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Oschatzer Glasseide schaltet 2018 letzte Glasschmelzwanne ab

Produktion Oschatzer Glasseide schaltet 2018 letzte Glasschmelzwanne ab

Die Oschatzer Glasseide ist eine der wenigen produzieren Unternehmen in der Stadt, die aus der DDR-Zeit in die Marktwirtschaft übergegangen sind. Jetzt wird im Unternehmen umstrukturiert. In Oschatz gehen die Öfen aus, die Glasfaserproduktion wird in die USA verlagert. Die Verarbeitung bleibt und soll ausgebaut werden.

Vor genau zehn Jahren wurde die neue Schmelzwanne mit dem damaligen Wirtschaftsmister Thomas Jurk eingeweiht. Jetzt kommt das Aus.
 

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz.  Das Oschatzer Glasseidenwerk wird 50 Jahre alt – und grundlegend umstruktiert. Mit einem Sommerfest wird am Sonnabend bei der P-D Glasseiden GmbH, einem Unternehmen der P-D FibreGlass Group, gefeiert. Im September 1993 hatte die Preiss-Daimler-Gruppe das traditionsreiche Unternehmen in Oschatz erworben und seitdem fortgeführt. Derzeit beschäftigt das Glasseidenwerk 380 Mitarbeiter. Zwölf junge Leute erhalten zudem eine Ausbildung. Sie alle werden an diesem Tag nicht nur auf bisherige Erfolge anstoßen, sondern auch auf die Zukunft des Werkes. In der P-D-Gruppe plant man eine tiefgreifende Umstrukturierung, soll künftig in Oschatz der Fokus nicht mehr auf der traditionsreichen Produktion von Glasfasern, sondern auf der Weiterverarbeitung liegen.

Nachdem eine der beiden Glasschmelzwannen abgeschaltet und nicht erneuert wurde, entschied sich das Unternehmen nun, die Produktion an der letzten noch arbeitenden Glasschmelzwanne Anfang 2018 einzustellen. Ursprünglich war vorgesehen, in diesen Bereich neu zu investieren. „Wir werden in Oschatz künftig voll auf die Weiterverarbeitung setzen“, erklärte Stefan Jugel, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens. Diese Entscheidung sei vor allem auf Grund der internationalen Wettbewerbssituation erfolgt. Aber auch Rahmenbedingungen bei der Produktion spielten eine Rolle. Dazu gehörten die Energie- und die Energienebenkosten. Die Energiekosten machten derzeit rund 17 Prozent der Unternehmensausgaben aus. Deren Entwicklung sei nicht vorhersehbar. Zudem werde bei der Glasschmelze Energiesicherheit gebraucht, um die Qualitätsparameter zu sichern. Beim Einsatz von Biogas, wie das in Oschatz bei der Schmelze erfolge, schwankten die Brennwerte. In der Unternehmensgruppe sei daher die Entscheidung für den Neubau eines Werkes gefallen.

Der Standort: die USA. Dort, so Jöran Pfuhl, Geschäftsführer Vertrieb, würde einer der größten Wachstumsmärkte in der Branche liegen. Die Marktnähe sei ein Entscheidungskriteium für die Investition gewesen.

In Oschatz soll künftig der Schwerpunkt auf der Weiterverarbeitung liegen. Seit 2009/2010 seien bereits 25 Millionen Euro zum größten Teil in diesen Bereich investiert worden. Weitere würden folgen, beispielsweise, um auch die Matten-Produktion weiter zu forcieren. Hier sei der Oschatzer Produzent europaweit Qualitätsführer. Hier liege Wachstumspotenzial in der Mengenherstellung. Ob in der Elektronik, der Kanal- oder Gebäudesanierung, bei industriellen Anwendungen, im Motorsport und der Fahrzeugindustrie oder in Sport- und Freizeitgeräten, im Transport, bei der Herstellung von Windkraftanlagen oder der textilen Architektur – überall kommen Glasseidengewebe zum Einsatz.

Mit dem Abschalten der letzten Schmelzwanne will die Geschäftsführung im Jahr 2018 bei einer Mitarbeiterzahl von 315 Beschäftigten angekommen sein. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, darüber hatte die Werksleitung bereits im März auf einer Belegschaftsversammlung die Mitarbeiter informiert. Bei der Übernahme des Werkes habe es einen hohen Altersdurchschnitt bei der Belegschaft gegeben. Nun würden viele davon in den Ruhestand eintreten.

Von Bärbel Schumann

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