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Auf Wanderung durch die Dahlener Heide

Natur Auf Wanderung durch die Dahlener Heide

Es ist ein kleines Naturparadies mitten in Nordsachsen: Die Dahlener Heide. Wanderwege führen durch den Wald, und am Wegesrand gibt es viel zu entdecken: Wilde Beeren, Spuren von Wildtieren oder Stätten zum Verweilen wie beispielsweise Brehms Ruhe. Unsere Autorin Kristin Engel machte auf ihrer Wanderschaft viele Entdeckungen.

Unterwegs in der Dahlener Heide.

Quelle: Dirk Hunger

Dahlener Heide. Dass es in der Dahlener Heide viele Wanderwege gibt, war mir bekannt. Selbst hatte ich mich hier jedoch noch nicht hingewagt. Mit einem Orientierungssinn von etwa null hatte ich mich nicht getraut. Den Satz „Da können Sie sich gar nicht verlaufen“, betrachte ich eher skeptisch. Selbst das habe ich bereits geschafft. Und nicht nur einmal. So beschlossen ich und mein Partner Maik zur Sicherheit jemanden mitzunehmen, der die Wege in der Dahlener Heide wie die eigene Westentasche kennt. Renate lebt schon ihr halbes Leben in Schmannewitz. Sie zog 1990 hierher und kennt sich bestens aus.

Sonntag um 14 Uhr. Wir schnappen uns jeder unseren Hund – als moralische Unterstützung – und ziehen los. Start ist Schmannewitz, Parkweg 1, direkt am unteren Parkplatz der Kuranlage. Straffen Schrittes ging es voran. Wir lassen das Waldbad rechts neben uns liegen. „Auch früher wurde hier schon gebadet. Damals gab es natürlich noch keine Rutsche, dafür viele kleine Holzhütten, in denen man sich umziehen konnte“, verrät Renate, bleibt jedoch nicht stehen. Wir haben immerhin noch einiges an Weg zurückzulegen. Denn unser Ziel ist die Jägereiche. Es ist herrlichstes Wetter, daher kommen uns auch viele Radfahrer, Wanderer und Jogger entgegen. Doch ansonsten ist es still im Wald. Wir laufen an einer eingezäunten Wiese vorbei, mit vielen kleinen Bäumchen, die Schutz bieten sollten. Als ich mir das etwas genauer ansehen will, erfahre ich, dass es sich um eine „Kinderstube und Heimstatt der Wildtiere“ handelt. Die Anlage aus speziellen Äsungs- und Deckungspflanzen wurde zum Erhalt und nachhaltigen Nutzen unserer heimischen Tierwelt angelegt, ist zu lesen – und eine Bitte um Ruhe. So schleiche ich zu meinen Wandergefährten zurück und folge weiter dem Weg.

Infotafeln über Tiere in der Heide

Dieser führt uns zu „Brehms Ruhe“, einem großen Gedenkstein, umrahmt von Sitzbänken. „Dr. Alfred Brehm gilt als Tiervater, der auch Schmannewitz besuchte. Er wurde durch seine Vorträge und durch sein ‚Illustriertes Tierleben’ in mehreren Bänden bekannt“, erklärt Renate und weist auf eine Infotafel hin. Die Erinnerungsstätte wurde im Jahr 1934, anlässlich des 50. Todestages des Zoologen, Weltreisenden und Schriftstellers Alfred Brehm eingeweiht. Zuvor stand hier eine 1910 errichtete Rastbank mit einem Holzschild „Brehms Ruhe“.

 Wilde Beeren in der Heide

Wilde Beeren in der Heide

Quelle: Dirk Hunger

„Brehm kam als Waidgenosse und als Jagdgast des Schmannewitzer Jagdpächters Graupner nach Schmannewitz. […] Die Jahre 1859 bis 1862 sind zu den gelegentlichen Aufenthalten in Schmannewitz einzuordnen. Brehm als ‚Begründer der Sommerfrische Schmannewitz‘ darzustellen ist sicher übertrieben. Tatsache jedoch ist, dass Tiervater Alfred Edmund Brehm in der Oberheide weilte“, heißt es auf der Schautafel. Diese Stelle ist jedoch nur eines der vielen Wanderziele in der Dahlener Heide. An 14 dieser Ziele sind Holzkästen oder Infotafeln zu heimischen Tieren angebracht. Bei „Brehms Ruhe“ geht es um Wildschweine.

„Jetzt geht es weiter zur toten Magd“, so Renate. Wir finden ein Grab mit Blumen darauf, umgeben von einer riesigen Hecke mitten im Wald. Hier soll, nach mündlicher Überlieferung, eine Magd vom Blitz erschlagen worden sein. Bis nach 1990 sollen Vorübergehende hier einen Zweig zum Gedenken niedergelegt haben. Ich entdecke an dieser Stelle ein Schild über die Ameise. Nach all den Informationen genießen wir weiter die Natur und die eigenartigsten Formen der Bäume.

