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Oschatz Aus für letzte Drogerie in Oschatz
Region Oschatz Aus für letzte Drogerie in Oschatz
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16:48 16.05.2014
Nathke's Drogenhaus am Altmarkt 28. Im Jahr 1936 wird das Geschäft an seinen heutigen Sitz in der Altoschatzer Straße verlegt. Quelle: Privat

Ab Juni können die Oschatzer Drogerieartikel nur noch in einer Filiale der Rossmann-Kette in der Nossener Straße und in den Einkaufsmärkten erwerben.

Ihre Blütezeit hatten die Drogerien in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Als Max Nathke am 10. Oktober 1911 sein Geschäft am Altmarkt 28 eröffnete, beschäftigte er bis zu zwölf Angestellte und bildete Lehrlinge zu Drogisten aus. Einen Rückschlag brachte der Zweite Weltkrieg für die Drogerien. Nach Kriegsende herrschte Mangelwirtschaft. "Der Warenbezug war streng geregelt. Und es konnten nicht alle Bedürfnisse und Anfragen der Kunden in den Anfangsjahren nach Kriegsende erfüllt werden", weiß Maria Neumann, die Enkelin des Firmengründers. Doch Nathkes wussten sich zu helfen: Das Fleckenwasser Nathkenol, Schuhcreme, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Bohnerwachs stellten sie selbst her.

Nach der Wende folgte der zweite Rückschlag. Große Drogerieketten starteten einen harten Verdrängungswettbewerb. Von vier inhabergeführten Drogerien, die es in Oschatz 1990 gab, ist heute nur noch Nathke übrig geblieben. Franke und Müller in der Lutherstraße sowie Naumann am Altmarkt mussten schon eher aufgeben.

Die Enkelinnen des Firmengründers Max Nathke - Maria Neumann und Christa Kessler - führen das Geschäft in der Altoschatzer Straße seit 1990. Altershalber schließen sie nun zum 31. Mai für immer. Damit liegen die Nathkes-Nachfahren im Trend. Nach einer Statistik des Verbandes Deutscher Drogisten (VDD) ist die Zahl der Fachdrogerien in Deutschland von 3045 im Jahr 2007 auf 1810 im Jahr 2012 gesunken (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor). "Der Markt hat sich vollkommen gewandelt, und die Inhaber werden älter", nennt Michael Bastian, Referent Berufsausbildung beim VDD, zwei Gründe für diese Entwicklung. Als Dirk Rossmann ab 1972 als Erster eine Drogeriekette aufbaute, begann der schleichende Niedergang der inhabergeführten Drogerien in Westdeutschland. "In Ostdeutschland ist diese Entwicklung nach der Wende noch viel schneller gegangen", hat Bastian beobachtet. Einige der Drogeriefachgeschäfte hätten sich zu Parfümerien oder Reformhäusern gewandelt, andere haben aufgegeben - so wie jetzt die Drogerie Max Nathke.

Frank Hörügel

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