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Oschatz Auf Kamelsafari in Schmannewitz
Region Oschatz Auf Kamelsafari in Schmannewitz
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00:17 10.10.2017
Kristin Engel im Interview mit Gobi, Schamo und Thomas Engert.
Schmannewitz

Jeden Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, fahre ich in Schmannewitz an den beiden Kamelen Gobi und Schamo vorbei. Jedes Mal erwische ich mich dabei, wie ich den Kopf recke und nachsehe, was die beiden gerade machen. Mal liegen sie entspannt auf der Wiese, nagen an einem Baumstamm, den ihnen Kamelbesitzer Thomas Engert zum knabbern hin gelegt hat, oder ich sehe, wie ein Kind auf Gobi sitzt und das Kamel über die Koppel geführt wird. Ein kleines Schmunzeln kann ich nie vermeiden. Sie sind eben die Attraktion in Schmannewitz. Doch natürlich gehört noch mehr dazu, ein Kamel zu haben, als nur ein paar Streicheleinheiten. So beschloss ich, Thomas Engert an einem Morgen bei der Pflege der Tiere zur Hand zu gehen.

Ich binde mir am Morgen die Haare zu einem festen Pferdeschwanz, schlüpfe in meine warmen Stiefel und fühle mich vorbereitet auf das, was mich in wenigen Minuten erwartet. Um 9 Uhr fahre ich auf das Gelände. Thomas Engert begrüßt mich und meint, es sei gut, dass ich nun da sei. Gobi und Schamo wollen endlich ihr Frühstück. So geht es also direkt an die Arbeit. Ich fülle das bereitgelegte Gras in den Korb, packe an und lasse mir schnell erklären, wie ich es machen soll: Mit dem Rücken auf die Koppel, dabei Schamo und Gobi von mir fern halten, in den Unterstand und dort das Gras in die Futterstelle geben. Kein Problem, meine ich, bekomme von Angesicht zu Angesicht dieser beiden für mich schon ziemlich großen Tiere dann doch leichtes Herzklopfen. Wie soll ich sie von meinem Korb fern halten, wenn sie doch bereits ihre Hälse nach mir recken, obwohl ich noch gar nicht auf der Koppel bin? Mit ein wenig Hilfe von Thomas Engert husche ich an den Kamelen vorbei, die mir jedoch augenblicklich folgen. Ich versuche das Gras in den Futtertrog zu bekommen, doch bevor ich meine Hand in den Korb stecken kann, hat einer von beiden bereits seinen Kopf darin. Na das fängt ja gut an. Nur gut, dass ich es hier mit Kamelen und nicht mit Löwen zu tun habe. So kann ich das Gras doch noch da hin befördern, wo es hin soll und mich an Gobi und Schamo vorbei in die Freiheit kämpfen. Und jetzt?, frage ich mit dem leeren Korb im Arm und bekomme eine große Harke in die Hand gedrückt.

Kleine Kullern auf dem Vorplatz

Gleich ist mir alles klar. Denn die beiden Huftiere haben auf dem ganzen Vorplatz kleine Kullern hinterlassen. Sie sehen aus wie viele Kastanien. Ganz anders als die großen Pferdeäpfel. Dafür lassen sie sich schön zusammenkehren. Auf mich aufmerksam machend, harke ich auch hinter den beiden Kamelen, die noch eifrig mit ihrem Frühstück zu tun haben. Ich kehre die Köttel auf die Schaufel von Thomas Engert, der diese in die Schubkarre befördert. „Ich hatte mal vor, dies als Dünger für die Pflanzen zu benutzen. Doch Kamele können kein Getreide verdauen. Diese sind noch vollständig vorhanden und wachsen dann im Blumentopf. Daher haben wir von der Idee abgelassen“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Kristin Engel interviewt den Kamelhalter Thomas Engert. Quelle: christian kunze

Als der Vorplatz wieder ordentlich aussieht, holt Thomas Engert einen Anhänger voller Sand. Sand? Was soll der Sand??? „Eigentlich leben Kamele ja nicht in Schmannewitz, sondern in der Wüste. Sie lieben Sand, genießen es, sich darin zu wälzen.“ Und er hat recht. Sobald er den Anhänger auf der Koppel stehen hat, stecken die beiden bereits ihre Köpfe hinein. Ich habe Mühe, an ihnen vorbei zu kommen, die Schippe vollzuladen und den Sand auf dem Vorplatz zu verteilen. Immer wieder laufe ich um die beiden herum, mache die Schippe voll, laufe zurück und schütte den Sand wieder aus. Schnell verlassen mich die wenigen Kräfte, die ich besitze. Vor körperlicher Arbeit drücke ich mich meistens. Nach einiger Zeit wirft Thomas Engert einen Blick in den Anhänger. „Frau Engel, der Anhänger ist ja noch fast voll.“ Ich seufze. „Ich weiß“, sage ich, schon jetzt völlig außer Atem. Ich bin wohl keine große Hilfe. Der Schmannwitzer verteilt in Windeseile den Sand mit geübten Bewegungen auf dem Platz, läuft auch nicht jedes Mal um die Tiere herum und ein paar Minuten später ist der Anhänger geleert. Ich bin beeindruckt.

