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Oschatz Aus für Geburtshilfe: Oschatzer Hebammen arbeiten jetzt frei
Region Oschatz Aus für Geburtshilfe: Oschatzer Hebammen arbeiten jetzt frei
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09:11 09.12.2016
Emma Fleur Fischer wurde am 11.Dezember.2015 als letztes Kind in der „Collm Klinik“ geboren. Quelle: Dirk Hunger
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Oschatz

Mitte September 2015 herrschte noch Feierstimmung in der Collm Klinik. Im Thomas-Müntzer-Haus blickte man mit vielen Gästen auf 120 Jahre Krankenhaus in Oschatz zurück. Doch ein Hauch von Veränderung wehte an diesem Abend bereits durch einige Festreden. Stefan Härtel, der den Anteilseigner Asklepios im Aufsichtsrat der Klinik vertritt, sagte dort, dass unzählige Gesundheitsreformen die Klinik in den vergangenen Jahren ereilt hätten. Bei der neuesten werde die Qualität in den Mittelpunkt gerückt. „Diese steht aber im Zusammenhang mit Mindestmengen an Behandlungen und Operationen“, legte er den Finger in die Wunde.

Solche Mindestmengen, in denen das Personal routiniert agiert und fachlich sowie technisch für alle Fälle gerüstet ist– oder darin investiert werden kann – waren in der Geburtenhilfe nicht mehr gegeben. Nach dem Absinken der Geburtenzahlen nach 1990 wurde 1999 mit 441 geborenen Kindern eine Art „Zwischenhoch“ erreicht. Im Jahr 2005 lag diese Zahl bei 395 und 2014 waren es 270 Geburten.

Die Konsequenz war die Fortsetzung eines Konzentrationsprozesses, vom dem Oschatz einst profitiert hatte. Noch bis 1962 gab es eine Geburtenstation in Dahlen. Mügelner konnten bis 1963 in ihrer Heimatstadt das Licht der Welt erblicken. Zwölf Jahre später wurden die Geburtenstationen von Wermsdorf und Oschatz in Oschatz zusammengelegt. Ursprünglich war die Schließung der Oschatzer Geburtshilfe für den 31. Dezember 2015 angekündigt worden. Tatsächlich kam dieser Einschnitt etwas früher. „Der letzte Termin zur Aufnahme von Schwangeren ist am Freitag, dem 11. Dezember, um 14 Uhr“, teilte Klinik-Leiterin Sabine Trudel damals mit. Als Grund wurden unter anderem geringe Geburtenzahlen, Routineverlust und Personalprobleme angeführt: Von zehn Hebammen hätten zu diesem Zeitpunkt nur vier Dienst tun können. Die anderen seien im Mutterschutz, in Elternzeit, im Studium und krank. Mit vier Hebammen sei es aber einfach nicht möglich, einen 24-Stunden-Dienst abzusichern.

„Ich betreue viele Schwangere, die nun in Wurzen entbinden“, berichtet Hebamme Anke Hübel, die einst in Oschatz tätig war und heute freiberuflich arbeitet. Den Trend zu Wurzen könne sie deshalb feststellen, weil sie in Dahlen wohnt und viele Frauen aus dieser Region auf dem Weg zur Entbindung begleitet. In anderen Regionen des Altkreises Oschatz entscheide man sich eher für eine Geburt in Riesa, Torgau oder Leisnig – Dresden und Leipzig seien die Ausnahme.

„Wir waren ein gutes Team“, sagt Anke Hübel über die Hebammen, die an der Collm Klinik gearbeitet haben. Die ehemaligen Kolleginnen, die alle ihrem Beruf treu geblieben seien, würden sich nach wie vor untereinander abstimmen. Das sei besonders dann nötig, wenn einige Hebammen in besonders geburtenstarken Monaten an ihre Kapazitätsgrenzen stießen.

„Als Freiberuflerin bin ich vor allem in der Vorsorge und unmittelbaren Geburtsvorbereitung tätig, gegebenenfalls auch bei Hausgeburten“, erläutert Anke Hübel. Die Geburten seien für Freiberuflerinnen aber wegen der hohen Versicherungsbeiträge nach wie vor ein Problem. Trotz der Veränderungen am Oschatzer Krankenhaus stehen Anke Hübel und ihre ehemaligen Kolleginnen den werdenden Müttern mit Rat und Tat zur Seite. „Ein neuer Beruf stand für mich nicht zur Debatte“, betont Anke Hübel.

Das gilt auch für Christin Scherf. Sie habe sich nicht seit 2004 dreimal um diese Ausbildung beworben und 2012 endlich den Abschluss machen können, um diesen schönen Beruf nun aufzugeben. Derzeit pendele sie mehrmals pro Woche nach Meißen. Sie pausiere jetzt mit ihrer Freiberuflichkeit, weil sie selbst 2015 – noch in Oschatz – Mama geworden war. Aber sie möchte wieder zu diesem Status zurück – trotz der Probleme, wie den hohen Versicherungsprämien. „Die Freiberuflichkeit bietet das Maß an freier Zeiteinteilung, dass bei den werdenden Müttern Vertrauen weckt und zu einem Gefühl der Geborgenheit führt“, betont Christin Scherf. Große Häuser und kurze Wege sind aus ihrer Sicht nicht die wichtigsten Entscheidungskriterien für junge Eltern. „Eine Geburt ist für eine Familie ein seltenes, wenn nicht gar einmaliges Erlebnis. Das soll dort passieren, wo man sich wohl fühlt – und das war in Oschatz einfach so“, unterstreicht sie.

Von Axel Kaminski

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