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Arbeit auf Mügelns Friedhof nicht zu schaffen

Geld und Arbeitskräfte fehlen Arbeit auf Mügelns Friedhof nicht zu schaffen

Über den Zustand des Mügelner Friedhofes ärgert sich der Oschatzer Roland Schönherr. Teile des Gottesackers sind völlig verwahrlost. Hecken müssten geschnitten und Laub beseitigt werden. Mit Helfern hat er sogar schon selbst freiwillige Arbeitseinsätze vor Ort organisiert. „Das kann aber nicht meine Aufgabe sein“, so Schönherr. Er fordert, dass endlich Abhilfe geschaffen wird.

Völlig zugewuchert sind die Wandgräber auf dem Mügelner Friedhof mittlerweile.

Quelle: Privat

Mügeln. Maßlos ärgert sich Roland Schönherr aus Oschatz über den Zustand des Mügelner Friedhofes. Der 70-Jährige hat vor kurzer Zeit erst die Grabstelle seiner Eltern für die nächsten 15 Jahre verlängern lassen. Doch die Wandgräber wuchern immer mehr zu. „Der untere Teil des Friedhofs ist völlig verwahrlost. Die Hecken müssten geschnitten und der Rasen gemäht werden und alles ist voller Laub“, beschreibt Schönherr den verwilderten Zustand auf dem Gottesacker. Erst letztens brach ein dicker Ast von einem Baum, der noch zwei Wochen später an Ort und Stelle lag.

Schönherr ist sich auch im Klaren darüber, dass Friedhofsverwalter Peter Fritzsch sein Bestes tut und die umfangreiche Arbeit mangels Personal aber gar nicht mehr bewältigen kann. „Vor zwei Jahren haben meine Frau und ich schon einmal fünf bis sechs Säcke voller Laub gesammelt und mit dem Transporter weggeschafft.“ Und das war nicht sein einziger Einsatz. Als er jüngst durch das Stadtzentrum von Mügeln fuhr, sah er an einem Fenster zwei Hartz-IV-Empfänger herumlungern und sprach sie spontan an, ob sie bereit wären, mitzukommen, um auf dem Friedhof Laub zu beseitigen. Seine Bitte schlugen ihm die beiden Herren erstaunlicherweise nicht ab und begleiteten ihn schnurstracks auf den Friedhof zum Arbeitseinsatz. Auch zwei Oschatzer halfen ihm an einem anderen Tag, vor Ort für etwas Ordnung zu sorgen. Doch das könne nach seiner Meinung aber keine Lösung sein. „Wir bezahlen schließlich Kirchensteuer und Friedhofsgebühr. Hier sind die Verantwortlichen gefragt, endlich das Problem Friedhofspflege in den Griff zu bekommen“, redet sich Schönherr in Rage.

Hillfesuchend wandte er sich zudem an den CDU-Bundestagsabgeordneten Marian Wendt und erhielt als Antwort den Hinweis, er solle sich mit der Problematik doch selbst an das Kirchspiel wenden, um seiner Forderung noch mehr Nachdruck zu verleihen. „Hätte ich gar nichts geschrieben, wäre es besser gewesen“, ärgert sich Schönherr über die Reaktion von Wendt, der schließlich die Interessen der Bürger zu vertreten hat. „Hier sind die Politiker gefragt. Warum können für solche Arbeiten nicht Ein-Euro-Jobs oder ABM so wie früher möglich geschaffen werden?“

Das wünschen sich auch Friedhofsverwalter Peter Fritzsch und Frank Schirmer, stellvertretender Vorsitzender des Kirchspielvorstandes Mügeln. Fritzsch möchte bei aller Kritik aber auch auf eine Tatsache verweisen, die er Schönherr bei der beantragten Verlängerung des Grabmals zur Kenntnis gab. „Es handelt sich bei den angesprochenen Grabstellen um einen Friedhofsbereich, der eigentlich ausläuft. Wir werden in allen Schulungen immer wieder darauf hingewiesen, Friedhofsteile stillzulegen.“ Das habe mit den heute vielfältigen Möglichkeiten der Bestattungsformen zu tun. Gemeinschaftsgräber oder Waldbestattungen seien immer mehr im Kommen. Der 1,8 Hektar umfassende Friedhof in Mügeln sei nur noch zu 50 bis 60 Prozent belegt und die Friedhofsgestaltung sei aus wirtschaftlichen Gründen so zu organisieren, dass auch mit größeren Maschinen gearbeitet werden könne.

Frank Schirmer weist zudem auf den Mangel an finanziellen Mitteln hin. Der Friedhof könne nur über die Mittel der Friedhofsgebühren finanziert werden. „In Schweta fällt zum Beispiel die Kirchenmauer ein. Hier ist Gefahr in Verzug und wir müssen reagieren“, verdeutlicht Schirmer. Das könne auch nicht aus dem eigenen Haushalt gestemmt werden und deshalb sei man froh, dass die Landeskirche diesbezüglich mit einem Zuschuss helfe. Schirmer spricht aber noch ein weiteres Problem an, was unnötig zusätzliche Kosten verursache. „Manche nutzen die Behälter für den Grünschnitt als Mülldeponie. Da ist von der Windel bis zur Margarinedose alles drin zu finden.“ Früher hätten ABM-Kräfte so etwas heraussortiert. Landet heute ein Container mit unzulässigem Abfall auf der Deponie, werde er als Sondermüll berechnet. Und Langfinger sorgen obendrein für zusätzliche Kosten. „Gießkannen, Rechen und Hacken verschwinden. Wir wissen nicht, wie wir diesem Problem Herr werden.“ Nicht zuletzt habe sich Mügeln auch noch um Kriegsgräber zu kümmern. Der dafür bereitgestellte Obolus reiche aber weder hinten noch vorne. „Der Zustand der Gräber ist so schlecht, dass sie grundlegend erneuert werden müssten“, spricht Schirmer Klartext. Die Problematik Friedhof sei auch bereits mehrfach bei Zusammenkünften mit dem Bürgermeister und seinen Vorgängern angesprochen worden. „Auch der Stadt steht das Wasser bis zum Hals. Sie ist kaum in der Lage, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen und wir sind schon froh darüber, dass sie uns bei Bedarf durch den Bauhof unterstützen.“

„Ich kenne den schlechten Zustand des Mügelner Friedhofes und es ist mir klar, dass die Arbeit von Herrn Fritzsch allein nicht zu schaffen ist“, sagt Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke. Er habe wegen dieser Problematik auch schon mehrfach Gespräche mit der Kirchgemeinde und der Pfarrerin geführt, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Das ist ganz schwierig, denn es gibt ja auch noch die Friedhöfe in Altmügeln und Schweta.“ Die Stadt unterstütze wo sie könne, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Containern. Früher habe es ABM-Kräfte zur Unterstützung gegeben. „Ich werde mich noch einmal auf dem Weg zur Arbeitsagentur und zum Jobcenter machen, um nach einer Lösung zu suchen“, versprach das Stadtoberhaupt gestern gegenüber der Oschatzer Allgemeinen.

Von Heinz Großnick

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