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Aus dem Leben der Mügelner Fuhrleute

Aus dem Leben der Mügelner Fuhrleute

Es ist schon sehr lange her, als schwerbeladene und von Pferden gezogene Lastfuhrwerke durch die Straßen unserer Dörfer und Städte knarrten und zum Beispiel die Hohenleipischen Topfhändler ihre Einmachtöpfe von Ort zu Ort verhökerten oder mit süßer Frucht die Preiselbeerhändler aus dem Erzgebirge sowie die Heidelbeerhändler aus der Dahlener und Dübener Heide ihre Ware feilboten.

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Diese Mügelner Postkarte stammt aus dem Jahr 1914 und zeigt die Hackstraße. Repro: Siegfried Nowak

Region. Das war immer ein großes Ereignis, besonders für die Kinder. Ihre allzu großen Wünsche mussten die Muttis bremsen, denn die Pfennige waren knapp. Davon erfahren wir beim Lesen eines Beitrages von Fritz Thomas aus dem Jahre 1969 im Heimatkalender, in dem er sich mit den früheren Landstraßen, dem Straßenverkehr und insbesondere mit den Fuhrleuten aus Mügelner Sicht beschäftigt.

Nach seinen Feststellungen gab es vor 160 Jahren im ehemaligen Königreich Sachsen 25 Hauptstraßen und noch mehr Verbindungs-Chausseen mit einer Gesamtlänge von 337 Postmeilen (2530 km). Im Straßenbau galt Sachsen als Vorbild. Die heutige B6 mit 15,2 Postmeilen von Dresden über Meißen-Oschatz-Wurzen nach Leipzig folgte zum Teil einem alten Ost-West-Straßenzug, der "Hohen Straße" (via regia = Königsstraße), die aus Russland über Polen, Bautzen, Großenhain kommend, in Seerhausen einmündete. Bei Boritz beziehungsweise. Merschwitz war die Elbefurt mit Fähre. Die andere Verbindung zwischen Leipzig und Dresden verlief mit 16,2 Postmeilen über Grimma-Waldheim-Nossen. Die alte Salzstraße oder "Niedere Straße" Halle-Wurzen-Dahlen-Lampertswalde-Liebschütz überquerte die Elbefurt Strehla in Richtung Großenhain.

Ein weiterer wichtiger Straßenzug, der unseren Bereich querte, war der von Leipzig über Grimma-Mutzschen -Mügeln-Hohenwussen-Lommatzsch- Zehren. Die an den Straßen gelegenen Städte profitierten vom Verkehr. Sie erhielten besondere Vorrechte in Gestalt des Wege- oder Pflastergeldes. Es gab 220 Einnahmestellen - die so genannten Chausseehäuser. Nicht nur der Fuhrmann, auch die Schiebockfahrer, Viehtreiber - alles, was die Schranke des Chausseehauses passierte, musste den vorgeschriebenen Obolus entrichten. 1820 beispielsweise wurden in Sachsen damit über 200 000 Taler kassiert.

Die Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Leipzig-Dresden 1839 sorgte mit dem Dampfross als neuem Konkurrenten für einen sprunghaften Rückgang des bisherigen Straßenverkehrs, worunter auch die Postkutschen zu leiden hatten. Nachdem in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts das Großbahnnetz mit den anschließenden Kleinbahnstrecken nahezu vollendet war, verschwinden schließlich fast völlig die Frachtfuhrwerke und Postkutschen. Die den Hauptsteuerämtern unterstellten Chausseegeldeinnahmen (Lonnewitz und Oschatz) schließen am 31. Dezember 1885 ihren Dienstbetrieb. An den Wirtshäusern verschwanden allmählich die angebrachten Futtergrippen und die Tränken, stattdessen entstanden Parkplätze für benzingetriebene Fernlastfahrzeuge. Zu den einst größten Mügelner Fuhrunternehmungen gehörten die von Klingner und Leibnitz. Carl Leibnitz betrieb sein Geschäft in der Bahnhofsstraße. Er realisierte Bahnspedition, Möbeltransport und Personenbeförderung per Landauer oder Kutsche.

Schon 1911 wurde ein "Benz" für den Taxibetrieb angeschafft. Es war nach Kleeberg (Vorgänger von Rammer) und Dr. Weber das dritte Auto in Mügeln. Nach dem Ersten Weltkrieg lief dann ein Lastzug und die Kutscher, darunter Herr Richter, schulten von zwei PS auf das Vielfache um. Volkstümlich war Franz Klingner in der Wermsdorfer Straße, dessen imposante Gestalt das Sinnbild eines Fuhrmannes von echtem Schrot und Korn verkörperte. Regelmäßige Frachttrans- porte nach Dresden und nach Leipzig, wo im "Lämmchen" in der Dresdener Straße übernachtet wurde und Möbeltransporte, vor allem bei Versetzungen von Beamten und Lehrern, waren sein Geschäft. Gegründet wurde es von seinem Vater vor fast 140 Jahren.

Er war durch unglückliche Umstände beim Hufbeschlag eines Pferdes ums Leben gekommen. Am Mühlgraben des Hasenbaches, gegenüber der ehemaligen Schmiede von Kubasch, spannte Arthur Risse seine Pferde an, überprüfte nochmals das Schleifzeug, Sturmlaterne und Hemmschuh. Die Genannten wechselten sich im Winter mit dem Schneepflugfahren ab, bzw. fuhren Steine an die Staatsstraßen, wo im Winter arbeitslose Bauarbeiter diese zu Schotter zerkleinerten.

1911 kam es zum Abriss der Hasenmühle, wo Möllers ihr Geschäft mit Landprodukten betrieben. Dort stehen heute die Sembdnerhäuser. Möllers, später ihr Schwiegersohn Winkler, fuhren regelmäßig in die Leipziger Großmarkthalle. Wenn in Kühren ein Pferd die Kolik bekam, musste schnell auf die Bahn umgefrachtet werden. Ebenso betrieb Butter-Burkhardt am Altmarkt sein Geschäft. Botenware wurde mitgenommen, wohl auch einmal ein Handwerksbursche oder wandernder Geselle.

Nach Oschatz fuhr Frau Hofmann aus dem Hack, die mit ihrem Eselsgespann die Wünsche ihrer Kunden prompt erledigte. Auch sah man ab und zu einen Handelsmann mit dem Schiebock kommen. Es gab sogar noch vor 110 Jahren Butterfrauen, die mit dem Schiebock wöchentlich einmal nach Dresden fuhren. In den Dörfern gab es die Botenfrauen, die mit der Kiepe zu den Wochenmärkten nach Oschatz und Mügeln wanderten.

Fortsetzung folgt Siegfried Nowak

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