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Oschatz Ausländer krankenhausreif geprügelt: Bewährungsstrafe für zwei Oschatzer
Region Oschatz Ausländer krankenhausreif geprügelt: Bewährungsstrafe für zwei Oschatzer
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15:08 08.06.2017
Quelle: dpa
Oschatz/Leipzig

Ein unerwartet mildes Urteil setzt einen (vorläufigen) Punkt unter die Berufungsverhandlung vor dem Leipziger Schöffengericht. Beide vorbestrafte Oschatzer Angeklagte wurden wieder durch eine Bewährungsstrafe vor dem Gefängnis gerettet. Die 28-jährigen Männer erhielten im vergangenen Sommer vom Torgauer Amtsgericht einmal wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung eine Bewährungsstrafe sowie wegen gefährlicher Körperverletzung acht Monaten Haft (wir berichteten). Sie hatten im Oktober 2015 in einem Oschatzer Biergarten einen Ausländer verbal provoziert. Das schaukelte sich hoch und endete in einem handfesten Gerangel, bei dem gegenseitig Beleidigungen ausgetauscht wurden und Flaschen flogen. Eine davon verletzte einen Ausländer an der Stirn.

Zeuge von Polizisten eskortiert

Die Vorsitzende Richterin Gabriela Walburg, die beiden Schöffen, die zwei Oschatzer Anwälte Rainer Horbas und Grit Wetzig, die die Angeklagten vertreten, und Mandy Pallme die Nebenklage sowie Staatsanwalt Manuel Rothe bemühen sich intensiv, den Fall zu klären. Dazu hatten sie nochmals einen Zeugen geladen, der das erste Mal nicht erschienen war. Richterin Walburg verhängte dafür 100 Euro Strafe beziehungsweise zwei Tage Ordnungshaft. Um sicher zu gehen, dass er diesmal der Aufforderung nachkam, wurde der 23-Jährige von zwei Polizeibeamten eskoriert.

Der junge Mann, der zu diesem Zeitpunkt in der Gaststätte gearbeitet hatte, sagte aus, dass er schlichten wollte. Er habe die Angeklagten und auch das Opfer weggeschoben. Es habe sich angedeutet, dass der Streit eskalieren könnte. Aber wer die Flasche geworfen hat, habe er nicht gesehen. Vieles wisse er nicht mehr, es sei zu lange her.

Weil er den ersten Termin vergessen habe, wie er sagte, entschied die Richterin, das Strafgeld auf 50 Euro zu reduzieren. Allerdings dem Wunsch, mit der Polizei wieder nach Oschatz zurück zu fahren, wurde nicht stattgegeben.

Angeklagte standen unter Alkoholeinfluss

Die Polizeibeamtin, die zuerst mit am Tatort war, mit einem Kollegen Befragungen durchgeführt und Spuren gesichert hatte, zeigte dem Gericht Glasscherben vom Ort des Geschehens aus der Asservatenkammer. Weiter brachte das die Beweisaufnahme jedoch nicht. Laut der Polizistin hatte der Alkomat bei den Angeklagten an dem besagten Abend einmal 1,26 und bei dem anderen 1,36 Promille angezeigt.

Doch die Hauptsache bleibt im Dunkeln: Es konnte nicht nachgewiesen werden, wer die Flasche geworfen hatte, die den ausländischen Gast in dem Lokal verletzte. Das Opfer war der Verhandlung fern geblieben. Es ist zu vermuten, dass er zu viel Angst hatte.

In den Schlussanträgen plädierten die Verteidiger Horbas und Wetzig auf Freispruch. Der Hauptgrund: Es sei nicht geklärt, wer die Flasche geworfen hat. Die Vertreterin der Nebenklage Mandy Pallme sah den Straftatbestand „Gemeinschaftliche Körperverletzung“ jedoch als erfüllt an.

Es schien so, als würde Staatsanwalt Manuel Rothe der Kragen platzen. „Es ist unstrittig, dass ein Streitgespräch eskaliert ist, und es ist gut, dass das Video existiert.“ Das Beweismittel gebe einen untrüglichen Eindruck von der Situation. Ja, auch das Opfer sei beteiligt gewesen. Aber die Provokation sei von den Angeklagten ausgegangen. Außerdem könne es nicht sein, bei dem Beschuldigten, ein drittes Mal trotz Bewährungsbruchs wieder eine Bewährungsstrafe auszusprechen. Schließlich verlange das Strafrecht schon eine Haftstrafe, wenn der Verurteilte beim ersten Mal innerhalb der Bewährungszeit straffällig wird. So beantragte er für die Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in Mittäterschaft einmal acht Monate und einmal ein Jahr und sechs Monate Haft. Damit habe sich sein Leben erledigt, kommentiert der Mann, der eineinhalb Jahre ins Gefängnis soll.

Das Schöffengericht verurteilt die beiden Oschatzer wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung jeweils zu acht Monaten Haft auf zweieinhalb Jahre Bewährung, auf insgesamt 1000 Euro Schmerzensgeld und je 50 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Richterin Walburg begründet das Urteil damit, dass die Angeklagten aus ihren Vorstrafen nichts gelernt hätten und das Gericht der Auffassung der Anklage folgt. Die Männer hätten die aggressive Situation ausgelöst. Zu ihren Gunsten spreche ihre Prognose. „Es war eine schwere Würdigung“, sagte die Richterin gegenüber dem Angeklagten, der bereits vom Torgauer Amtsgericht zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. „Ich lasse noch einmal Nachsicht walten, weil sie einer geregelten Arbeit nachgehen.“

„Wie soll ich denn das mit den Stunden machen, wenn ich arbeiten gehe?“, fragte der andere Verurteilte. Höflich, aber bestimmt antwortet die Richterin, dass man doch frei oder Urlaub hat. „Und am Wochenende kann man auch gemeinnützig arbeiten!“

Von gabi liebegall

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