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Behindertenwerkstatt baut Jagdsitze für den Sachsenforst

Soziales Behindertenwerkstatt baut Jagdsitze für den Sachsenforst

Am Beginn der Zusammenarbeit zwischen dem Sachsenforst und dem Christlichen Sozialwerk (CSW) stand die Anfrage, ob in dessen Werkstatt Insektenhotels gebaut werden könnten. Dazu kam zwar nie, aber man entwickelte gemeinsam das Modell eines Drückjadbockes. Mittlerweile hat das CSW die dritte Ausschreibung für diese jagdlichen Einrichtungen gewonnen.

Gruppenleiter Lutz Kretschmar verlädt mit den Garten- und Landschaftsbauern der Werkstatt des Christlichen Sozialewerkes die Einzelteile, die im Wald zu Jagdeinrichtungen montiert werden.

Quelle: Axel Kaminski

Wermsdorf. Fährt man derzeit an auf der Sachsendorfer Straße aus Wermsdorf heraus, könnte es beinahe passieren, dass man den Flachbau der Werkstatt des Christlichen Sozialwerkes (CSW) vor lauter Holz übersieht. Unmittelbar hinter dem Zaun des Grundstücks stehen einige fertige Produkte. Der Laie würde sie Hoch- oder Ansitze nennen, richtig heißen sie Drückjagdböcke.

Sie werden in der Wermsdorfer Werkstatt nicht nur gefertigt – hier entstanden in Zusammenarbeit mit dem Sachsenforst auch die Baupläne für fünf verschiedene jagdliche Einrichtungen von der Jagdleiter über die Drückjagdböcke bis hin zur überdachten Jagdkanzel. „Gemeinsam haben wir vor elf Jahren das Modell entwickelt und einen Prototypen gebaut“, erläutert Lutz Kretschmar den Einstieg der Werkstatt in die Fertigung von Jagdeinrichtungen. Dann habe man auch den Arbeitsschutzbeauftragten und die Berufsgenossenschaft ins Boot geholt, Schließlich sollen sowohl die Montage als auch die eigentliche Nutzung unfallfrei vonstatten gehen.

Lutz Kretschmar ist stolz darauf, dass man mit den Jagdsitzen einen Materialkreislauf geschaffen hat. Er erläutert: „Das Fichtenholz stammt aus den umliegenden Forstrevieren und wird in Wetitz gesägt.“ Geliefert werde lediglich in den Forstbezirk Leipzig. Das könne zwar bis Anlieferungen bis Schkeuditz oder an die thüringische Landesgrenze bedeuten, sei aber immer noch regional. „Das Fichtenholz wird bei uns nicht behandelt. Es verrottet also wieder im Wald“, betont der Gruppenleiter.

Damit die Drückjagdböcke nicht schon nach wenigen Jahren am Ende des Stoffkreislaufes angekommen sind, habe man noch ein paar Gedanken in den konstruktiven Holzschutz investiert. Die Jagdeinrichtungen würden zum Beispiel so gebaut, das stehendes Wasser als Grund für Fäulnis nahezu ausgeschlossen werden kann. Die Sprossen der Leitern stehen an den Wangen über. Wenn an der Stirnseite der Sprossen die Fäulnis ansetze, seien deshalb die Verbindungen der Leiterelemente noch nicht betroffen. Zudem würden die Drückjagdböcke auf Betonplatten aufgestellt, so dass vom Boden her keine Feuchtigkeit in die Holzkonstruktion aufsteigen könne.

Seit dem Bau des ersten Jagdsitzes vor elf Jahren hat sich diese Produktion zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. „Wir haben uns 2008 erstmals an einer öffentlichen Ausschreibung des Sachsenforstes beteiligt – erfolgreich“, sagt Lutz Kretschmar. Bei der dritten Ausschreibung habe man kürzlich eines der beiden Lose gewonnen. Da der Bieter, der den Zuschlag für das zweite Los erhalten hatte, inzwischen passen musste, übernehme man nun auch diese Aufträge.

Als Glücksfall bezeichnet Werkstattleiterin Monika Kretschmer die Tatsache, dass Lutz Kretschmar gelernter Tischler ist. Außerdem gäbe es in den Reihen der hier Tätigen behinderten Menschen einen gelernten Zimmermann, so dass man diese recht anspruchsvoller Arbeit erfolgreich meistern könne. „Für die Herstellung der Treibjagdböcke haben wir eine Kernmannschaft von drei, vier Leuten“, erklärt der Gruppenleiter. Dazu kämen noch einmal so viele Beschäftigte, die die leichteren Arbeiten erledigen würden. Zur Montage fahren die zwölf Garten- und Landschaftsbauer gemeinsam in die Reviere. Dort würden die Förster die Standorte vorgeben, sie in Karten eintragen.

Mit der Herstellung der Jagdeinrichtungen sei man ganz gut beschäftigt. Nach der Ausschreibung seien 110 Drückjagdsitze pro Jahr zu fertigen – und das über drei Jahre. Allein in diesem Jahr müssten noch 30 Stück gebaut werden. Kapazitäten, die von Sturm Herwart zerstörten Jagdeinrichtungen zu ersetzen, blieben dadurch kaum.

Dass die Werkstatt ihre Produkte vor der Auslieferung auf dem Grundstück lagert, führte auch schon zu Nachfragen durch Privatleute. „Unsere Qualitätsarbeit hat sich mittlerweile bis Markleeberg herumgespochen“, berichtet Lutz Kretschmer. Offenbar funktioniere die Mundpropaganda unter den Waidmännern ganz gut, denn selbst werbe man nicht offensiv um die private Kundschaft

Insgesamt arbeiten in der fast auf den Tag genau vor vier Jahren eröffneten Werkstatt derzeit 83 behinderte Menschen. Neben den Garten- und Landschaftsbauern gibt es die Wäscherei und die Montagegruppen. Diese arbeiten mit einigen Auftraggebern aus der Region teilweise schon seit vielen Jahren zusammen. „Erstmals gab es in diesem Jahr einen Auftrag zum Verpacken von Dresdner Essenzen“, berichtet Monika Kretschmar. Diese seien dann in den Aktionszeiträumen in einer Drogeriemarktkette zu finden.

Von Axel Kaminski

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