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Als das Westgeld nach Oschatz kam: Banker aufgeregt wie zur Fußball-WM

Als das Westgeld nach Oschatz kam: Banker aufgeregt wie zur Fußball-WM

Dieser Tag bleibt vielen Einwohnern der Region Oschatz für immer im Gedächtnis. Vor 25 Jahren - am 1. Juli 1990 - hielten die meisten das erste Mal Westgeld in den Händen -und erinnern sich daran heute noch ganz genau.

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Wolfgang Lange, Astrid Lücke und Gloria Fetzer (v.l.) helfen bei der Einführung der D-Mark in Oschatz aus.

Quelle: Archiv G. Hunger

Region oschatz. Drei junge Mitarbeiter der Kreissparkasse Tuttlingen halfen damals in Oschatz mit, den Geldumtausch abzuwickeln. Wolfgang Lange, heute 48 Jahre alt, erinnert sich, dass er von der Personalabteilung seiner Sparkasse auf diesen Einsatz angesprochen wurde und sofort zusagte. "Das war für mich kein Problem. Wir hatten Verwandte in der DDR und die Sache hat mich interessiert", sagte er der Oschatzer Allgemeinen. Er ist nach wie vor bei der Sparkasse Tuttlingen, die damals Partnersparkasse der Oschatzer war, tätig. Da die Sparkasse mit einem Aufsteller an die Währungsunion erinnert, hatte er dieser Tage sowieso an die vier Wochen vor 25 Jahren in Oschatz gedacht.

 

"Mit den Kollegen aus Oschatz gab es eine bombige Zusammenarbeit. Alle waren bereit, quasi rund um die Uhr zu arbeiten, damit der Währungsumtausch funktionierte", erinnert er sich. Trotzdem hätten alle gute Laune gehabt. Er wisse es noch, dass es eine "Mordsarbeit" war, die D-Mark-Münzen auszufahren und in die Filialen zu tragen. Die DDR-Währung heraus zu tragen, sei wesentlich leichter gewesen. Ansonsten habe er mit dem Geld weniger zu tun gehabt, sondern vielmehr mit den Anträgen zum Währungsumtausch. Die Leute hätten sich damals auf das für sie neue Geld gefreut und vor allem die Verbesserungen gesehen.

 

Wolfgang Lange war Anfang der 1990er Jahre noch ein zweites Mal in Oschatz, um eine Umstellung der Technik zu betreuen. Schon damals habe er eine "Verwestlichung" festgestellt. Die gegenseitige Unterstützung - privat und auf Arbeit - habe es da schon nicht mehr in dem Maße gegeben, wie er sie noch 1990 bewundert habe.

 

Auch wenn er seither nicht wieder in Oschatz war, hat Wolfgang Lange viele Kontakte in den Osten Deutschlands. Sein Hobby, das Motorradfahren, führe ihn dorthin, ebenso wie der Sport. Der Landesverband der Sportkegler, in dem er aktiv ist, pflege einen regen Austausch mit den Verbänden von Thüringen und Sachsen-Anhalt. Werner Lange ist übrigens der einzige der drei Tuttlinger, der nach wie vor in der Finanzbranche tätig ist.

 

Astrid Faude (damals: Lücke) arbeitet inzwischen in der Medizintechnik-Branche, deren Hochburg Tuttlingen ist. "An konkrete Ereignisse von damals kann ich mich kaum noch erinnern", sagt sie. Ihr sei aber noch das Gefühl von damals gegenwärtig: "In den Menschen war ein Fieber, das alle erfasst hatte." Etwas ähnliches habe sie nur bei der Fußball-Weltmeisterschaft erlebt. "Ich fand es aufregend", bekannte Astrid Faude. Sie habe damals am Schalter gestanden. Wie ihre beste Freundin Gloria Fetzer absolvierte sie 1990 ihr drittes Lehrjahr bei der Sparkasse. Für sie war es der erste Besuch der DDR. "Oschatz war der komplette Gegensatz zu dem, was wir kannten", schildert Astrid Faude ihre Eindrücke von damals. Völlig ungewohnt sei zum Beispiel gewesen, im Restaurant auf einen freien Platz zu warten. Aber genauso gut weiß Astrid Faude, dass sie in Oschatz sehr nette Kollegen hatte. Mit deren Trabbis durften die Helfer aus dem Westen sogar fahren! Übrigens existierte in der DDR nicht nur die Sparkasse als Geldinstitut. Es gab zum Beispiel noch die Staatsbank der DDR - auch in Oschatz. Zum Zeitpunkt der Währungsunion firmierte sie unter Deutsche Kreditbank AG. Um jene handelt es sich bei den Fotos einer bewachten Bankfiliale (OAZ vom 1. Juli). Darauf wies Leserin Martina Gnauck hin, die dort arbeitete. "So etwas hatte ich noch nie erlebt", erinnert sie sich an die Einführung der D-Mark. "Als ich auf Arbeit kam, sah ich schon die bis in die Lutherstraße stehenden Leute und dachte zuerst an eine Demo", erzählt sie. Die Stimmung sei zwar leicht aufgeheizt gewesen, Pöbeleien habe es aber nicht gegeben. Der DDR-Bürger sei ja im Schlangestehen erfahren gewesen.

 

© Kommentar

Axel Kaminski

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