noch Azubis

Agrarbetriebe suchen noch Azubis

Einen Tag vor dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres sind noch Dutzende Stellen im Bereich der Landwirtschaft in Nordsachsen unbesetzt. Ein Großteil der 130 Agrarbetriebe sucht händeringend Schulabgänger, die den Beruf des Land- oder Tierwirts erlernen möchten.

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Für Julia Roth gehören Wasserpumpenzange und Ratsche zu den Arbeitsmitteln. Die 29-Jährige absolviert eine Ausbildung in der Freien Werkstatt der Agrargenossenschaft Laas.

Quelle: Sven Bartsch

Nordsachsen. Doch das gestaltet sich alles andere als einfach.

 

Blickt man auf die Landkreis-Karte der Lehrstellenbörse für sogenannte "Grüne Berufe", fallen einem flächendeckend kleine bunte Fähnchen ins Auge. Sie stehen für den jeweiligen Ausbildungsberuf. Klickt man drauf, erhält man nähere Infos zur Lehrstelle und zu dem Betrieb dahinter. Geschaffen hat die Börse bereits vor Jahren der Landkreis Nordsachsen zusammen mit den Unternehmen. "Ein sehr schönes Ausbildungsportal, das wir da haben", sagt Reinhard Eggert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Und doch sorgt es nicht für einen Ansturm auf die freien Lehrstellen.

 

Vergeblich ist die Agrargenossenschaft Laas auf der Suche nach einem Azubi als Landwirt sowie einem Tierwirt. "Wir hatten in diesem Jahr ganz wenige Bewerbungen", sagt Harald Rietzschel, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft. Doch zu Lehrverträgen kam es nicht. "Die jungen Leute benötigen schon eine gewisse hohe Grundausbildung in der Schule, damit wir sie als Lehrling zum Erfolg führen können", so Rietzschel. Diesmal habe es keine geeigneten Kandidaten gegeben. Sollten sich noch welche bewerben, könne die Agrargenossenschaft noch kurzfristig Lehrverträge für jeweils einen Bewerber in den beiden Berufen abschließen.

 

Für Anett Zander, Sachbearbeiterin Berufsausbildung Landwirtschaft im Landratsamt, kein ungewöhnliches Phänomen. "Die Bewerberzahlen sind seit Jahren rückläufig. Und es ist auch ganz klar, woran das liegt", erklärt sie. Die demografische Entwicklung sei der Hauptgrund.

 

Konkrete Zahlen über offene Lehrstellen liegen nicht vor, da nicht jeder der 130 Ausbildungsbetriebe, die gelistet sind, dieses Jahr auch tatsächlich ausbildet. Doch der Personalbedarf ist hoch. "Wir können noch locker 25 Lehrlinge in unseren Betrieben unterbringen", sagt Anett Zander. Vor allem Tierwirte für die Bereiche Rinder- und Schweinehaltung würden gesucht.

 

Gewiss zählen Lehrstellen in der Agrarwirtschaft nicht zu den Favoriten junger Leute - der schweren Arbeit wegen und der Bezahlung. Im ersten Ausbildungsjahr verdienen Lehrlinge laut Tarifvertrag 510 Euro, im dritten 600 Euro brutto. Ab September 2014 werden es im ersten Jahr 50 Euro und im dritten 60 Euro mehr sein. Hinzu kommt: "Den Landwirtschaftsberufen haftet immer noch das Image von Gummistiefeln an", weiß Reinhard Eggert.

 

Doch dieses Bild sei falsch. Längst hätten sich die Berufsbilder verändert, moderne Technik habe Einzug in den Betrieben gehalten. Und "die Aufstiegschancen sind gut", so Eggert weiter. "Es gibt da viele Möglichkeiten zur weiteren Qualifizierung oder gar zum Studium nach der Berufsausbildung." Was der Branche aber drohe, wenn kein Nachwuchs an den Start geht, sei über kurz oder lang ein Fachkräftemangel. Dabei ist die Branche selbst gefordert, denn Azubis sind zum Teil unzufrieden, wie aus einer Befragung des Sächsischen Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie hervorgeht. Ausbilder hätten zu wenig Zeit, es gebe unzureichende Anleitungen und die Arbeiten seien mitunter eintönig. Das macht den Beruf nicht gerade attraktiv und hat schlimme Folgen für die Branche. Sachsenweit sind allein im laufenden Ausbildungsjahr 13 Prozent weniger Verträge mit Azubis abgeschlossen worden. Die Zahl ging von 758 im Vorjahr auf 633 zurück. Ausbildungsbetriebe sollten sich deshalb schon jetzt um neue Lehrverträge für das kommende Ausbildungsjahr 2014 bemühen, so der Rat des Ministeriums.

 

Aber zunächst sind noch die freien Stellen ab August beziehungsweise September im Landkreis Nordsachsen zu besetzen. "Wir kämpfen um jeden Einzelnen und freuen uns, wenn sich Schulabgänger bei uns melden", sagt Anett Zander vom Landratsamt.

Fliegner/Großnick

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