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Blutrausch im Oschatzer Südbahnhof

Blutrausch im Oschatzer Südbahnhof

Vor dem Landgericht in Leipzig begann gestern der Prozess gegen sechs Männer im Alter zwischen 16 und 36 Jahren, die am 26. Mai dieses Jahres am Oschatzer Südbahnhof einen obdachlosen Mann so zusammengeschlagen haben sollen, dass der Verletzte am 1. Juni im Krankenhaus starb.

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Die dritte Strafkammer des Landgerichtes in Leipzig verhandelte gestern wegen des Todes eines 50-jährigen Obdachlosen in Oschatz. Zum Prozessauftakt wurde durch die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verlesen.

Quelle: Hagen Rösner

Leipzig/Oschatz. Von Hagen Rösner

 

 

 

Zum Prozessauftakt klärte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel die Personalien. Dabei wurden auch zwei Nebenklagevertretungen zugelassen. Sowohl die Tochter als auch der Sohn des Verstorbenen treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Zwei Angeklagte befinden sich in einer Justizvollzugsanstalt und mussten mit Beamten und in Handschellen dem Richter vorgeführt werden. Allen sechs Angeklagten stehen Pflichtverteidiger zur Seite. Eltern der beiden 16-jährigen Angeklagten befanden sich nicht im Verhandlungssaal.

Hauptbestandteil der gestrigen Verhandlung war die Verlesung der Anklageschrift durch Oberstaatsanwältin Claudia Laube. Bei der Verlesung wurde deutlich, mit welcher Brutalität der 50-jährige Obdachlose in der Frühsommernacht 2011 zusammengeschlagen wurde. Etwa eine Minute dauerte die Aufzählung der schweren Kopfverletzungen, die dem Mann zugefügt wurden. Die Staatsanwältin warf den Angeklagten vor, gezielt und bis zu 30-mal mit den Füßen gegen den Kopf des Opfer getreten zu haben.

"Sie haben gewusst, dass diese Tritte für den Mann tödlich sein können", so die Oberstaatsanwältin. Sie wirft den Tätern auch vor nur von ihrem Opfer abgelassen zu haben, weil sie vermuteten, dass es tot ist.

Zum Prozessauftakt ließen die sechs Angeklagten durch ihre Pflichtverteidiger erklären, dass sie zunächst keine Aussagen zum Vorfall machen wollen. Allerdings wurde eingeräumt, dass sie zur Verhandlung am 24. Februar aussagen könnten.

Nach etwa 45 Minuten schloss Richter Norbert Göbel die Verhandlung, die voraussichtlich am 21. Dezember weitergeführt wird. Der relativ kurze Verhandlungsstart hat auch verfahrensrechtliche Gründe. So musste jetzt das Verfahren eröffnet und die Anklage verlesen werden, weil sich zwei Angeklagte schon seit einem halben Jahr in Haft befinden und diese Dauer nicht ohne Verhandlungsbeginn überschritten werden dürfe.

Zu den Prozessbeobachtern aus Oschatz gehörte gestern auch Anja Kohlbach vom Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz. Insgesamt soll es noch zehn weitere Verhandlungstage geben, in denen geklärt werden soll, was sich am 26. Mai im Südbahnhof wirklich abspielte. Mit einem Urteil ist nicht vor April des kommenden Jahres zu rechnen.

Der Fall

Am 27. Mai gegen 7.30 Uhr wird der schwerverletzte Obdachlose André K. im Oschatzer Südbahnhof gefunden. Der Mann stirbt am 1. Juni. In der Folgezeit ermittelt die Kriminalpolizei sechs Männer, aus Oschatz und der Umgebung, die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen. Die Aussagen der Männer passen nur schwer mit den medizinischen Befunden zusammen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem gemeinschaftlichen Totschlag aus. Eine Entschuldigung oder Reue war beim gestrigen Prozess nicht bemerkbar.

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