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Buchautor Wolfgang Michael hat Nazizeit in Oschatz recherchiert

Buchautor Wolfgang Michael hat Nazizeit in Oschatz recherchiert

Die Geschehnisse in der Nazizeit in Oschatz stoßen auf großes Interesse. Wolfgang Michael stellte in dieser Woche sein neues Buch "Oschatz unterm Hakenkreuz" zahlreichen Geschichtsinteressierten im Gasthaus "Zum Schwan" vor.

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Autor Wolfgang Michael (r.) nach der Lesung im Gespräch mit Zuhörern.

Quelle: SB

Oschatz. Von Frank Hörügel

 

 

 

Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 begann in Oschatz eine völlig neue Zeitepoche. "Die meisten Einwohner empfanden eine tiefe Erleichterung darüber, dass sie wieder einen festen Arbeitsplatz und ein steigendes Einkommen fanden. Die anfängliche Distanz verwandelte sich in dankbare Loyalität zum neuen System", hat Michael bei seinen Recherchen herausgefunden.

Tatsächlich war 1933 fast jeder dritte Oschatzer auf staatliche Unterstützung angewiesen, bis 1939 herrschte dagegen praktisch Vollbeschäftigung. Grund: Als neue Garnisonsstadt profitierte Oschatz von der zunehmenden Militarisierung. Vor allem Bauarbeiter wurden gebraucht - für den Neubau des Fliegerhorstes, für Kasernenbauten an der Dresdener Straße und die Errichtung von Wohnhäusern in der Kant-, Burg- und Friedensstraße. Die Soldaten und ihre Familien ließen zudem Gastronomie und Handel erblühen.

Parallel dazu waren die Oschatzer ständiger Propaganda der Nazis ausgesetzt. Fast jede Woche wurden Aufmärsche durch die Stadt veranstaltet. Kinofilme glorifizierten das System und hetzten gegen Juden. Im Jahr 1939 wurden in den UT-Lichtspielen am Neumarkt knapp eine halbe Million Eintrittskarten verkauft. Jeder Oschatzer war im Durchschnitt 27-mal im Jahr im Kino. "Die Oschatzer Nazibonzen übertrafen sich gegenseitig in ihrem Judenhass", fand Michael heraus. Und das, obwohl es in der Stadt nur wenige Juden gab.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 standen die meisten Oschatzer hinter dem Hitler-Regime. Wie es danach bis zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches 1945 weiterging, recherchiert Wolfgang Michael derzeit.

Am Ende seiner Lesung erinnerte der Autor daran, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg einen breiten Konsens gab: Das darf nie wieder geschehen! "Es gibt aber keine Garantie für die Zukunft: Alles ist möglich", ist sein persönliches Fazit zur Entwicklung zwischen 1933 und 1939 in Oschatz.

Das Buch "Oschatz unterm Hakenkreuz - eine Chronik 1933-1939" kann in der Oschatz-Information und der Buchhandlung Roscher gekauft werden. Für den dritten Band von 1939 bis 1945 sucht der Autor noch Fotodokumente und Feldpostbriefe aus dieser Zeit.

Auszug aus Chronik

- 11. Februar 1935: Die Luftschutzwarte der Stadt Oschatz werden in einer großen Feier vereidigt.

- 7. August 1935: Das Mügelner Standesamt lehnt Aufgebote zwischen Ariern und Nichtariern und damit auch die Eheschließung ab.

- 24. März 1936: Als Einschüchterung werden in Oschatz die bekannten Antifaschisten Otto Eichler, Max Knäse, Rudolf Krug, Heinrich Schäfer, Alfred Schiemann, Erich Vogel und Emil Zwahr in "vorbeugende Schutzhaft" im KZ Sachsenburg eingekerkert.

- 3. September 1937: "Die rote Weltpest - der Bolschewismus" heißt eine Ausstellung, die vom 11. bis 17. September im Oschatzer Schützenhaus zu sehen sein wird.

- 12. August 1938: Zum 1. September werden 32 Volkswohnungen bezogen. Sie befinden sich in vier Häusern der Merkwitzer Straße und am Wachhübel.

- 10. Mai 1939: Am 12. Mai werden in Oschatz die ersten Volksgasmasken ... an die Volksgenossen abgegeben...

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