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Awo-Kreisverband Mulde-Collm: Suche nach Fachkräften immer schwieriger

Arbeitsmarkt Awo-Kreisverband Mulde-Collm: Suche nach Fachkräften immer schwieriger

Fast ein Drittel der 150 Mitarbeiter der Awo Kinderwelt gGmbH gehen in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand. Doch die Nachbesetzung der Stellen ist schwierig. „Alles was ausgebildet wird, wird vom Markt sofort verschluckt“, weiß Kinderwelt-Chefin Kristina Jene. In den anderen beiden Tochterfirmen des Awo-Kreisverbandes sieht es nicht besser aus.

Awo-Altenpflegerin Anika Müller (31) betreut Seniorin Lotte Enge (91) in Bad Lausick. Ein vertrautes Verhältnis untereinander ist hier gegeben. Fachkräfte der Altenpflege sind begehrt.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. 20 Mitarbeiter zählt die Grimmaer Kindertagesstätte „Sonnenschein“. Gleich sechs von ihnen gehen dieses und nächstes Jahr in den Ruhestand. Und die Stellen neu zu besetzen, wird alles andere als ein Kinderspiel.

Die „Sonnenschein“-Einrichtung ist eine von 15 Kitas unterm Dach der Awo Familienzentrum gGmbH. Wie dieses Unternehmen sind auch die anderen beiden Töchter des Kreisverbandes Mulde-Collm der Arbeiterwohlfahrt mittlerweile ständig auf der Suche nach Fachkräften. „Die Situation ist zunehmend akut“, weiß Awo-Kinderwelt-Leiterin Kristina Jene. „Alles was ausgebildet wird, wird vom Markt sofort verschluckt.“ Insofern schaut sie mit Kreisverband-Geschäftsführer Daniel Schippan mit Sorge in die Zukunft.

Beträchtlicher Arbeitgeber

Mit 350 Mitarbeitern ist der Awo-Kreisverband mit Sitz in Grimma einer der größeren Arbeitgeber in den Altkreisen Grimma, Wurzen, Oschatz und Döbeln. Welche Herausforderungen aber die nächste Zeit mit sich bringt, verdeutlicht allein eine Zahl: „Im Kita-Bereich werden uns in den nächsten fünf Jahren aufgrund der Altersstruktur 30 Prozent der Mitarbeiter verlassen“, so Schippan. Doch der Arbeitsmarkt im Bereich der Fachkräfte sei angespannt, vor allem im ländlichen Raum. Es werde schwer, die Lücken zu füllen.

Daniel Schippan, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Mulde-Collm

Daniel Schippan, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Mulde-Collm

Quelle: Frank Prenzel

Jetzt rächt sich, wie nach der Wende durch den Geburtenknick Personal in den Kindereinrichtungen abgebaut wurde. Wegen der Sozialauswahl mussten damals die jungen Fachkräfte gehen, so dass es auch bei der Awo eine ungesunde Personalstruktur gibt. Die, die vor dem Ruhestand stehen, sind nun in den nächsten Jahren zu ersetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Betreuungsschlüssel für die Kitas Krankheits-, Urlaubs- und Weiterbildungstage nicht berücksichtigt. „Das drückt zusätzlich auf die Personalsituation“, sagt Schippan, der im Kita-Bereich aktuell fünf Stellen nicht besetzen kann. Meist dauere es längere Zeit, ehe eine neue Erzieherin vor den Kindern steht. „Der Markt ist aktuell leer gefegt“, so Schippan, der auch Geschäftsführer aller drei Tochterfirmen des Verbandes ist.

Die Awo tritt inzwischen verstärkt an Schulen heran, um sich bekannt zu machen und die Vielfalt der Arbeit darzustellen. So sollen potenzielle Bewerber interessiert werden. Künftige Erzieherinnen, die noch in der Ausbildung stecken und im Juli als anerkannte Erzieherin beginnen, werden schon jetzt mit einem Arbeitsvertrag gebunden. „Wir unterstützen auch Quereinsteiger aus artverwandten Berufen“, sagt Kristina Jene. Während der Ausbildung würden sie bei der Kinderwelt gGmbH angestellt.

Bei der Awo Pflege- und Betreuungs gGmbH ist die Situation vergleichbar. Mehrere Pflege- und Pflegefachkräfte stehen vor dem Eintritt ins Rentenalter, auch wenn es hier laut Schippan „eine bessere Altersdurchmischung“ beim Personal gibt. Der Geschäftsführer ist zwar optimistisch, den Personalbestand zu halten, doch ihn beschäftigt ein weiteres demografisches Problem: Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Diesen Bedarf abzudecken, werde die Herausforderung der kommenden Jahre.

