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Börln: Hoffnungsvolles Leben endet im Schützengraben

Börln: Hoffnungsvolles Leben endet im Schützengraben

Unter den Schrecken des Ersten Weltkrieges, dessen Beginn sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, litten auch Einwohner der Region Oschatz.

Börln.

Einer von denen, die nach Kriegsausbruch an die Front mussten, war Willy Priemer aus Börln. Dabei hatte der junge Mann eine hoffnungsvolle Zukunft vor sich: Er galt als talentiert, konnte gut malen, war musikalisch, sehr naturverbunden und hatte nach erfolgreichem Studium den Beruf des Lehrers ergriffen. "Das ging, weil sein Vater drei Kinder hatte und der älteste Sohn den Bauernhof in Börln übernehmen konnte", weiß Karin Becker. Noch heute wohnt sie, eine geborene Priemer, auf dem Hof, auf dem sich einst Willy Priemer von seinen Eltern und Geschwistern verabschieden musste. Bis dahin, so hat sie heraus gefunden, hatte der junge Mann als Lehrer in Borna gearbeitet. In seinem Nachlass fand Karin Becker noch eine Fotografie seiner ersten Klasse.

 

Aus dem Dachbodenfundus versucht die Börlnerin, Puzzleteile ihres Vorfahren - Willy Priemer war der Bruder ihres Großvaters, der schließlich die elterliche Bauernwirtschaft weiterführte - zu einem Gesamtbild zusammenzuführen. Was sie dabei entdeckt, rührt die herzliche Frau selbst 100 Jahre nach den Geschehnissen noch an. "Es sind noch ganz viele Bilder da, die er gemalt hat, er hat sogar seine Mutter porträtiert. Außerdem sind seine Bücher, vor allem über Biologie und Geschichte, aufgehoben worden", erzählt sie, "Willy war ein intelligenter und wissbegieriger junger Mann, er hätte noch so viel leisten, Kindern noch so viel lernen können. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen."

 

Am 25. September 1915 war das Leben des jungen Börlners jäh zu Ende. Mit gerade einmal 26 Jahren wurde er in Frankreich tödlich verwundet. Seine Eltern erhielten die lapidare Mitteilung im Telegrammstil: "Der Gefreite Willy Priemer ist am 25. September bei St. Souplet durch Kopfschuss gefallen und ist im deutschen Graben liegen geblieben. Dies bezeugt der Kriegsgefangene Wilhelm Bochmann." Unterzeichnet wurde das Schreiben vom Kommandanten des französischen Gefängnisses. Erst ein Vierteljahr später, am 14. März 1916, wurde der Familie die Sterbeurkunde durch das Standesamt Leipzig zugestellt und mitgeteilt "...dass Ihr Sohn auf dem Feld der Ehre für das Vaterland gefallen ist".

 

"Für seine Eltern war das natürlich kein Trost, sie haben immer um Willy getrauert", glaubt Karin Becker und zeigt eine Fotografie des jungen Mannes, die sein Vater vergrößern ließ. Darunter hat die Familie den Schriftzug "unser verlorenes Glück" anbringen lassen. "Diese drei Worte sagen eigentlich alles", findet sie.

 

Im Nachlass ihrer Vorfahren hat sie auch zahlreiche Briefe und Feldpostkarten gefunden. Doch daraus könne man nur wenig über die Befindlichkeiten der Menschen damals ablesen. "Meistens ging es um den Alltag, dass das Feld bestellt und die Ernte eingebracht werden musste." Viel eindringlicher seien da die wenigen verbliebenen Fotos: Eines zeigt Willy Priemer im ersten Kriegsjahr als Soldat. Älter sieht er aus, die Brille fehlt und er wirkt resigniert. "Im Vergleich zu dem Porträt aus Friedenszeiten erkennt man ihn fast nicht wieder", so Karin Becker, "man sieht deutlich, wie Krieg die Menschen verändert."

Jana Brechlin

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