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Begleitung auf letztem Weg durch Hospizdienst

Begleitung auf letztem Weg durch Hospizdienst

Sanft streichelt sie die warmen Hände der 78-Jährigen. Marika Mahler vom Hospizdienst der Diakonie sitzt am Bett der alten Frau, die im Sterben liegt.

Region Oschatz .

 

Deren Augen sind geschlossen. Das lange weiße Haar, das ansonsten zum Knoten gebunden ist, liegt auf ihren Schultern. Die Hospizmitarbeiterin begleitet sie seit vier Wochen auf diesem, ihrem letzten Weg.

 

Sie erzählt der alten Dame, wie mild doch der diesjährige Winter ausfällt. Leise und doch verständlich schildert sie, dass sich schon Schneeglöckchen sehen lassen. Viel zu früh.

Die Tochter der Sterbenden kommt mit ihrem Mann ins Zimmer. Dielen quietschen, ansonsten nimmt Stille den Raum ein. Dann spürt Marika, dass die 78-Jährige immer ruhiger und flacher atmet. Die Tochter verlässt eilig das Zimmer und kommt wenige Minuten später mit einem kleinen Sträußchen Winterastern wieder.

Es ist 18.43 Uhr, als die Mutter, Schwiegermutter, Oma und Uroma zum letzten Mal ausatmet. Alle drei Anwesenden haben Tränen in den Augen. Die Tochter legt der Mutter die Blumen in die gefalteten Hände und streichelt diese zum letzten Mal.

Jeder geht seinen eigenen Gedanken nach. Tränen fließen. Der Ehemann nimmt seine Frau in den Arm. Sie weint ungehemmt.

Nach der Zeit des Abschiednehmens steht Marika auf und verlässt das Zimmer. Ihre Mission ist hier beendet. Sie verabschiedet sich von den Angehörigen und bietet ihre weitere Unterstützung an: "Wenn Sie Fragen haben oder anderweitig Hilfe brauchen - Sie haben ja meine Telefonnummer. Ich bin gern für Sie da." Beim Wiedersehen-Sagen greift die Frau mit beiden Händen zu und sagt: "Sie waren unserer Mutter und uns eine große Hilfe!"

So und ähnlich erleben das alle Mitstreiter des Oschatzer Hospizdienstes der Diakonie. "Diese Aufgabe erfüllen zurzeit 17 Frauen und ein Mann. 14 künftige Ehrenamtliche befinden sich in der Ausbildung zum Hospizhelfer", erklärt Romy Kuntzsch, die den Hospizdienst 2006 gegründet hat.

In einem Gespräch mit den Mitarbeitern, die ihren Dienst freiwillig absolvieren, wird deutlich, dass jeder für sich einen Grund gefunden hat, anderen Menschen zu helfen, die sich auf ihren letzten Weg machen. Meist haben sie selbst einen lieben Menschen verloren, konnten aber aus verschiedenen Gründen nicht trauern, sie waren allein mit ihrem Schmerz, mit ihrer Ohnmacht.

"Es geht nicht immer darum, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen oder lange Gespräche zu führen. Manchmal reicht es, wenn wir einfach nur da sind", so Romy Kuntzsch.

Nicht nur die Sterbenden sind in dieser Situation auf sich allein gestellt, auch die Angehörigen. Sie nehmen Beistand gern an.

Eine schwere Aufgabe, aber in einem sind sich die Hospiz-Mitarbeiter einig: Es ist die Dankbarkeit der Hinterbliebenen und die Gespräche unter ihresgleichen, aus denen sie Kraft schöpfen.

Zu Beginn ihrer monatlichen Treffen gibt es eine Tradition: Jeder Mitarbeiter, der einen betreuten Menschen verloren hat, brennt für ihn oder sie eine Kerze an und spricht ein paar warmherzige Worte. Darin ist die Nähe zu spüren, die die Mitarbeiter zu den Sterbenden aufbauen konnten. Und der Schimmer der Kerze erleuchtet auch im dunklen Bereich des Abschiednehmens ein Licht der Hoffnung.

Nähe und Distanz - darüber entscheiden die Hospiz-Helfer allein. Eines aber sollte nicht passieren: Dass Distanz oder Nähe zu groß werden. Mit zu großer Entfernung erreichen die Mitarbeiter Herz und Seele der zu betreuenden Person nicht. Zu große Nähe könnte sie und ihre Angehörigen in ihrem Schmerz erdrücken.

 

Hilfesuchende lädt der ambulant tätige ökumenische Hospizdienst jeden Dienstag von 9 bis 16 Uhr und jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr in das Oschatzer Büro im Seniorenpflegeheim der Diakonie, Heinrich-Heine-Straße 5 ein. Telefon: 03435/987 36 16, 0151/17 15 34 63.

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