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Als Kind oft das schnaufende Ungetüm beobachtet

Als Kind oft das schnaufende Ungetüm beobachtet

Gemeinsam mit der Döllnitzbahn GmbH sucht die OAZ Erinnerungen der Leser an den Wilden Robert - im September feiert das Unternehmen sein 20-jähriges Bestehen. Ferner wird 2014 an 130 Jahre Schmalspurbahnhof Mügeln und die erste Ferneisenbahn vor 175 Jahren erinnert.

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Die Döllnitzbahn mit Dampflok unterwegs: Früher beförderte sie nicht nur Menschen, sondern transportierte auch Güter von A nach B.

Quelle: Sven Bartsch

Unter der Überschrift "Der Wilde Robert und ich" erreichten uns folgende Zeilen von Heidrun Mehnert aus Mügeln:

 

"Seit Jahren nehme ich den Zug nur noch wahr, wenn er zweimal am Tag Richtung Glossen und zurück mit Getöse an unserem Firmengelände vorbeifährt, oder wenn sonst das Gebimmel und Pfeifen oder Tuten über die Dächer der Stadt tönt. Dass unsere Döllnitzbahn etwas ganz Besonderes ist, spüre ich aber, wenn Kunden oder Besucher mit glänzenden Augen an den Gleisen stehen, lächelnd dem vorüberfahrenden Zug nachschauen und sagen: 'So etwas habt ihr hier noch?'

 

Wir selbst stehen da schon manchmal etwas vergnatzt am geschlossenen Bahnübergang, um zu warten, bis die Lokomotive ihre Waggons mit Schnaufen über die Straße in Richtung Bahnhof gezogen hat. Naja - sie gehört aber eben einfach dazu in Mügeln.

 

Meine Erinnerungen in punkto Kleinbahn gehen aber auch bis in die fünfziger Jahre zurück. Ich wurde in Kemmlitz geboren und weiß noch, dass ich als Kind oft bei Oma am Fenster stand und das schnaufende Ungetüm beobachtete, das die leichte Steigung Richtung Bahnhof überwand und mir als "Wilder Robert" vorgestellt wurde. Die Waggons, von denen die meisten mit Kohle für das Kaolinwerk beladen waren, habe ich stets gezählt. Am Ende des Zuges kamen dann noch ein oder zwei Personenwagen und der Schaffnerwagen. Später, in Richtung Mügeln, waren die großen Waggons dann mit Kaolin beladen.

 

Wie viele andere Kemmlitzer sind aber auch wir - Oma, Mutti und ich - damals manchmal mit der Kleinbahn von Kemmlitz nach Mügeln gefahren, nicht nur zum Shoppen - nein, da stand meist ein Zahnarztbesuch an. Insofern können Kleinbahnfahrten auch negative Erinnerungen wecken.

 

Jahre später, 1968/69, der Personenverkehr war längst eingestellt, bin ich fast täglich mit dem "Wilden Robert" zur Berufsschule nach Oschatz gefahren.

 

Im Gegensatz zu den späteren Fahrten im Bus hatte so eine Fahrt mit der Bahn am frühen Morgen doch etwas Besonderes, da gab es so eine gewisse Gemütlichkeit. In den Zugabteilen konnte man Schüler beobachten, die sich über die nächste Klassenarbeit austauschten oder über die Ungerechtigkeiten der Lehrer aufregten. Und so manche Hausaufgabe wurde schnell im Zug erledigt.

 

Auch viele Mügelner, die in Oschatzer Betrieben tätig waren, nutzten die Kleinbahn, um an ihre Arbeitsplätze zu kommen.

 

Besonders gemütlich war das natürlich im Winter. Und, Sie können es mir glauben, den Geruch, den die direkt mit Kohle beheizten Öfen in den Waggons verströmten, den habe ich noch heute in der Nase."

 

iOAZ und Döllnitzbahn GmbH suchen Ihre Geschichten und Bilder. Neben der Veröffentlichung in der OAZ plant die Döllnitzbahn eine Broschüre mit ausgewählten Texten. Zuschriften per Post an die Oschatzer Allgemeine Zeitung, Seminarstraße 2, 04758 Oschatz, E-Mail.oschatz.redaktion@lvz.de, Fax: 03435/976819. Der Urheber stimmt zu, dass Texte nach Veröffentlichung der Döllnitzbahn GmbH zur Verfügung gestellt werden.

Heinz Großnick

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