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Oschatz Biografie einer Sensation
Region Oschatz Biografie einer Sensation
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16:14 28.11.2012
Die sächsische Landeskonservatorin Prof. Dr. Rosemarie Pohlack und der Gebietsreferent im Landesamt für Denkmalpflege Dr. Steffen Delang präsentieren die Broschüre zum Oschatzer Vogtshaus. Quelle: Dirk Hunger
Oschatz

Von Frank Hörügel

"Das ist jeden Tag ein ganz besonderes Gefühl", schwärmt Grit Jähn von ihrem Arbeitsplatz. Die Steuerberaterin hat seit drei Jahren ihr Büro im Erdgeschoss des geschichtsträchtigsten Hauses von Oschatz. Ihre Kanzlei ist eines von sieben Unternehmen, die sich in das Vogtshaus eingemietet haben und die sich selbst Besiedler nennen.

Wer in der reichlich 800 Jahre langen Geschichte des Gebäudes ihre Vorgänger gewesen sind, das erfuhren die heutigen Besiedler am Dienstagabend aus berufenen Mündern. Die sächsische Landeskonservatorin Prof. Dr. Rosemarie Pohlack stellte eine druckfrisch Publikation des Landesamtes für Denkmalpflege zum Vogtshaus in Oschatz vor (siehe Kasten). Auf 114 Seiten haben hier Experten der Denkmalpflege die Biografie des Denkmals aufgeschrieben und illustriert.

Sechs Jahre sind vergangen, seit die Landeskonservatorin das Vogtshaus das letzte Mal gesehen hat - damals noch als Ruine. "Die graue Maus kann ich mir kaum noch vorstellen", sagte sie. Aus denkmalpflegerischer Sicht empfindet Pohlack die Sanierung des Hauses nun als "beglückend". Dieses Gefühl hatte Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) nach seinem Amtsantritt 2001 nicht. "Damals hatten wir andere Sorgen, als uns um diese alte Hütte zu kümmern", erinnerte er sich. Dass die Stadt sich schließlich doch aufraffte und knapp zwei Millionen Euro in die Sanierung steckte, bereut Kretschmar heute nicht. "Wir haben ein wesentliches Stück mittelalterlicher Geschichte erhalten", ist er stolz.

An der Erforschung dieser Geschichte hat Dr. Steffen Delang vom Landesamt für Denkmalpflege einen großen Anteil. Nach seiner Einschätzung hat die Bauforschung am Gebäude "sensationelle Befunde" ergeben. Nach ersten Untersuchungen des Gebäudes in den Jahren 1991 bis 1993 durch Prof. Gerhard Billig aus Dresden und den Denkmalpfleger Manfred John aus Wermsdorf befassten sich zwischen 2006 und 2009 erneut Denkmalpfleger und Archäologen mit dem Vogtshaus. Dessen Baujahr wird auf 1200 geschätzt. "Das Vogtshaus ist der bisher älteste nachweisbare steinerne Profanbau (weltliche Nutzung, d. Red.) in Sachsen - eventuell sogar Mitteldeutschlands", sagte Delang. Ursprünglich beherbergte das Vogtshaus den Sitz des markgräflichen Vogtes, dann ein spätmittelalterliches Rathaus, einen Freihof adliger Familien und das Siegelhaus der Tuchmacher.

Bei der Sanierung wurden viele Elemente der verschiedenen Epochen bewahrt, das Haus atmet an jeder Ecke die jahrhundertealte Geschichte - und vermittelt den heutigen Besiedlern jeden Tag ein besonderes Gefühl.

-Kommentar

Die Broschüre "Das Vogtshaus in Oschatz" kann für zwölf Euro im Vogtshaus gekauft werden.

Auf 114 Seiten widmen sich 14 Denkmalpfleger, Archäologen und Konservatoren dem mittelalterlichen Gebäude am Kirchplatz.

Forschungsgeschichte, Untersuchungen und Sanierung werden dargestellt.

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