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Oschatz Betonwerk Oschatz: „Carbonbeton ist für uns die Zukunft“
Region Oschatz Betonwerk Oschatz: „Carbonbeton ist für uns die Zukunft“
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09:15 15.12.2016
Matthias Schurig, Geschäftsführer der Betonwerk Oschatz GmbH, zeigt Gitter aus Carbon für die Bewehrung von Beton. Quelle: Dirk Hunger
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Oschatz

„Wir fühlen uns da auch mit geehrt“, sagt Matthias Schurig mit einem Lächeln. Der Geschäftsführer des Betonwerks Oschatz spielt auf die diesjährige Verleihung des Deutschen Zukunftspreises an. Diesen hat kürzlich ein Team von Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Dresden für ihre Forschungen zu Carbonbeton erhalten. Sie sind wie die Betonwerk Oschatz GmbH Teil des Forschungs- und Entwicklungskonsortiums C³. Im OAZ-Interview erklärt Schurig, was es mit dem Konsortium auf sich hat, welche Ziele das Betonwerk bei Carbonbeton verfolgt und was der Bau von Nordsachsens leichtester Brücke für das Unternehmen bewirkte.

Herr Schurig, worum handelt es sich genau bei dem Forschungskonsortium C³?

C³ steht für ,Carbon Concrete Composite‘ (dt. Carbon-Beton-Verbundwerkstoff, Anm. d. Red.). Es ist eines von zehn Projekten, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms ,Zwanzig20‘ gefördert werden. Ziel ist, mit Carbonfasern verstärkten Beton als Alternative für den häufig verwendeten Stahlbeton zu entwickeln. Dem Projekt gehören mittlerweile rund 200 Mitglieder an.

Welche Rolle spielt das Betonwerk Oschatz innerhalb des Konsortiums?

Es gibt verschiedene Teilprojekte, an denen wir mitgewirkt haben. Zum Beispiel waren wir an der Konzeption von Betonrezepturen beteiligt. Des Weiteren haben wir Produkte mitentwickelt und hergestellt, bei denen Carbonbeton zum Einsatz kommt, zum Beispiel sechs Meter lange Binder.

Worin liegen die Vorteile von Carbonbeton gegenüber herkömmlichem Stahlbeton?

Grundlage des innovativen Baumaterials sind unzählige feine Carbonfasern, die zu Gittern geformt werden und die Zugkräfte in dem Verbundbaustoff aufnehmen. Da die Fasern im Gegensatz zum Stahl nicht rosten, kann das Carbon mit viel weniger Betonüberdeckung auskommen. Damit können mit Carbonbeton wesentlich leichtere Elemente hergestellt werden. Das spart wertvolle Ressourcen bei der Produktion. Darüber hinaus lässt sich die flexible Bewehrung aus Carbon leichter formen. Somit sind auch gekrümmte Strukturen, Schalentragwerke und völlig neue Produkte aus Beton möglich.

Wenn Carbonbeton so viele positive Eigenschaften besitzt, warum wird es dann in der Bauindustrie bisher vergleichsweise selten verwendet?

Bei Carbonbeton befindet sich noch vieles im Teststadium und läuft nur auf experimenteller Ebene ab. Es gibt nämlich – anders als bei Stahlbeton – keine allgemein festgelegten Normen und Vorschriften für einen Einsatz im Baugewerbe. Diese herbeizuführen, hat sich das C³-Projekt auf die Fahnen geschrieben.

Im Betonwerk sind häufig Vertreter von Universitäten zu Gast. Ist die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern aus Dresden noch intakt?

Ja. Wir stehen mit den Dresdnern in ständigem Austausch. Die Kooperation wird noch mindestens für drei Jahre fortbestehen. So lange begleiten wir die Forschungsgemeinschaft C³. Im Übrigen haben wir auch regelmäßig Kontakt mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) aus Leipzig.

Und wie sieht es mit der Oschatzer P-D Glasseiden GmbH aus?

Auch mit dieser Firma befinden wir uns in regem Kontakt. Schließlich wirkt das Glasseidenwerk ebenfalls am C³-Konsortium mit. Meines Wissens nach stellen sie inzwischen sogar selbst Carbon her.

Zusammen mit dem Team aus Dresden haben sie Nordsachsens leichteste Brücke errichtet. Hat sich durch den Bau ihr Bekanntheitsgrad erhöht?

Von vielen Menschen werden wir seitdem eher wahrgenommen als andere Firmen. Das denke ich schon. Dass wir sowohl regional als auch überregional über eine gute Bekanntheit verfügen, zeigen zudem die nicht wenigen Preise, die wir erhalten haben.

Warum ist die Brücke über die Döllnitz am Oschatzer Stadtpark überhaupt so leicht?

Das ist ein Sonderfall. Die Brücke ist glasfaserbewehrt und hat eine besondere geometrische Ausbildung. Dank dieser wiegt das Bauwerk nur fünf Tonnen. In herkömmlicher Bauweise wären es 25. So eine große Verringerung des Gewichtes ist jedoch nur in Verbindung mit innovativer Formengestaltung möglich. Bei vergleichbaren Formen erreichen wir mit dem Carbonbeton Gewichtsreduktionen von 30 bis 50 Prozent, verglichen mit Bauwerken aus Stahlbeton.

Welche Ziele verfolgen sie im Hinblick auf Carbonbeton?

Zunächst streben wir die gleiche Stellung wie für Stahlbeton an. Sprich: Es müssen allgemein akzeptierte Normen für eine Verwendung festgelegt werden. Bis das der Fall ist, werden meiner Meinung nach aber noch ein paar Jahre vergehen. Wenn es dann genormte Berechnungsverfahren gibt, ist unser großes Ziel, in einem Teil unserer Produkte Stahl durch Carbon in der automatisierten Betonherstellung zu ersetzen. Vor allem in der automatisierten Produktion ist Carbonbeton für uns die Zukunft.

Was ist Ihr aktuelles Projekt?

Momentan bauen wir Musterstücke für die BAU München im Januar 2017. Das ist die größte Messe der Baubranche weltweit. Wir werden sowohl Stücke aus Stahl- als auch aus Carbonbeton vorstellen. Ansonsten ist bis Weihnachten noch viel zu tun. Wenn kein Wintereinbruch kommt, wollen wir voll durchproduzieren. Nur in der Weihnachtswoche soll die Arbeit ruhen.

Von Matthias Klöppel

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