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Angst vor Grabschändung: Friedhof für Rotarmisten vor 50 Jahren verlegt

Angst vor Grabschändung: Friedhof für Rotarmisten vor 50 Jahren verlegt

Wenn Manfred Wackwitz nicht wäre, sähe der Altmarkt im Stadtzentrum heute eventuell völlig anders aus: Anstelle eines attraktiv gestalteten, hellen Platzes würde hier mitten in der Stadt ein Friedhof düstere Stimmung verbreiten.

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Manfred Wackwitz vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus im Stadtpark, dessen Umzug er mit ausgelöst hat.

Quelle: Dirk Hunger

oschatz. von frank hörügel

 

Und die Mauer aus großen Sandsteinen, die bis zum Jahr 2002 den unteren Teil des Altmarktes vom oberen Teil trennte, würde zum 25. Jahrestag des Berliner Mauerfalls wohl auch noch stehen. Dass es anders gekommen ist und der Ehrenfriedhof für die sowjetischen Gefallenen genau vor 50 Jahren vom Altmarkt verschwunden ist, daran haben Manfred Wackwitz und eine zufällige Begegnung einen entscheidenden Anteil. Der Zeitzeuge meldete sich nach dem OAZ-Bericht in unserer Sonnabend-Ausgabe.

 

Brand im Thomas-Müntzer-Haus

 

Hoch ging es her, als die Oschatzer Narren am 6. Februar 1960 im ersten Gasthaus am Ernst-Thälmann-Platz (heute Altmarkt) - dem Thomas-Müntzer-Haus - mit Konfetti und Papiergirlanden ausgelassen Fasching feierten. Von der Feststimmung war am nächsten Tag nichts übrig geblieben. Das Thomas-Müntzer-Haus brannte in den Morgenstunden des 7. Februar lichterloh und bis auf die Fassade und die Gaststube völlig ab. Als Brandursache gab die Feuerwehr damals Fahrlässigkeit an. Wahrscheinlich war eine brennende Papiergirlande der Auslöser gewesen.

 

Der heute 87 Jahre alte Manfred Wackwitz war zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender der Kreisplankommission und wurde damit beauftragt, den Wiederaufbau des Thomas-Müntzer-Hauses zu leiten. Trotzdem in dieser Zeit Baumaterialien und Bauarbeiter Mangelware waren, nahm das Projekt schnell Konturen an. Bereits im Dezember 1960 startete der Wiederaufbau. Zweieinhalb Jahre später - am 13. Juli 1963 - fand die offizielle Schlüsselübergabe für das Haus mit 700 Sitzplätzen und einer Bar mit Platz für 70 Besucher statt.

 

Manfred Wackwitz hatte allen Grund zur Freude, doch die war nicht ungetrübt. Denn direkt vor dem Haupteingang des Thomas-Müntzer-Hauses befand sich der Ehrenfriedhof für 102 Sowjetsoldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren. Und jetzt kommt der Zufall ins Spiel. Ein paar Monate nach der Einweihung des Müntzer-Hauses traf Manfred Wackwitz zufällig den Oschatzer Bürgermeister Kurt Hetschick und den damaligen sowjetischen Kommandanten auf der Straße. "Ich habe denen gesagt: Wenn betrunkene Gäste aus dem Müntzer-Haus kommen und auf die Gräber der sowjetischen Soldaten pinkeln - das geht doch nicht!", erinnert sich der 87-Jährige.

 

Schnelle Genehmigung aus Moskau

 

Für den sowjetischen Kommandanten muss das ein Schreckensszenario gewesen sein, das es unter allen Umständen zu verhindern galt. Wackwitz: "In der Rekordzeit von sechs Wochen hatten wir die Genehmigung aus Moskau zur Verlegung des Friedhofes."

 

Nach Angaben des Oschatzer Stadtarchivars Marcus Büttler wurde der Friedhof in der Zeit vom 9. bis 13. November 1964 durch den VEB Bestattungs- und Friedhofswesen Leipzig in Oschatz verlegt. Das Denkmal für die Opfer des Faschismus, das zum sowjetischen Friedhof gehörte, wurde Ende Januar 1965 auf dem Altmarkt ab- und im vorderen Teil des Oschatzer Stadtparkes wieder aufgebaut. Seitdem bewachen hier zwei 1,60 Meter kleine Rotarmisten aus Beton das Ehrenmal, das von einem roten Stern mit Hammer und Sichel gekrönt wird. Ein Anblick, der Manfred Wackwitz noch heute tief berührt.

Frank Hörügel

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