Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Berthold Zheme: Der Retter von St. Aegidien in Oschatz
Region Oschatz Berthold Zheme: Der Retter von St. Aegidien in Oschatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:41 22.04.2018
Berthold Zehme zündet in der St. Aegidienkirche eine Kerze an - ein Akt mit Symbolkraft. So wie die Kerze brennt der Pfarrer in Rente für die Oschatzer Stadtkirche und will mit seinem Engagement Mut machen. Quelle: Sven Bartsch

Als der gebürtige Klingenthaler vom Landeskirchenamt als Pfarrer nach Oschatz geschickt wurde, stand Berthold Zehme der Sinn nicht nach Baustelle. "Ich wollte mich um die Gemeinde kümmern und nicht bauen. Andererseits konnte ich aber nicht zusehen, wie die Kirche einfällt. Ich habe mir damals gesagt: Mit Mut und Gottvertrauen wage ich das", sagt der Oschatzer, der kürzlich seinen 75. Geburtstag mit 120 Gästen gefeiert hat. Einige der Gratulanten hatten ihn damals angesichts des gewaltigen Vorhabens für verrückt erklärt.

In den letzten Jahren der DDR stand die Zukunft der St. Aegidienkirche auf Messers Schneide. Wegen Einsturzgefahr sollten die Turmspitzen abgetragen werden. Balken waren durchgefault, das Dach kaputt. Über der Orgel musste ein Baldachin gebaut werden, damit der Organistin nicht von herabfallenden Teilen verletzt wurde. Bei einer Ausstellung Mitte der 90er Jahre in Leipzig wurde eine Fotomontage der Oschatzer Stadtsilhouette ohne Aegidienkirche gezeigt. "Das sah aus wie ein Maul ohne Zähne", erinnert sich Berthold Zehme und schüttelt den Kopf.

Dass dieser Anblick Realität wird, wollte der Oschatzer mit aller Kraft verhindern - und hat das schließlich auch geschafft. Seine Familie unterstützte ihn dabei und akzeptierte den immensen Zeitaufwand. "Meine Frau meinte scherzhaft: Berthold, du bist mehr mit St. Aegidien verheiratet als mit mir", sagt Zehme, der seit knapp drei Jahren Witwer ist.

Seit 1987 wird an dem Wahrzeichen von Oschatz gebaut. Bis heute sind 16 Millionen Euro in die Kirchsanierung geflossen.Von dieser Summe hat der 1991 gegründete Verein "Rettet St. Aegidien" drei Millionen Euro aus eigener Kraft aufgebracht. "Wir sind ein richtig gutes Team", schätzt Zehme als Vorstandsmitglied des Vereins ein und hebt das Engagement des Vorsitzenden Dieter Köhncke und der Schatzmeisterin Gudrun Kohlbach hervor.

Die Sanierung ist heute zum größten Teil abgeschlossen, das Kirchengebäude befindet sich innen und außen in einem guten Zustand. "Trotzdem sind immer wieder kleinere Arbeiten notwendig", sagt Zehme. Als nächstes soll eine Steigleitung für Löschwasser in den Südturm gelegt werden. Dort befindet sich die historische Türmerwohnung, die vom Verein "Rettet St. Aegidien" betreut wird. Zu Ostern hat in diesem Jahr Berthold Zehme die Saison in der Türmerstube eröffnet und Besuchern von oben seine Heimatstadt gezeigt.

Den kräftezehrenden Aufstieg dorthin über 197 Stufen in 50 Meter Höhe hat er in Spitzenzeiten in nur anderthalb Minuten bewältigt. Das schafft der drahtige Rentner heute nicht mehr ganz, obwohl er sich im Fitness-Studio und mit Trompetenblasen in Form hält. Davon wird sich heute Nachmittag auch Staatsminister Neumann überzeugen können. "Ich werde ihm zum Empfang mit der Trompete ,Großer Gott, wir loben Dich' blasen", sagt Berthold Zehme.

Frank Hörügel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sebastian Krumbiegel unterstützt das Engagement der Stadt Oschatz im Rahmen der bundesweiten Kampagne gegen Rassismus "Wir stehen auf". Seit dem 12. März fanden in Oschatz mehr als zwölf thematische Veranstaltungen, organisiert von einem breiten Bündnis aus Sport-, Jugend-, Kulturvereinen und Kirche statt.

10.04.2013

Zu einem Vortrag 110 Jahre Schmalspurbahn Nebitzschen-Kroptewitz wird heute mit Reiner Scheffler in den Ratssaal Mügeln eingeladen. Der Mügelner Heimatverein Mogelin lädt dazu 19 Uhr ein.

10.04.2013

Die Jugendweihe für Schüler in der Oschatzer Region wird in diesem Jahr in zwei zentralen Veranstaltungen im Oschatzer Thomas-Müntzer-Haus am 20. April stattfinden.

10.04.2013
Anzeige