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Beim Thalheimer Straußenkönig schlüpften 2002 die ersten Küken

Serie: 25 Jahre OAZ Beim Thalheimer Straußenkönig schlüpften 2002 die ersten Küken

Es war ein Risiko, doch es hat geklappt: Der Thalheimer Uwe Joite gründete im Jahr 2002 seine Straußenfarm mit einem Hahn und zwei Hennen. Mittlerweile werden zwischen 60 und 70 Tiere im Jahr aufgezogen, geschlachtet und dann überwiegend in der Region vermarktet.

Uwe Joite mit den flauschigen Straußen-Küken.

Quelle: Foto: Dirk Hunger

Oschatz/Thalheim. Vor 25 Jahren hatten die Leser die erste OAZ in den Händen. Begleitend will die OAZ mit einer Erinnerungs-Serie auf Höhen und Tiefen der vergangenen 25 Jahre zurückblicken. Heute: Die Eröffnung der Straußenfarm Joite im Jahr 2002.

Manche Lebenswege sind oft erst nach Jahren richtig begreifbar, erkennt man mitunter doch erst später, wie richtig Entscheidungen waren. So oder ähnlich muss es auch Uwe Joite, dem Inhaber der Straußenfarm in Thalheim, ergehen. Heute, rund 14 Jahre nach seinem ersten Kauf der exotischen Tiere, ist seine Straußenfarm eine gute Adresse für Feinschmecker und Naturverbundene.

Begonnen hat alles mit dem Erwerb eines großen Grundstücks gleich neben dem Eigenheim der Familie. Das war rund 6000 Quadratmeter groß und verfügte über eine große Halle. Der gelernte Maurer und später als Polier arbeitende Thalheimer suchte nach einer Nutzung für das Areal. „Ich hatte im Radio gehört, dass Strauße in unseren Breiten in einer beheizbaren Halle gut über den Winter kommen könnten“, blickt Joite zurück. Eine solche hatte er, das Gelände obendrein. Und so begab er sich auf Reisen, schaute Straußenfarmen in Österreich und Deutschland, oft auch gemeinsam mit seiner Frau Elke, an.

Aus ersten vagen Ideen wurde schließlich Realität. Nach dem Lehrgang zum Sachkundenachweis für das Halten der Tiere wurden die Weichen gestellt. 2002 gründete er seine Straußenfarm in Thalheim. „Anfangs war alles nur als Hobby gedacht, zumal auch der Rest der Familie von der Idee begeistert war“, blickt Joite zurück. Zu Ostern 2002 holte er den ersten Hahn und zwei Hennen nach Thalheim.

Im ersten Jahr schlüpften 18 Küken und wurden aufgezogen. „Im Jahr darauf haben wir dann zum ersten Mal Strauße auch geschlachtet“, erzählt der 54-Jährige. Anfangs habe es manche schlaflose Nacht gegeben, alles bei der Haltung und Aufzucht richtig zu machen. Neben frischem Grün wurde auch geeignetes Mineralfutter gebraucht. Immerhin wachsen Küken am Tag um die zwei Zentimeter. Strauße, besonders die Küken und Jungtiere, seien sehr sensibel und stressanfällig. Deshalb verbringt der Züchter viel Zeit nach dem Schlüpfen mit dem Nachwuchs. „Wenn die Tiere zum ersten Mal in ein Freigehege kommen oder sie umgesetzt werden, bleiben sie nicht allein. Zwei Stunden vergehen da schnell, in denen ich mich bei ihnen im Gehege aufhalte“, erzählt Joite.

Der Tierbestand wuchs im Laufe der Jahre, die Verarbeitung des Fleisches und dessen Vermarktung erforderten Zeit und Einsatz. Schließlich zeichnete sich ab, dass daraus ein Vollzeitjob wird. „Inzwischen habe ich auch Mitarbeiter beschäftigt. Pro Jahr werden auf unserer Farm zwischen 60 und 70 Tiere aufgezogen und geschlachtet, die wir selbst vermarkten.“ Dabei setzt er auf Partner in der Region, lässt einen Teil des Straußenfleisches in der Oschatzer und Döbelner Region zu Salami und anderen Würsten verarbeiten. Das meiste davon kommt über den Hofladen auf der Farm an die Kunden. Joite hat aber auch andere Partner wie beispielsweise in der Gastronomie. Die Straußensteaks im Oschatzer Gasthaus „Schwan“ stammen von Tieren aus Thalheim. „80 bis 90 Prozent der Produkte gehen aber über den Ladentisch im Hofladen“, sagt der Thalheimer. Er setzt in Herstellung wie Verkauf auf regionale Kreisläufe, will dass Kunden, die ihm von Anfang die Treue halten, auch weiterhin zu ihm kommen. Dafür hat er sogar schon mal eine Anfrage zur Kooperation mit dem Dresdner Hilton-Hotels abgesagt.

Regionale Kreisläufe bedeuten für Joite auch, dass er Schulklassen, Kinder- und Jugendgruppen und Erholungssuchende in seiner Fram begrüßt. Seit zehn Jahren arbeitet er deshalb unter anderem mit der Oschatz-Information zusammen. Ausflügler kämen aber auch mit dem „Wilden Robert“ an und besuchten die Strauße. „Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Neugier, wie die Tiere gehalten werden, ist groß. Von Mai bis September kommen deshalb auch Reisegesellschaften im Umkreis von 180 Kilometern zu uns. Von Jahr zu Jahr ist die Nachfrage gewachsen. Seit 2004 werden regelmäßig Hoffeste veranstaltet.

Doch nicht alles in den zurückliegenden Jahren war eitel Sonnenschein. „Am schlimmsten war die Zeit, als in Wermsdorf die Vogelgrippe ausgebrochen war“, wird Joite nachdenklich. Richtig Angst hatte er damals davor, dass auch Fälle in seiner Nähe auftraten. Denn das hätte – wie bei Geflügelzüchtern und -haltern in der Wermsdorfer Region ein Töten der Tiere zur Folge gehabt. Es kam zum Glück nicht soweit. „Wir durften jedoch damals keine Tiere schlachten und die zuvor bereits hergestellten Erzeugnisse für einen festgelegten Zeitraum nicht verkaufen“, blickt er zurück. Ein Horrorszenario blieb zum Glück aus. Aus der Vogelgrippe von damals zog Uwe Joite aber Konsequenzen. Als Selbstständiger hat er sich seitdem neben der Straußenfarm zwei weitere Standbeine geschaffen, um bei einem Notfall nicht vor dem Nichts zu stehen.

Wenn Uwe Joite aus seinem Alltag als Straußenfarmer erzählt, merkt man ihm die Begeisterung für seine Arbeit immer noch an. Ein Fakt, der sicher dazu beigetragen hat und beiträgt, dass auch nach so vielen Jahren das Interesse an den Tieren und den Erzeugnissen von der Farm nicht abgerissen ist. Ohne Herzblut und familiäre Unterstützung wäre das undenkbar.

Von Bärbel Schumann

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