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Am Himmel Pilot und auf dem Boden Frauenschwarm

Am Himmel Pilot und auf dem Boden Frauenschwarm

Unter den Schrecken des Ersten Weltkrieges, dessen Beginn sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, litten auch Einwohner der Region Oschatz.

Merkwitz.

Einer von denen, die nach Kriegsausbruch an die Front mussten, war Alfred Werner aus Merkwitz.

 

Von seinen leidvollen Erfahrungen im Ersten Weltkrieges hat Alfred Werner seiner Tochter Ilse Thomas nie etwas erzählt. "Das wollter er uns nicht antun, dass wir solche Erinnerungen haben", nennt die 89-Jährige den Grund. Deshalb sind der Merkwitzerin auch nur die Anekdoten in Erinnerung geblieben, die ihr Vater aus seiner Soldatenzeit mitgebracht hat. Geboren am 30. November 1893 war Alfred Werner bei Kriegsausbruch 23 Jahre alt. Der junge Bauer aus Merkwitz kam zum 21. Ulanen-Regiment, Ersatz-Schwadron, nach Chemnitz - und wurde zum Piloten ausgebildet. "Er war recht fortschrittlich und gescheit", erinnert sich seine Tochter.

 

"Den größten Knaller", so die Seniorin, "erzähle ich gleich zuerst." Während der Heuernte war Not am Mann auf dem Bauernhof der Werners in Merkwitz. "Mein Vater kam eines Tages überraschend mit seinem Flugzeug angeflogen, landete auf der Wiese, half beim Heu laden - und schon war er wieder weg." Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Alfred Werner als Pilot im Einsatz. "Mein Vater hat einmal gesagt: So viele Flugzeuge wie ich in der ganzen Zeit in den Dreck gefahren habe - das könnte ich nie bezahlen", erinnert sich seine Tochter. An welchen Fronten ihr Vater gekämpft hat, weiß sie nicht. Sicher ist nur, dass er in Frankreich und England geflogen ist. "In England haben die Piloten gewettet, wer mit seiner Maschine unter den Themse-Brücken durchfliegen kann." Ob Alfred Werner die Wette gewonnen hat, ist nicht überliefert.

 

Als lediger und gut aussehender Pilot eroberte der Merkwitzer in dieser Zeit offenbar die Frauenherzen im Sturm. "Er hatte viele Chancen bei den Mädels", weiß seine Tochter Ilse. Kürzlich fand ihr Sohn Reiner Thomas (61) in einem Nebengebäude des Merkwitzer Dreiseitenhofes ein Fotoalbum, das von Alfred Werner angelegt worden war. Seitenweise reihen sich hier Fotografien und Postkarten von attraktiven jungen Damen aneinander.

 

Im Zweiten Weltkrieg musste Alfred Werner als nunmehr Mittvierziger nicht mehr an die Front. Der Merkwitzer gehörte in dieser Zeit zum Bodenpersonal des Oschatzer Fliegerhorstes. Dort war eine Flugzeugführerschule untergebracht.

 

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 war für Alfred Werner die Zeit der Fliegerei vorbei. "Er hat sich nie wieder in ein Flugzeug gesetzt", weiß sein Enkel Reiner Thomas. Sein Großvater arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Bauer in Merkwitz - bis zur Rente. Am 10. Dezember 1963 starb Alfred Werner in seinem Heimatdorf.

 

Das Flieger-Gen hat der Pilot in die übernächste Generation vererbt. Auch sein Enkel Jörg Thomas (66) geht regelmäßig in die Luft - als zweiter Vorsitzender des Oschatzer Fliegerclubs.

Frank Hörügel

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