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Altersschwache Bäume hängen in Oschatz an der Nadel

Altersschwache Bäume hängen in Oschatz an der Nadel

Erst knackte es ganz unheimlich in der alten, mächtigen Roteiche, dann raste ein dicker Ast aus acht Metern Höhe in die Tiefe und krachte auf die Wiese. Die Spaziergänger im Stadtpark kamen am Sonntag, dem 10. August, noch einmal mit dem Schrecken davon (wir berichteten).

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Zwei Stadtgärtnerinnen in Aktion am Miltitzplatz: Silke Redmann bedient den Resistographen, und Kathleen Teschmit zieht das Protokoll aus dem Messgerät.

Quelle: Dirk Hunger

"Dass im Sommer ein grüner Ast herunter bricht, konnte keiner voraus sehen", sagt Kathleen Teschmit, die Leiterin der Stadtgärtnerei. Auch künftig können sie und ihre Kollegen solche Naturereignisse nicht hundertprozentig verhindern. Seit dieser Woche sind die Stadtgärtner jedoch in der Lage, die Wahrscheinlichkeit zu mindern, dass äußerlich gesund wirkende Bäume einfach umfallen oder ihre Äste abwerfen.

 

Möglich macht das ein sogenannter Resistograph. Das Gerät zur Bohrwiderstandsmessung ähnelt einer futuristischen Maschinenpistole und erkennt Hohlräume in lebenden Bäumen. Wie das 6000 Euro teure Gerät funktioniert, demonstriert Stadtgärtnerin Silke Redmann an einer amerikanischen Roteiche am Miltitzplatz. Diesen Baum hat die Fachfrau nicht zufällig ausgewählt. Am Fuße des Stammes wächst der Lackporling. Der Pilz zeigt an, dass die Roteiche krank ist.

 

Begleitet von einem Bohrgeräusch wie beim Zahnarzt schiebt der Resistograph eine lange Nadel (zwei Millimeter Durchmesser) durch die Rinde ins Innere des Stammes. Die Nadel wird dabei auf 200 Grad Celsius erhitzt, damit sie keine Krankheitskeime in das Bauminnere transportiert. Der Bohrwiderstand wird auf einem Messprotokoll aufgezeichnet. Nach nur sieben Zentimetern bricht der Widerstand schlagartig zusammen. Ein klares Zeichen: Dahinter ist der Stamm hohl. Das ist das Todesurteil für die Roteiche. "Die Rest-Wandstärke muss mindestens 30 Prozent betragen, damit der Baum verkehrssicher ist", weiß Silke Redmann. Der unmittelbar neben der Straße stehende Baum muss in den nächsten Wochen gefällt werden, damit der Wackelkandidat nicht eines Tages auf Fußgänger oder Autos kracht.

 

Von den insgesamt 3874 Bäumen im Stadtgebiet Oschatz - überwiegend Spitzahorn, Bergahorn und Linden - sind 1300 sogenannte Altbäume. Und die müssen regelmäßig untersucht werden, um Unfälle zu verhindern. "Pro Jahr haben wir so fünf bis zehn Härtefälle, die gefällt werden müssen", sagt Kathleen Teschmit. Identifiziert wurden diese Bäume bisher von professionellen Gutachtern - eine kostspielige Angelegenheit. Die Angebote für das Begutachten von fünf Bäumen reichen von reichlich 2000 bis über 4000 Euro. Mit der einmaligen Investition in den Resistographen spart Oschatz künftig einen großen Teil dieser Kosten. "Eine Bohrung kostet uns jetzt genau zehn Cent", hat die Leiterin der Stadtgärtnerei ausgerechnet.

 

Drei Viertel ihrer Arbeitszeit wird Silke Redmann künftig mit dem Begutachten der Bäume im Oschatzer Stadtgebiet beschäftigt sein. Die nächsten Sorgenkinder hat die Gärtnerin bereits im Blick: eine kranke Kastanie an der Altoschatzer Straße und eine Linde an den Glascontainern in der Reithausstraße. Bis alle Wackelkandidaten identifiziert sind, werden aber noch ein paar Monate vergehen. Die Leiterin der Stadtgärtnerei Kathleen Teschmit rät bis dahin zur Vorsicht. "Wer sich im Stadtpark unter einen alten Baum legen möchte, sollte darauf achten, dass sich über ihm kein toter Ast befindet." © Kommentar

Frank Hörügel

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