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Breites Bündnis will Kriegsflüchtlinge in Oschatzer Alltag integrieren

Breites Bündnis will Kriegsflüchtlinge in Oschatzer Alltag integrieren

Die Stadt ist Oschatz neben anderen Städten und Gemeinden im Landkreis Nordsachsen zum Zufluchtsort für Flüchtlinge aus Krisengebieten geworden (wir berichteten).

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Die Flüchtlinge sollen in Oschatz integriert werden.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Von christian kunze und Anja Terpitz

 

In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Nordsachsen, der Stadtverwaltung Oschatz und dem Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz initiiert die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Aegidien jetzt ein Projekt, das sich der gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen annimmt. "Wir möchten ganz einfache Möglichkeiten der Begegnung schaffen", erläutert Pfarrer Christof Jochem die Idee des Projektes. "Dazu gehört eine sachgerechte Information der Bevölkerung und die Beheimatung der Flüchtlinge", so Jochem. Die Finanzierung erfolgt über Mittel des Lokalen Aktionsplans Nordsachsen.

 

Die Oschatzer Kirchgemeinde ist seit der Gründung Partner und Akteur im Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz. "Wenn Menschen ihre Heimat verlassen, dann stecken oft große Konflikte, Sorgen und hohe persönliche Belastungen dahinter", erklärt Christof Jochem. "Ich möchte es mit einem Psalm ausdrücken: Güte und Treue sollen einander begegnen, Gerechtigkeit und Frieden sich küssen", umschreibt der Oschatzer Pfarrer seinen dringlichsten Wunsch.

 

Erlebnisse schlimmer als Alpträume

 

Beim Zugehen auf die Geflohenen aus anderen Staaten, die seit kurzem in Oschatz leben, sieht Oberbürgermeister (OBM) Andreas Kretschmar (parteilos) die Oschatzer Vereine in der Pflicht. Und so stellt er sich das vor: "Seit kurzem wohnen 60 junge Männer aus Somalia, Libyen, Pakistan und Indien in unserer Stadt. Sie sind von ihrem Zuhause geflohen. In einem Alter von Anfang 20 haben diese jungen Leute Dinge erlebt, die wir uns in unseren schlimmsten Alpträumen nicht einmal vorstellen können", so der OBM.

 

Die Flüchtlinge seien hübsch gekleidet und hätten ein Smartphone dabei, würden also auf den ersten Blick nicht auffallen im Oschatzer Stadtbild. "Diese Menschen sind jedoch nicht von ihren Familien getrennt worden und geflohen, weil Oschatz eine so schöne, sanierte Innenstadt zu bieten hat oder sie gerne zu Kabarettabenden hierher gehen wollen. Nein, sie sind vor Krieg, Gewalt und Elend geflüchtet und hier in Oschatz mutterseelenallein", so das Stadtoberhaupt. Das Smartphone sei oftmals ihre einzige Verbindung in die Heimat.

 

Andreas Kretschmar appellierte an die Vereinsvorsitzenden und weitere Vertreter des Ehrenamtes, die Flüchtlinge einzuladen, damit sie Anschluss finden. "Nur so verstehen sie, wie wir hier leben, was wir den ganzen Tag tun und warum wir es tun." Als ein Beispiel nannte er den Sport, der dafür bekannt ist, Nationen miteinander zu verbinden. "Ich könnte mir vorstellen, dass junge Libyer gern Fußball spielen." Die Zukunftsängste um ihr eigenes Schicksal und das ihrer Familien in der Ferne ließen einen verstummen, wenn man im Vergleich dazu sehe, welche Sorgen die Oschatzer umtreiben, so Kretschmar.

 

Teilhabe am Leben ermöglichen

 

Neben Informationen zu Hintergründen und einer Aufklärung verschiedener Vorurteile ist es den Verantwortlichen wichtig, bestehende Verbindungen zu stärken und neue Anknüpfungspunkte zu schaffen, die eine Teilhabe der Flüchtlinge am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

 

Mit der Federführung für die Patenschaftsaktion beauftragte die Kirchgemeinde das Oschatzer Unternehmen Mediation & Marketing. "Neben aktiver Öffentlichkeitsarbeit ist es uns wichtig, ein Netzwerk für Flüchtlingspaten ins Leben zu rufen und den Vereinen beratend zur Seite zu stehen, die Interesse an der Integration der asylsuchenden Menschen zeigen," erläutert Anja Kohlbach vom Bündnis für Demokratie und Toleranz die bevorstehenden Aufgaben. "Egal, mit wem man spricht, die Hilfsbereitschaft der Oschatzer ist groß. Jeder, der Interesse an einer Patenschaft hat oder anderweitig unterstützen möchte, kann sich bei der Kirchgemeinde Oschatz oder der Firma Mediation & Marketing melden", so Kohlbach. © Kommentar

 

Weitere Informationen unter www.kirche-oschatz.de, www.mediation-marketing.de oder telefonisch unter 03435/988 10 50 (Mediation & Marketing).

Christian Kunze

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