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Blutspender in Oschatz abgelehnt

Medizin Blutspender in Oschatz abgelehnt

Ohne eine genaueren Grund zu nennen, wurde der Oschatzer Blutspender Frank Boden bei Haema abgelehnt. Sein Blut werde nicht gebraucht, hieß es. Was genau dahinter steckt, schildert Marion Junghans, Mitarbeiterin von Haema. Seltene Blutgruppen werden selten benötigt. Das Blut habe nur eine begrenzte Haltbarkeitsdauer.

Beim einem Mann wird Blut abgenommen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Oschatz. Schon seit über zehn Jahren geht der Oschatzer Frank Boden regelmäßig bei Haema in der Collm-Klinik Blut spenden. Die Haema AG ist die größte private Blutspendeeinrichtung in Deutschland. Abgewiesen wurde Boden in dieser Zeit noch nie. Umso größer war seine Überraschung, als man ihm vor Ort sagte, dass er nicht dran kommen könne. „Als ich nach dem Warum fragte, sagte man mir, dass mein Blut dieses Mal nicht benötigt wird“, erinnert er sich an die knappe Antwort.

Nur gleiche Blutgruppen transfundiert

Marion Junghans, Stellvertretende Zentralbereichsleiterin Unternehmenskommunikation von Haema, erklärt den Grund. „Frank Boden besitzt die Blutgruppe B positiv. Damit gehört er in Mitteleuropa zu einer Minderheit. Lediglich neun Prozent der Deutschen besitzen diese Blutgruppe. Seltene Blutgruppen werden jedoch auch entsprechend seltener benötigt, da es weniger Menschen und damit auch Kranke und Verletzte mit dieser Blutgruppe gibt.“ Ähnlich sieht es bei anderen relativ seltenen Blutgruppen aus (siehe Diagramm oben). Blut werde in der Regel blutgruppengleich transfundiert und sei nur eine sehr begrenzte Zeit haltbar. Nach Ablauf einer bestimmten Frist (Erythrozyten-Konzentrate maximal 48 Tage und Thrombozyten-Konzentrate maximal vier Tage) dürfe es nicht mehr an Patienten verabreicht und müsse beseitigt werden. Daher sei der Blutspendedienst bestrebt, sein Depot optimal dem Bedarf anzupassen. „Unser Ziel und ethischer Anspruch ist es, jede Blutspende auch wirklich medizinisch zu nutzen. Wir gehen davon aus, dass dies auch im Interesse unserer Spender ist“, ergänzt Marion Junghans.

Sie betont aber auch, dass es, wenn ein Vorrat an Blutkonserven bestimmter Blutgruppen gerade ausreichend vorrätig ist, hin und wieder vorkommen könne, dass Spender um Verständnis gebeten würden, auf eine Spende zu verzichten beziehungsweise die Mitarbeiter gezwungen seien, eine Spende abzulehnen.

Enttäuschung ist verständlich

„Wir können verstehen, wenn Spender darüber enttäuscht sind, können es jedoch nicht verantworten, wider besseren Wissens in diesem Fall eine Blutspende anzunehmen.“

Auch Frank Boden war enttäuscht über die Ablehnung. „Immerhin ist es ja auch Zeit, die man hier investiert.“ Zeit, die aber auf jeden Fall investiert werden sollte, betont Marion Junghans, da Spender nur im äußersten Notfall wieder weggeschickt würden. „Spender sollen sich nicht davon abschrecken lassen, zur Blutspende zu kommen. Das wäre furchtbar. Lieber einmal zu viel dagewesen als gar nicht. Wir freuen uns über jeden, der kommt.“ Auch der Griff zum Telefon, um auf Nummer sicher zu gehen, dass die jeweilige Blutgruppe gerade benötigt wird, könne viel Zeit ersparen.

Plasmaspender gesucht

Für Plasmaspenden gilt diese Beschränkung jedoch nicht. „Im Gegenteil – Spender mit seltenen Blutgruppen sind dafür sehr gut geeignet. Allerdings ist diese Form der Blutspende nur mit bestimmten technischen Geräten und daher ausschließlich in unseren festen Blutspendezentren möglich. Oschatz zählt nicht dazu, hier besteht nur die Möglichkeit der einfachen Blutspende“, so Marion Junghans. Plasmaspenden sind in der Nähe von Oschatz an folgenden Orten möglich: Grimma, Dresden, Leipzig und Chemnitz.

Ebenfalls eine seltene Blutgruppe ist 0 negativ. In Mitteleuropa haben nur rund sieben Prozent der Bevölkerung diese Blutgruppe. „Im Bereich der Blutspende und Transfusionsmedizin sind sie eine ganz besondere Gruppe. Sie werden auch als sogenannte Universalspender bezeichnet, da ihr Blut nicht nur für Patienten mit dieser, sondern im äußersten Notfall für Personen jeder beliebigen anderer Blutgruppen verwendet werden kann. Besteht zum Beispiel Zeitnot, so dass die Blutgruppe des Opfers nicht bestimmt oder die passende Konserve organisiert werden kann, kann Blut der Blutgruppe 0 negativ gegeben werden. Sie wird von allen Menschen vertragen“, erklärt die Expertin. Ansonsten gilt: Blutgruppen, die in der Bevölkerung stark vertreten sind – zum Beispiel 0 und A – werden auch entsprechend häufig benötigt. „Hier besteht immer ein hoher Bedarf an Spenden.“

Im Jahresverlauf kommt es regelmäßig zu saisonalen Schwankungen im Aufkommen von Blutspenden. „So müssen wir leider jedes Jahr in den warmen Sommermonaten aber auch bei Ferien oder extremer Kälte im Winter mit Engpässen rechnen. Das sind Zeiten, in denen Blutspender verreisen oder aufgrund des Wetters nicht zur Blutspende kommen. Auch Feiertage/Brückentage oder die bevorstehenden Winterferien zählen jedes Jahr zu den spendeschwachen Zeiten“, sagt Marion Junghans.

Frank Boden gibt nicht auf

So betont sie erneut, dass jeder Spender wichtig ist. Und auch Frank Boden lässt sich nicht entmutigen, wird sein Glück erneut versuchen und 0sein Blut mit der Blutgruppe B positiv zum Spenden anbieten.

Von Kristin Engel

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