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Angriff auf Mitbewohner in Oschatz: Libyer muss vor Gericht

Streit in Flüchtlingsunterkunft Angriff auf Mitbewohner in Oschatz: Libyer muss vor Gericht

In einem Oschatzer Flüchtlingsheim sowie in einer Torgauer Wohnung hat ein Asylbewerber betrunken mehrere Mitbewohner attackiert. Er steht jetzt wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht.

Ausraster in Flüchtlingsunterkunft: Ein Libyer geht auf seine Mitbewohner los.

Quelle: dpa

Oschatz/Torgau. Wegen dreifacher schwerer Körperverletzung musste sich jetzt ein Asylbewerber vor dem Torgauer Amtsgericht verantworten. Er hatte unter anderem nach einem Streit einen Mitbewohner mit einem Messer angegriffen. Die Verhandlung erwies sich als zäh. So wurden zwei Dolmetscher benötigt, einer als Arabisch-Übersetzer für den Angeklagten aus Libyen und einer für einen aus Indien stammenden Zeugen. Am Ende musste die Hauptverhandlung sogar wegen unentschuldigten Fehlens eines weiteren Zeugen unterbrochen werden. Sie wird kommende Woche fortgesetzt.

Gegen den aus Bengasi stammenden Asylberber wurde gleich zweimal Anklage erhoben. Am 9. Januar 2015 griff er nach einem Streit in einer Wohnung in Torgau mit einem Messer seinen Zimmernachbarn an. Er verletzte dabei in der Gemeinschaftsküche den Geschädigten am Oberschenkel und am Brustkorb. Die Verletzungen waren nach Aussage des behandelnden Arztes nicht lebensbedrohlich. Grund des Streits war das Handy des Angeklagten. Er hatte es dem Mitbewohner ausgeliehen, weil dessen Bruder an diesem Tag verstorben war und der Nachbar deshalb mit den Angehörigen reden wollte.

Angeklagter war schwer betrunken

Der Bitte des Mitbewohners, das Handy weitere zweimal auszuleihen, kam der Angeklagte jedoch nicht nach. Aus diesem Grund soll der Mitbewohner ein Messer gezogen haben, woraufhin sich der Angeklagte verteidigte. Das war zumindest seine Version. Und an mehr konnte sich der 43-Jährige nicht erinnern. „Wir waren nicht bei Sinnen, hatten zwei Flaschen Whisky getrunken“, erklärte der Libyer. Der geladene Geschädigte fehlte unentschuldigt bei der Hauptverhandlung. Er wird nun zu deren Fortsetzung von der Polizei vorgeführt.

Nach dem Torgauer Vorfall wurde der Angeklagte vom Landratsamt ins Flüchtlingsheim Oschatz verlegt. Doch auch dort sorgte der gelernte Maler öfter für Zwistigkeiten, von denen zwei, verbunden mit schwerer, vorsätzlicher Körperverletzung zur Strafanzeige führten. Seine Ausraster passierten in der Nacht vom 26. zum 27. Mai vorigen Jahres. „Ich habe nichts zu sagen, weil ich nichts mehr weiß. Ich hatte eineinhalb Flaschen Wodka getrunken“, sagte der Angeklagte ganz ruhig. Er erinnerte sich an die beiden Geschädigten selbst dann nicht, als sie im Gerichtssaal als Zeugen erschienen.

Einer der beiden wusste aber noch genau, was passiert war. „Ich hörte Streit auf dem Flur, obwohl ich Musik mit Kopfhörern hörte. Dann schlug er an die Tür und rannte in mein Zimmer. Ich bin rausgegangen, weil ich keinen Streit wollte, habe das Heim sogar für zehn Minuten verlassen. Als ich wieder reinkam, hat er mir im Flur mit der Faust aufs Auge geschlagen.“ Das 22-jährige Opfer erinnerte sich, dass der Mann betrunken war.

Angriff mit Kaffeetasse

Der zweite Geschädigte aus dem Oschatzer Flüchtlingsheim wurde durch die Polizei 90 Minuten nach Verhandlungsbeginn aus seiner jetzigen Unterkunft in Delitzsch vorgeführt, weil auch er die Vorladung ignoriert hatte. Auch der Inder spricht kein Deutsch, so dass der zweite Dolmetscher harte Arbeit leisten musste. Allerdings wusste der 28-Jährige nicht mehr, warum im Heim der Streit mit dem Angeklagten ausbrach. „Weil ich auch Alkohol getrunken hatte“, so seine Begründung.

Den Ablauf konnte der Inder indes schildern: „Er hat mir mit einer Kaffeetasse aufs linke Ohr gehauen. Den Henkel hatte ich nach meiner Abwehr zuvor in der Hand, so dass die Tasse eine spitze Kante hatte. Mir schlug er dann noch mit der Tasse auf die Stirn und in den Rippenbogen.“ Dabei zeigte der Zeuge die Spuren der Schläge, die nach neun Monaten noch sichtbar waren.

Eine Sozialarbeiterin bestätigte die Aussagen. „Der Täter war wie so oft schwer betrunken und ließ sich auch nicht aufhalten. Er trat zuerst die Tür eines Heimbewohners ein. Als dieser das Haus verließ, hat der Angeklagte vor dem Büro auf ihn gewartet und ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Der war heftig.“ Zuvor habe der Angeklagte ein Loch in die Zimmertür des Inders getreten. Erst die alarmierte Polizei beendete das Treiben des Libyers. Der Angeklagte landete nach seinem Doppelangriff noch in der Gewahrsamzelle der Polizei, wo bei ihm nach einer Blutprobe eine Alkoholkonzentration von 1,28 Promille festgestellt wurde.

Für ein Urteil reichte die Beweisaufnahme nicht, weil der Zeuge für die erste Straftat des Libyers unentschuldigt fehlte. Die Hauptverhandlung wird am 7. März fortgesetzt.

Von Peter Müller

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