Kurfürstliche Jagd

Wir bleiben an einer H-Buche stehen. „Davon gibt es nur etwa zwei bis drei in der Dahlener Heide“, sagt Renate. Die Erklärung dafür hat Helmut Darnstätt ausführlich in einem Schild vor der Buche geschildert. „Die tote Altbuche ist mit ihrer Tochter verwachsen.“ Er hofft, dass diese als „Schauobjekte“ weiterhin geduldet werden und möglichst lange Bestand haben. Sein Fazit: „Auch Bäume sind über den Tod hinaus verbunden.“ Vorbei an kleinen Bächlein, den unterschiedlichsten Bäumen und vielen Geschichten über den Wald, die Tieren und die Natur gelangen wir nach etwa zwei Stunden schließlich an unser Ziel: die Jägereiche – mitten im Zentrum der Dahlener Heide an einer Sechs-Wege-Spinne.

 Miteinander verwachsene Bäume

Miteinander verwachsene Bäume.

Quelle: privat

Ein großer Pfahl steht hier, mit großer Inschrift. Es wird angenommen, dass einst eine alte Traubeneiche an genau dieser Stelle gestanden hat, welche dem Flurstück den Namen „An der Jeger Eychen“ gab. „Auf Grund der zentralen Lage im Waldgebiet wurde dieser Punkt von Jägern und Holzfällern als Treffpunkt gewählt. Zur Erinnerung und Huldigung des sächsischen Kurfürsten und König von Polen Friedrich August wurde 1763 nach der letzten Hofjagd eine Gedenksäule errichtet. Reste dieser Originalsäule befinden sich in der Dorfkirche zu Sitzenroda. Die spätere Nachbildung wurde nach 1945 von Dahlener Heimatfreunden geborgen und befindet sich im Heimatmuseum in Dahlen“, hieß es.

Pause in der Holzhütte

Eine kleine Holzhütte lädt zu einer kurzen Pause ein. Hier entdecke ich die Information über den Dachs. Zusammen mit einigen Hinweisen über das Verhalten bei einem Waldbesuch, die die Fragen beantworten, was man aus dem Wald mitnehmen darf, was nicht erlaubt ist, dass man mit offenen Augen durch den Wald gehen soll. Und für mich das Wichtigste: Dass man seinen Müll wieder mitnehmen soll. Denn auch wir sammeln auf dem Weg durch die Dahlener Heide immer wieder Tüten, Flaschen oder Angelsehnen unterwegs auf. Wir sind am Wegweiser „Stuhlweg“. Wo soll es nun zurückgehen? Vieles wäre noch zu besichtigen. So zum Beispiel die sieben steinernen Zwerge oder auch die Dahlequelle. Doch wir laufen nun in Richtung des Naturlehrpfades. Schon vorher entdecken wir einen Pilz, der sich als giftiger Frühlingslorchel entpuppt. „Heutzutage ist der Pilz nicht mehr essbar. In den 70er Jahren wurde er noch verzehrt. Heute jedoch gilt er als tödlich giftig“, berichtet uns der Tauraer Pilzexperte Philipp Anders später nach Rücksprache. Welche Pilze essbar sind und welche nicht, lesen wir aber auch auf den großen Tafeln am Lehrpfad. „Dieser wird zur Zeit Stück für Stück erneuert“, verrät Renate. Hier am Lehrpfad sind zudem die Kinder der Kindertagesstätte „Heidezwerge“ oft anzutreffen. Sie bauen ein Tipi, ein Indianerzelt.

Wilde Heidelbeeren und Wildtier-Spuren

Am Lehrpfad bekommen wir aber nicht nur Informationen über Pflanzen, Pilze und Tiere, sondern können diese selber sehen und – zumindest die Tiere – auch hören. Neben einer Raupe, die unseren Weg kreuzt, lauschen wir dem Kuckuck, einem Specht und können auch einige Spuren von Wildtieren entdecken. Ein Glück, dass ich mit Naturliebhabern unterwegs bin, die auch mal auf Dinge hinweisen, die mir entgehen würden. Doch wenn man sich genügend Zeit nimmt, die Augen und Ohren aufhält, bietet das Fleckchen Erde vieles zu entdecken. Wie die Waldheidelbeeren, die sich hier nun nach und nach wieder ausbreiten. „Lange Zeit waren nur wenige zu sehen. Früher gab es viele. Die Frauen aus dem Dorf pflückten sie am Tag, um sie abends zu verkaufen. Doch aufgrund von saurem Regen vor einigen Jahren gab es kaum noch Heidelbeeren“, berichtet Renate.

Nach vier Stunden und knapp 16 Kilometern tun Maik und mir dann die Füße schon etwas weh. Renate hingegen ist fit. Sie schaffe die Strecke sonst in zwei Stunden, sagt sie.

Von Kristin Engel

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