Tyler Louis reitet auf Gobi

Bereits ungeduldig wartet der siebenjährige Tyler Louis am Zaun. Er ist mit seiner Mutter zu Besuch in Schmannewitz. Es ist sein letzter Tag hier. Dann geht es zurück in die Heimat, nach Timmenrode im Harz. In der Zeit in Schmannewitz ist er regelmäßig bei Gobi und Schamo. Dann darf ein letzter Ritt natürlich nicht ausbleiben. Ich lege Gobi das Zaumzeug an und verschließe es. Mit dem Seil führe ich ihn – natürlich nur in Begleitung von Thomas Engert, weil mir das Tier sonst wohl bei aller Mühe nicht folgen würde – an die Seite, wo wir ihn mit ein paar raffinierten Sicherheitsknoten anbinden können. Der Schmannewitzer holt den Sattel und gibt ihn mir. Gerade, als er mir sagt „Nicht werfen“ habe ich bereits Schwung geholt und befördere den Sattel auf den Rücken des Tieres… Ups… Zum Glück hat Gobi damit kein Problem. Ich greife unter ihn hindurch und angele die Schnalle, um den Sattel fest am Kamel zu befestigen. Dabei merke ich, dass er eine ziemlich raue Stelle am Brustbein hat, an der der Sattel auch befestigt wird. „Bei Kamelen spricht man hierbei von einem fünften Huf. Es ist Hornhaut, wie sie sich auch an den Hufen der Tiere befindet. Es ist ein Schutz vor dem heißen Sand in der Wüste“, erklärt Engert und zieht die Schnallen fest, so dass der Sattel nicht verrutschen kann. Tayler hat sich bereits mit einem Helm gewappnet. Wir führen Gobi zum Aufstiegspunkt, wo Tyler schon wartet. Ich soll Obacht geben und mich nie zwischen Wand und Kamel stellen. Immerhin können einen 650 Kilo Körpergewicht doch schnell mal zerquetschen. Tyler schwingt sich gekonnt auf Gobi und wir laufen eine Runde gemächlich über den Platz. Das Führen überlasse ich Thomas Engert.

Mit Schwung aufs Kamel

Als Tyler die Heimfahrt antritt, bin nun auch ich an der Reihe. Was bei dem Siebenjährigen so einfach aussieht, ist es für mich dann doch nicht. Zum Glück habe ich die Aufstiegsplattform. So brauche ich mich nur mit Schwung auf das Kamel zu schwingen. Einmal kurz durchatmen. Schon geht es los. Ein wenig mulmig ist es mir, als es leicht nach unten geht. Doch das ist nicht das Einzige, was mich bei meinem Ritt erwartet. „Lehnen Sie sich soweit zurück wie möglich und bauen Sie in Ihren Armen Spannung auf.“ Ich tue, was mir gesagt wird. Doch wofür? „Ich gebe Gobi gleich das Kommando zum Hinlegen.“ WAS?? Doch alles Zetern hilft nichts. Da muss ich jetzt durch. „Und meine Beine?“, kann ich noch schnell fragen. „Die lassen sie locker hinunter hängen. Nicht drücken. Sonst bekommt das Tier das Gefühl, angegriffen zu werden.“ Gleich schießen mir etliche Szenarien durch den Kopf. Gobi in blanker Panik über die Koppel rasend. Ich, wie ich mich mit letzter Kraft an seinen Höcker kralle… Doch so kommt es glücklicherweise nicht. Ich lasse meine Beine einfach locker, lehne mich zurück und halte mich mit aller Kraft an der Halterung fest. Gobi geht erst vorne, dann hinten runter. Ganz sachte. Ich atme auf. Auch das Aufstehen geht ganz schnell. Puh, geschafft. Mein Herz klopft leicht. Nach der Aktion ist auch der kurze Trab kein Problem mehr. Ich habe es gemeistert – ein tolles Gefühl.

Auch die Streicheleinheiten und das Belohnungs-Knäckebrot füttern ist schön. Schamo und ich zeigen uns zum Abschied noch, dass wir uns gern haben, indem wir uns gegenseitig in die Nase pusten. Die anfängliche Scheu meinerseits ist verflogen – ein schöner Vormittag bei Schamo, Gobi und Thomas Engert, der viele Dinge über Kamele berichten kann, die man so noch gar nicht weiß. Ich kann nur sagen: Ein Besuch lohnt sich und auch ich werde wohl bald wieder ein Gast bei Gobi und Schamo sein.

Von Kristin Engel

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