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Oschatz Arbeitslose wie Kinder behandelt: Unfähige Dozenten fliegen raus
Region Oschatz Arbeitslose wie Kinder behandelt: Unfähige Dozenten fliegen raus
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00:30 04.10.2015
Jobcenter: Wegen einer Bildungsmaßnahme hagelte es Beschwerden. Quelle: Andreas Döring
Oschatz

Der gelernte Kfz-Mechaniker und die Einzelhandelskauffrau sind derzeit ohne Job, nehmen deshalb an einem Seminar teil. Gemeinsam mit 20 anderen „Schülern“ sollen sie bei der Firma (Name liegt der Redaktion vor) „berufliche Perspektiven entwickeln“. Der Unterricht werde dem Thema aber nicht gerecht, meinen sie. „Es sind Leute dabei, die bereits Familie haben, aber behandelt werden wir wie Kinder“, so Krieger. Beide zählen Beispiele auf. Da eine Reinigungskraft ausgefallen sei, hätten die Seminar-Teilnehmer alle Räume, auch die Toiletten, putzen müssen. Oft würden sie allein gelassen, die beiden Referenten seien stundenlang nicht da. Auf den Unterricht seien die Referenten auch nicht immer vorbereitet. So wurde aus der Hauptstadt Australiens Sydney und nicht Canberra.

Ein Teilnehmer um die 50 musste wie alle anderen in Oschatz auf Praktikumssuche gehen, in jedem Geschäft und in jeder anderen Einrichtung fragen, ob er genommen werden könnte. Die Situation insgesamt hat bei dem Mann dazu geführt, dass er sich selbst in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen hat. Er war mit seinen Kräften am Ende.

Bei der Diskussion zum Thema Kriegsflüchtlinge habe die betreffende Referentin gemeint, als Deutsche Patriotismus und Nationalgefühl entwickeln zu sollen. Die OAZ wandte sich mit diesen Vorwürfen an das Job-Center und bat Dr. Peter Grampp, Chefarzt der Abteilung Psychiatrie und Psychosomatik im Fachkrankenhaus Hubertusburg, um eine Einschätzung dieses Problems.

Sophia Geß, Sprecherin des Job-Centers, versprach in der vergangenen Woche, sich umgehend um die Angelegenheit zu kümmern. Das brauche jedoch etwas Zeit.

Grampp sagte zu diesen Beschwerden: „Mir sind entsprechende Kommunikationsunfälle durchaus bekannt. Dabei ist immer die Frage, wo und wie diese Probleme zu Stande kommen. Wenngleich sich die Teilnehmer ihrem Charakter entsprechend nicht selten falsch verhalten, stellt sich die Frage der Schulung der dortigen Mitarbeiter, wie sie hier deeskalierend einwirken können.“ Grampp weiß: Arbeitssuche kränkt. Andererseits seien den Besuchern Abläufe, Funktionen der Beschäftigten und deren Kompetenzen nicht transparent. Hier stelle sich für ihn das Problem einer organisationspsychologischen Überprüfung dieser Bildungs-Firmen. Aggressionen, auch verbale, seien in der Regel auf beiden Seiten Zeichen von Überforderung. „Abhilfe kann jedoch durch Transparenz und Klarheit sowie einer Kompetenz im Deeskalieren geschaffen werden.“

Jetzt wurde Abhilfe geschaffen. Die Gesellschaft, die die Maßnahme durchführt, hat sich von beiden Mitarbeitern getrennt. Das bestätigte Dr. Stephan Pfeiffer, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. „Wir haben die Beschwerden ernst genommen und am Freitag vor Ort geprüft. In einem Gespräch wurde festgestellt, dass die Maßnahme nicht so durchgeführt wurde, wie es die Leistungsbeschreibung vorgab. Deshalb distanzieren wir uns von den beiden Mitarbeitern. Was passiert ist, ist uns sehr unangenehm.“

Als Paul Krieger von der Konsequenz erfuhr, sagte er: „Das ist gleich eine angenehmere Atmosphäre hier.“

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