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Oschatz Auf der Walz: Koch Eddie arbeitet als Fleischer in Wermsdorf
Region Oschatz Auf der Walz: Koch Eddie arbeitet als Fleischer in Wermsdorf
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15:50 30.11.2016
Bei Dirk Neumeister (rechts) hat Eduard Kirsch aus der Nähe von Simmern eine Anstellung auf Zeit gefunden. Quelle: Foto: Janett Rohnstock
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Wermsdorf

Die erste eigene Wohnung, Urlaub ohne die Eltern, ein Jahr im Ausland – das sind die Abenteuer, die viele junge Menschen erleben. Doch von den Großvätern kennt man vielleicht noch die Geschichten über junge Handwerker, die auf die Walz gehen und jahrelang keinen Fuß in ihre Heimatstadt setzen dürfen. „Als ich meiner Mutter erzählt habe, was ich plane, dachte sie zuerst, ich will in eine Sekte eintreten“, erinnert sich Eduard Kirsch aus der Nähe von Simmern. Seine Mutter stammt aus Russland und ihr war dieser Brauch anscheinend unbekannt. Eddie, wie er von Freunden genannt wird, arbeitete bereits seit Jahren in der Schweiz als Koch und haderte mit seinem Job und den Plänen für die Zukunft, als er auf eine Gruppe junger Gesellen traf, die auf der Walz waren. Plötzlich eröffneten sich vollkommen neue Möglichkeiten für den jungen Mann und das Abenteuer konnte beginnen.

Kalte Hände im Kühlhaus

Aktuell ist Eddie in Wermsdorf beschäftigt. „Durch einen ehemaligen Küchenchef war ich schon ein paar Mal hier in Wermsdorf und es hat sich ergeben, dass ich hier in der Fleischerei Neumeister arbeiten darf“. Ein Koch wurde hier allerdings nicht gebraucht. „Für mich als Koch ist es super, einmal in das Handwerk eines Fleischers rein zu schnuppern. So kann man die Stücken Fleisch, die man zubereitet, ganz ander schätzen und auch beurteilen“, so Eddie. Ganz so einfach ist es aber nicht für den Koch, der die wohlige Wärme seiner Küche gewohnt ist, im Kühlhaus tätig zu sein. „Ihm ist immer kalt und er fand die eisigen Hände schrecklich in den ersten Tagen“, erinnert sich sein Chef Dirk Neumeister. „Neumi“ und „Eddi“ verstehen sich prächtig.

Für den Fleischermeister sind die Geschichten des 28-jährigen eine gute Abwechslung zum Arbeitsalltag. Lange bleibt Eddie an keinem Ort. „Ich habe mir vorgenommen, den Winter in den Bergen zu verbringen und im Frühling würde ich gern bis nach Schweden reisen.“ Grenzen sind den Wandergesellen nicht gesetzt. „Wir könnten uns rein theoretisch weltweit bewegen. Nur dem eigenen Wohnort dürfen wir uns nicht weiter als 50 Kilometer nähern.“ In Zeiten von Smartphones scheint das nicht ganz so schlimm, doch diese sind verboten. „Wir dürfen auch mal das Telefon eines Anderen nutzen, selbst aber keins besitzen, das ist doch eh Teufelszeug“, erklärt der Koch zwinkernd. Und das sind nur einige der strengen Regeln. Generell ist es der Kodex der Gesellen, sich überall so zu verhalten, dass der nächste Geselle keine Unannehmlichkeiten erdulden muss – man ist „löblich und ehrbar“. Auch die Kleidung ist ein fester Bestandteil dieses Kodex. Die Tracht gleicht zwar auf den ersten Blick der von Zimmerleuten, doch jede Zunft unterscheidet sich von der anderen mit feinen Details. „Ich trage Kleidung mit Pepita-Muster. Das sieht man aktuell an meinem Kragen. Meine erste Hose ist bereits verschlissen und ich trage erst einmal eine einfache, bis ich eine neue habe.“ Die Kluft ist das Zuhause eines Gesellen. „Ich kann blind in meiner Jacke alles finden, was ich brauche. Jede Tasche hat ihre Funktion und ich weiß immer genau, wo sich was befindet.“ Jacke, Hose und Weste – die eigene Wohnung am Körper. Viel Gepäck braucht ein Geselle eh nicht. Man ist ja schließlich nicht im Urlaub, sondern auf „Bildungsreise“.

Weihnachten mit befreundeten Gesellen

Zwischen den Arbeitsstellen gibt es für die Gesellen der verschiedenen Zünfte auch die Möglichkeit, sich zu treffen. „Im Sommer war ein großes Treffen in Greifswald und die Weihnachtsfeiertage verbringe ich auch mit befreundeten Gesellen.“ Bei einem Treffen in Singen entstand auch sein Markenzeichen. „Die Gesellen der Metallberufe haben verschiedene Workshops organisiert. Da hatte ich dann die Gelegenheit, mir selbst ein Schmuckstück zu schmieden.“ Entstanden ist eine kleine Bratpfanne, die er stolz in seinem linken Ohr trägt.

Jeden Tag ein neues Abenteuer und etwas Neues lernen. „Drei Schweine, drei Ziegen und eine Kuh habe ich nun schon mit geschlachtet“, blickt Eddie auf die vergangenen Tage zurück. Dabei wird es allerdings nicht bleiben. „Ich komme bestimmt wieder!“

Von Janett Petermann

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