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Berühmter Philosoph Fichte: "Ich bin ein Oschatzer"

Berühmter Philosoph Fichte: "Ich bin ein Oschatzer"

Der berühmte Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814) war ein Bürger der Stadt Oschatz. Das hat der hiesige Heimatforscher Wolfgang Michael jetzt herausgefunden.

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Johann Gottlieb Fichte blickt auf die Stadtsilhouette von Oschatz. Die Lithografie zeigt die Stadt im Jahr 1782. Zu diesem Zeitpunkt war Fichte ein junger Mann im Alter von 20 Jahren. Reproduktion und Fotomontage: Sven Bartsch

Oschatz. Von Frank Hörügel

 

 

 

Eher zufällig stieß Michael bei seinen Recherchen im Stadtarchiv auf einen Eintrag im Oschatzer Bürgerbuch aus dem Jahr 1775 (siehe rotgefärbter Text). "Dass es sich hier um den berühmten Fichte handelt, ist ohne Zweifel. Denn auch im sogenannten Pförtner-Buch von Schulpforta findet sich zeitgleich passend ein Eintrag mit den genauen Personalien Fichtes", weiß der Oschatzer.

Johann Gottlieb Fichte war zu diesem Zeitpunkt ein Junge von zwölf Jahren. Niemand ahnte, dass aus dem Kind ein bedeutender Mann werden sollte, der sich mit seinen flammenden patriotischen Reden an die deutsche Nation als Gegner Napoleons und zudem als einflussreicher Philosoph profilierte.

Wie kam es, dass der gebürtige Rammenauer (bei Bischofswerda) ein Bürger der Stadt Oschatz geworden ist? "Das führt zu einer Besonderheit der sächsischen Schulgeschichte", sagt Wolfgang Michael. Die Städte im damaligen Kurfürstentum Sachsen erhielten Freistellen an den Fürsten- und Landesschulen in Meißen, Pforta (bei Naumburg) und Grimma. Michael: "Oschatz erhielt davon vier, ausgerechnet im fernen Pforta. Die Oschatzer nutzten dieses Privileg sofort." Im Herbst 1543 zogen vier Oschatzer Schüler in Pforta ein. Später ließ der Andrang nach. Grund: Die Gelehrtenausbildung wurde immer unattraktiver, da es kaum feste Arbeitsstellen für die Gelehrten gab. "Nach gutem alten Brauch machte nun die Stadt das Recht, die Stellen in Pforta zu besetzen, zu Geld für die notleidende Kämmerei", hat der Heimatforscher herausgefunden.

Das funktionierte so: Ein auswärtiger Vater oder Verwandter zahlte die stattliche Gebühr für das Bürgerrecht - und konnte die Freistelle der Stadt Oschatz in Pforta besetzen. So war es auch bei Johann Gottlieb Fichte. Für ihn zahlte der Gutsherr Freiherr Haubold von Miltitz, der mit Fichte verwandt war.

"Dieser Verkauf der Freistellen an auswärtige Schüler stellt eine historische Kuriosität dar", sagt Dr. Erich Fuchs. Der Wissenschaftler ist Mitglied der Internationalen Johann Gottlieb Fichte-Gesellschaft und gilt in Deutschland als der Experte für die Biografie des Philosophen. Seit Jahren beschäftigt er sich mit dem berühmten Vordenker und hat bisher sieben Bände "Fichte im Gespräch. Berichte der Zeitgenossen" herausgegeben. Als "sehr überraschende Neuigkeit" wertet Fuchs, dass Fichte Bürger der Stadt Oschatz war. Den Eintrag im Oschatzer Bürgerbuch will der Fichte-Biograf ans Ende seines Vorwortes für den nunmehr letzten Nachtragsband zur siebenbändigen Fichte-Ausgabe stellen, erklärte er gegenüber der OAZ.

Fraglich ist noch, ob der Oschatzer Bürger Johann Gottlieb Fichte jemals die Döllnitzstadt besucht hat oder nur auf dem Papier ein Oschatzer gewesen ist. Vielleicht findet sich auch auf diese Frage noch eine Antwort.

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