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Oschatz Apfelbaum-Schule Schweta wirbt um Lehrkräfte
Region Oschatz Apfelbaum-Schule Schweta wirbt um Lehrkräfte
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14:30 06.02.2018
Evangelische Schule Apfelbaum in Schweta - Lehrergewinnungskampagne "Hauptfach Mensch" Quelle: Christian Neffe
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„Hallo, Schulgestalter!“ heißt der neue Slogan, mit dem die Evangelischen Schulen in Sachsen ab sofort um neue Lehrkräfte werben. „Wir suchen junge Lehrer, die Lust haben sich an einer freien Schule einzubringen“, erklärt Wolfram Günther, Geschäftsführer der Evangelischen Schul-Gemeinschaft Erzgebirge. Denn obwohl man das langjährige Problem des Lehrermangelns in erster Linie mit Schulen in staatlicher Trägerschaft assoziiert, so bekämen auch die freien Schulen bei Neuanstellungen zunehmend den allgemeinen Mangel an Pädagogen zu spüren. Das bestätigt auch Stefanie Schwaiger, Vorsitzende des Evangelischen Schulvereins Apfelbaum in Schweta: „Zwar haben wir im Augenblick genug Lehrer an unserer Schule und suchen aktuell keine neuen Lehrkräfte. In den nächsten Jahren aber wird es wieder Bedarf geben.“ Das Problem: In den vergangenen Jahren hätten staatliche Schulen und Kultusministerium intensiv versucht, Lehrer von der Schule „abzuschöpfen“ und Bewerber „abzuwerben“. „In dieser Konkurrenzsituation können wir uns nur schwerlich behaupten“, so Schwaiger.

Taufschein ist keine Voraussetzung

Der Name der neuen Kampagne könnte in einigen Ohren vielleicht etwas pathetisch klingen: „Hauptfach: Mensch“ lautet er und macht damit deutlich, dass trotz der konfessionellen Ausrichtung der Bildungseinrichtungen nicht der Glaube, sondern der humane Faktor im Mittelpunkt steht. „Ein Taufschein ist keine Voraussetzung für eine Anstellung an einer evangelischen Schule“, sagt Schwaiger. Im Gegenteil: Auch Konfessionslose und Menschen anderen Glaubens seien willkommen. Wichtig aber sei eine Identifikation mit dem Profil und den Werten, die an der Schule gepflegt und gelebt werden: Anerkennung des Anderen und Andersartigen, Rücksichtnahme und Gemeinschaft. Ein weiterer wichtiger Bestandteil: Eine gewisse Fehlerkultur, die Philosophie, aus Fehlschlägen lernen zu können – in unserer modernen Leistungsgesellschaft nahezu undenkbar.

Die Kampagne richtet sich vorrangig an Lehramtsstudenten, soll deren Aufmerksamkeit auf die freien Schule richten, die Bildungseinrichtungen als potenzielle Arbeitgeber attraktiv machen. Darüber hinaus werden die Studenten eingeladen, ein Praktikum oder den Vorbereitungsdienst an einer Evangelischen Schule zu absolvieren. Und nicht zuletzt wird auf die Option eines Freien Sozialen Jahres (FSJ) nach der Schule hingewiesen: „Das ist eine sehr gute Gelegenheit, um sich beruflich zu orientieren. Das Land unterstützt uns, indem es die Stelle bezahlt“, so Schwaiger.

Pädagogische Freigeistigkeit kann ausgelebt werden

Gefragt nach den Vorteilen, die eine Anstellung in freier Trägerschaft mit sich bringe, benennt Schwaiger zum ersten die „offene, lebendige Arbeitsatmosphäre“ und zum zweiten die Möglichkeit, den Unterricht durch eigene Ideen und Vorstellungen mitzugestalten – anders als an zu Schulen in staatlicher Trägerschaft, die sich an den vorgeschriebenen Lehrplan halten müssen. Pädagogische Freigeistigkeit kann hier also durchaus ausgelebt werden. „Das ist manchmal etwas anstrengend, aber vor allem für junge Leute interessant, die etwas bewegen möchten.“

Auch Martin Herold, Vorstand der Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Sachsen und Vertreter des Christlichen Schulvereins Wilsdruffer Land, erklärt: „Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ehemalige Praktikanten und Referendare das gute Arbeitsklima an unseren Schulen schätzen und sich anschließend in vielen Fällen auch für eine Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn bei uns entscheiden.“ Dem Gegenüber steht der Nachteil, dass die Option einer Verbeamtung nicht gegeben ist.

Schnupperwochen laden zu Probearbeit ein

Ein Novum, das im Zuge der Kampagne Einzug hält, sind die so genannten Schnupperwochen: An zwei Wochen im Jahr öffnen die Evangelischen Schulen ihre Türen für interessierte Lehramtsstudenten. Diese können in den Semesterferien an jeweils fünf Tagen an verschiedenen evangelischen Lehreinrichtungen ihrer Wahl im Unterricht hospitieren und damit einen Einblick in die Vielfalt des Schullebens und der pädagogischen Konzepte bekommen. „Interessierte waren zwar auch schon zuvor immer willkommen, nun aber findet die Organisation über die gemeinsame Schulstiftung statt“, erklärt Schwaiger. „Wir bündeln quasi unsere Kräfte.“ Die Anmeldung für die erste Schnupperwoche, die vom 19. bis zum 23. März stattfindet, ist ab Anfang Februar über die Website der Kampagne möglich.

Aber auch die neue Kampagne kann an einem großen Problem nichts ändern: Sachsen wird in einigen Jahren zu wenige Lehrer haben. Um dem zu begegnen, müsste laut Schwaiger in erster Linie die Anzahl der Lehramtsstudienplätze deutlich erhöht werden. Eine zweite große Maßnahme, für die sie plädiert: das Angleichen der Gehälter. „Derzeit ist es noch so, dass Grundschullehrer schlechter bezahlt werden, als Mittel- oder Oberschullehrer.“ Deshalb werde sich der Lehrermangel auch zuerst an Grundschulen bemerkbar machen. Das vom Kultusministerium ins Leben gerufene Vorhaben, vermehrt Quereinsteiger einzustellen, löse das Problem nicht – im Gegenteil: Der Beruf des Lehrers werde dadurch in gewisser Weise abgewertet. „Ich kann die schiefen Blicke mancher Kollegen diesbezüglich nachvollziehen“, so Schwaiger. Dennoch habe man vor kurzem eine Anwärterin auf eine Quereinsteigerausbildung eingestellt. „Allerdings nur, weil wir sie für pädagogisch hervorragend halten.“

Zu den Evangelischen Schulen in Sachsen gehören über 70 Grund-, Ober-, Förderschulen und Gymnasien an 52 Standorten.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden sich auf der Website der Kampagne: www.hauptfach-mensch.de

Von Christian Neffe

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