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Oschatz Balanceakt zwischen Oschatzer Kirchtürmen
Region Oschatz Balanceakt zwischen Oschatzer Kirchtürmen
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09:21 09.05.2016
Spaziergang zwischen den Kirchtürmen.  Quelle: Dirk Hunger
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Oschatz

 Selbst Bahnreisenden auf der Strecke Leipzig–Dresden blieb am Samstagabend der Mund offen stehen: Zwischen den Doppeltürmern der St. Aegidienkirche balancieren von kurz nach 18 Uhr an zwei Stunden lang wagemutige Gäste. Die Männer und Frauen gehören zum Verein Slacknetz Leipzig und bescheren dem Verein „Rettet St. Aegidien“ zu dessen 25-jährigen Bestehen ein einmaliges Geschenk.

Vom Nord- zum Südturm spannen sie schon nachmittags sogenannte Slacklines – Gurte und Seile zwischen 25 und 35 Millimeter Breite. Ab 15 Uhr ist die oberste Plattform des Südturms deshalb bereits für Besucher der Türmerwohnung gesperrt.

Den Trendsport betreiben Simon Werner (23), Physiotherapeut in Elternzeit, Gymnasiallehrer Ruthger Fritze (29) und Psychologie-Studentin Larissa Rudolph (30) schon seit geraumer Zeit als Hobby, vor zwei Jahren gründeten sie gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten einen Verein in Leipzig, um die Szene besser zu vernetzten. Ein Drittel der 22 Mitglieder wagt in Oschatz etwas, das die Stadt noch nicht gesehen hat – und das auch für die Ausführenden selbst in mehrfacher Hinsicht absolut neu ist.

„Der Balanceakt zwischen den Kirchtürmen ist eine echte Herausforderung für uns. In dieser Höhe haben wir das noch nie gemacht. Dazu kommt, dass es außer den beiden erhöhten Punkten nichts gibt, was um einen herum ist“, sagt Simon Werner. Hinzu komme der öffentlichkeitswirksame Charakter der Aktion. „Normalerweise sind wir unter uns und haben nur selten Publikum“.

Zaungäste gibt es rund um die Kirche reichlich. Rund 300 Menschen sind am Kirchplatz, dem Neumarkt und in den Nebenstraßen, um dem Treiben der Slackliner zuzuschauen. Begleitet werden die Vorbereitungen von nicht zu unterschätzenden Windböen. Die erschweren es Simon Werner auch, seinen ersten Gang zwischen den Türmen zu absolvieren. Als das gelingt, schreit er in den Applaus der Menge weit unter ihm: „Ich taufe dich auf den Namen Oschatz Eleven“. Es ist Tradition, dass jeder Slackliner, der ein gespanntes Seil als erstes betritt, diesem einen Namen gibt. „Oschatz Eleven“ ist eine spontane Idee, erklärt Werner, als er wieder über die Brüstung geklettert ist. „Eleven“, englisch für elf, steht für die elf Meter Distanz zwischen den Türmen, ferner für den Filmtitel „Oceans Eleven“.

Immer wieder schrillen im Vorfeld der Veranstaltung in der Türmerwohnung und der Oschatz-Information das Telefon – Anrufer fragen, ob das Spektakel tatsächlich stattfindet. Um 17 Uhr verkündet Ruthger Fritze schließlich: „Wir ziehen das jetzt durch – trotz oder gerade wegen der erschwerten Bedingungen.“ Die Bemühungen der Slackliner werden von unten teils mit „Wahnsinn“ kommentiert. „Das ist künftig die Aufnahmeprüfung für unsere ehrenamtlichen Türmer“, scherzt dagegen Lutz Naake aus Thalheim.

Neben ihrer Ausrüstung brauchen die jungen Sportler in gut 60 Metern Höhe noch das ein oder andere zusätzliche Werkzeug oder Utensil. So borgen sie sich aus Rocco Eichlers Schumacherwerkstatt kurzerhand eine Zange, um die Schrauben der Gittertüren auf der oberen Aussichtsplattform zu lösen. „Wir wollen sie aushängen, um unsere Lines ideal zu spannen“, erklärte Simon Werner den Hintergrund. Da sich die Schrauben allerdings nicht lösen lassen, muss hier genau so improvisiert werden wie beim zweiten Wunsch: Die Leipziger Slackliner hören während ihrer akrobatischen Arbeit gerne Entspannungsmusik, vorzugsweise Trip Hop. Ein Verlängerungskabel, was Strom bis unter die Sandsteinspitzen bringt, ist aber nicht aufzutreiben.

Den Spaß am Sport lassen sich die Akteure davon jedoch nicht verderben. „Es hat alles gepasst, blauer Himmel, wunderbare Aussicht und jede Menge Applaus“, resümiert Larissa Rudolph das Gastspiel in Oschatz, während die Sonne den Horizont berührt und ihre Mitstreiter die Seile lösen. „Wir kommen gerne wieder.“

Von Christian Kunze

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