Der Arbeitsmarkt in der Pflegebranche ist hart umkämpft. „Wir konnten einige Mitarbeiter von privaten Pflegediensten gewinnen“, verrät Schippan. Der Grund liegt wohl auch in einigen Vorteilen, die die Awo ihren Pflegern und Betreuern dank der Kostenträger anbieten kann. Zum einen gibt es seit Oktober einen Zuschuss zur Kinderbetreuung. Der reicht bis zu 100 Euro im Monat. Zum anderen wurde für die 150 Mitarbeiter dieser Awo-Tochter letztes Weihnachten die sogenannte Ticket-Card für steuerfreie Sachbezüge eingeführt. Die kann beim Tanken, im Supermarkt, in der Drogerie oder anderswo eingesetzt werden. Bis zu monatlich 44 Euro landen damit zusätzlich zum Gehalt beim Arbeitnehmer. Mit solchen Boni will der Träger die Mitarbeiter an sich binden. Mehr noch: „Wir sind bestrebt, die Dienstpläne so zu gestalten, dass junge Mütter Arbeit und Kinderbetreuung vereinbaren können“, sagt Schippan.

Auch Sozialpädagogen rar gesät

Bei der Familienzentrum gGmbH ist es vor allem schwierig, Sozialpädagogen zu finden. „Stellen nachzubesetzen, dauert inzwischen zwei bis drei Monate“, erklärt Schippan. Das war vor Jahren noch nicht so, doch der Bedarf an Sozialpädagogen in Kitas und der Ausbau der Schulsozialarbeit verlangt nach mehr Personal. Zwar seien die Studiengänge voll, weiß der Awo-Chef, aber es gebe eben auch mehr Stellen. Die Awo fischt dabei nicht nur in der Region. Der neue sozialpädagogische Leiter im Grimmaer Kinder- und Jugendhaus „Südpol“ ist in Leipzig zu Hause. „Wir räumen die höchstmögliche Flexibilität zur Arbeitszeit-Gestaltung ein und schaffen Möglichkeiten zur Fortbildung“, nennt Schippan Strategien, um gutes Personal ans Unternehmen zu binden.

Unterm Strich ist der Geschäftsführer insofern optimistisch, die Personalprobleme der Zukunft zu lösen. Als Arbeitgeber müsse man einen attraktiven Job anbieten, gefragt sei aber auch die Politik, sagt Schippan. Seine Kinderwelt-Leiterin etwa verweist auf Studien, den Personalschlüssel und die Finanzierung von Kitas in Deutschland zu vereinheitlichen. Weil es in den westlichen Bundesländern im pädagogischen Bereich bessere Bedingungen gibt, würden Fachkräfte immer wieder abwandern.

www.lvz.de/grimma

Awo-Kreisverband Mulde-Collm

Der Kreisverband Mulde-Collm der Arbeiterwohlfahrt mit Sitz in Grimma ist in den Altkreisen Grimma, Wurzen, Oschatz und Döbeln tätig. In den Jahren 2003 bis 2005 wurden drei gemeinnützige GmbH gegründet, in denen insgesamt etwa 350 Mitarbeiter Lohn und Brot finden. Diese drei Gesellschaften spiegeln die Hauptaufgaben des Verbandes wider.

Die Awo Pflege- und Betreuungs gGmbH beschäftigt 150 Mitarbeiter. Sie sind tätig in den fünf Sozialstationen der ambulanten und häuslichen Pflege in Bad Lausick, Colditz, Brandis, Döbeln und Dahlen. Hinzu kommen die Tagespflege und Tagesbetreuung. Die Sozialstationen dienen auch der Beratung der zu Pflegenden und der Angehörigen.

Ebenfalls rund 150 Mitarbeiter sind bei der Awo Kinderwelt gGmbH angestellt. Die Gesellschaft unterhält 15 Kindertagesstätten, in denen etwa 1000 Mädchen und Jungen betreut werden. Neun der Einrichtungen befinden sich im Muldental. In einigen Einrichtungen ist ein Hort integriert. Weiteres Angebot ist der Lernbehindertenhort in Grimma. Derzeit nutzen ihn 35 Kinder der Förderschule im Süden der Muldestadt.

In der 50 Mitarbeiter zählenden Awo Familienzentrum gGmbH sind verschiedene Angebote der Kinder- und Jugendhilfe verortet: offene Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, sozialpädagogische Familienhilfe, ambulante Maßnahmen der Jugend-Gerichtshilfe, Familienbildung und ein Beschäftigungsprojekt. Fünf Kinder- und Jugendhäuser arbeiten unterm Dach dieser Gesellschaft: „Südpol“ und „Fritz“ in Grimma, Nerchau, Bad-Lausick und Brandis.

Von Frank Prenzel

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