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Oschatz „Besser Ich“: Schultheater an Goethe-Schule Mügeln
Region Oschatz „Besser Ich“: Schultheater an Goethe-Schule Mügeln
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11:34 08.02.2018
Caroline Mährlein und Roland Bedrich vom Theater der Jugend Welt in Leipzig präsentierten in der Goethe Oberschule Mügeln das Klassenzimmerspiel "Besser Ich". Quelle: Foto: Christian Neffe
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Mügeln

Als es am Dienstag an der Goethe Oberschule in Mügeln zur vierten Stunde läutet, wissen weder die Schüler der 6. Klasse noch deren Lehrerin Simone Pause-Zukowski, was sie in den kommenden 90 Minuten erwartet. Caroline Mährlein und Roland Bedrich betreten den Raum, schieben wortlos ein kleines Regal vor die Tafel, mustern die noch tuschelnden Kinder mit ernstem Blick. Mährlein und Bedrich kommen vom Theater der Jungen Welt aus Leipzig und haben den Schülern nicht nur ein Regal voller Requisiten, sondern auch ein Theaterstück fürs Klassenzimmer mitgebracht. Der Titel: „Besser Ich“.

Von prominenten Vorbildern und „Psycho-Doping“

Es geht um Selbstdarstellung, Selbstoptimierung, Selbstvermessung und beginnt mit Zahlen, Daten und Fakten über Künstler und Prominente. Mozart habe im Alter von vier Jahren mit dem Musikunterricht begonnen. Barack Obama einen Universitätsabschluss mit magna cum laude. Supermodel Kate Moss begann ihre Karriere schon mit 14 Jahren. Schaut, was sie geschafft haben – und dann schaut euch und eure Freunde an. „Wir sind hier um euch zu testen und zu optimieren“, erzählt Mährlein, weist auf die beliebte Methode des „Psycho-Dopings“ hin und verteilt mit ihrem Kollegen sogleich kleine Zuckertabletten.

Mit ihren Schultheaterstücken ziehen die Darsteller seit Herbst 2015 auf Anfrage durch die Klassenzimmer nahe Leipzig, bieten insgesamt sechs Stücke an, unter anderem eines, das sich um Mobbing dreht. Wie es sich für modernes Theater gehört, sind sie dabei auf die intensive Mitarbeit des Publikums angewiesen, weshalb der zweite Akt von „Besser Ich“ aus einem Quiz besteht: Die eine Hälfte der Klasse tritt gegen die andere an, die Gewinner bekommen überschwänglichen Applaus, die Verlierer gehen leer aus. Nur wer gute Leistungen bringt, ist etwas wert – so die überspitzte Botschaft.

Darsteller vom Theater der Jungen Welt präsentieren Klassenzimmerstück „Besser Ich“ in der Goethe Oberschule Mügeln

Später toben Mährlein und Bedrich in Sportklamotten durchs Zimmer, steigen auf die Tische (eine Hommage an den Film „Der Club der toten Dichter“, in dem Robin Williams seine Schüler zu mehr Selbstständigkeit animieren will), liefern eine abstrakte Interpretation von Darwin Evolutionstheorie („Der Stärkere überlebt“) ab und sorgen mit all dem für heiteres Gelächter. Dann steht die wortwörtliche Selbstvermessung an: In einem Fragebogen sollen die Schüler ihre Körpergröße, den Oberarmumfang oder ihren Notendurchschnitt notieren. Am wichtigsten aber ist die letzte Frage: „Was würdest du niemals für deinen persönlichen Erfolg tun?“

Darsteller wollen ein „Nein“ provozieren

Für den finalen Akt ziehen sich die Künstler Papiertüten mit den Konterfeis der Juroren einer bekannten Model-Casting-Sendung über den Kopf und wählen fünf Kandidaten aus, die gegeneinander antreten müssen. Je extremer das Styling, das ihnen ihre Mitschüler verpassen (zum Beispiel Schnittlinien für die Schönheitsoperation), desto höher die Gewinnchancen. Bei den Zuschauern sorgt das für helle Freude, bei manchen Teilnehmern weniger. „Nein“ sagt jedoch niemand. „Genau das wollen wir provozieren, es passiert aber viel zu selten“, erzählt Bedrich später. „Die Kinder sollen sich fragen: Wer setzt mich unter Druck und wo ist Schluss?“ Die Künstler putschen auf, steigern die Situation bis ins Absurde, nur um schließlich damit zu brechen. Zum ersten Mal schlagen Mährlein und Bedrich einen ernsten Tonfall an, als sie das vorlesen, was die Schüler zuvor am Ende des Fragebogens notiert haben: „Ich würde niemals jemanden verletzen“, steht da beispielsweise, oder: „Ich würde niemals Drogen nehmen.“ Andächtig lauschen die Schüler, als die Schauspieler ihre Fassade fallen lassen und von persönlichen Enttäuschungen berichten: Sie wollte Tänzerin werden, sei aber zu dick gewesen. Er lernte viele Jahre in der Musikschule, wollte ein großer Musiker werden, wurde mit 14 Jahren aber abgewiesen.

Eine kritische Reflexion über den konstanten Druck, immer besser zu werden – ob durch Schule, Eltern, Freunde oder Medien – dazu will „Besser ich“ animieren. Mit Erfolg: Nicht nur zeigen sich die Schüler nach dem Stück begeistert, sie nehmen auch zahlreiche Gedanken mit nach Hause. „Dass man an sich glauben sollte“, fasst Richard (13) seine persönliche Lektion zusammen. „Dass man mehr Selbstbewusstsein haben sollte“, sagt Max (12). „Dass man nicht blöden Trends folgen sollte, um schön auszusehen“, so Yannik (12). Und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

www.theaterderjungenweltleipzig.de/theaterpaedagogik

Von Christian Neffe

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